
Erstaunlich gut klingen die sorgsam aufbereiteten Aufnahmen, die der Jazz-Impresario Joe Segal am 24. Oktober 1967 von Terry Callier im Earl Of Old Town in Chicago mitgeschnitten hat. Sie widerspiegeln exakt die Stimmung jener Zeit, als aussagekräftige Folkmusic in Kaffehäusern, Jazzclubs und College-Aulas ein kleines Publikum aus Studenten, Beatniks, Hippies und anderen Musikliebhabern anzuziehen vermochte. Terry Callier, Singer/Songwriter an der Schnittstelle von Folk, Jazz und Blues, stand damals – 22-jährig – am Beginn einer spannenden Karriere.
Standen Callier’s spätere Studioalben – sein Debut erschien ungefähr ein Jahr nach diesem Live-Auftritt – im Zeichen zusätzlicher Instrumente und gar Streicher sowie dem Erforschen weiterer musikalischer Möglichkeiten, so hören wir hier in den 10 Songs den Künstler ungeschminkt, mit emotionalem Gesang, sich nur auf seiner akustischen Gitarre begleitend. Sein Repertoire an diesem Abend reichte von Traditionals und Protestsongs bis zu Bluesklassikern oder Popsongs.
So stehen etwa der Jahrhunderte alte, u.a. von Leadbelly oder Led Zeppelin aufgegriffene Klassiker «Gallows Pole» und der Willie Dixon-Song «Seventh Son» neben dem 1960er-Hit «Hang On Sloopy» (hier «My Girl Sloopy» genannt). Der von Poet/Aktivist Oscar Brown Jr. mit einem Text versehenen «Work Song» aus der Feder von Jazz-Trompeter Nat Adderley findet seinen Platz neben dem Old School-mässigen «Deep Elem Blues», der Tom Paxton-Ode «Last Thing On My Mind» oder der sanften, optimistischen Dino Valenti-Ballade «Birdses». In welche Richtung Terry Callier auch tendiert, er lebt die Songs auf eigenständige Weise mit einer beeindruckenden Ausstrahlung und Intensität. Ein wunderschönes musikalisches Zeitzeugnis!
Terry Callier (voc, g)
(2LP, CD, DL, Time Traveler Recordings)