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Der Virtuose

Johnny A ist ein mutiger Mann. Jeder Ton, den er spielt, hat grosses Gewicht und das bedeutet, dass er nicht einmal danebenhauen kann. Aber das scheint bei ihm sowieso kein Thema zu sein. Der sechzigjährige Amerikaner spielt Gitarre, und zwar mit einem unglaublichen Selbstvertrauen, einer Meisterschaft über das Instrument, die sich in seiner Musik transportiert. Johnny A spielt ausschliesslich instrumentale Stücke, und er spielt diese im Trio mit Bass und Schlagzeug, so dass wirklich jeder Ton des Songs hörbar von seinem Spiel abhängt. Und seine Musik ist bluesig und voller Soul. Wer Bluesgitarre mag, kommt um Johnny A nicht rum. Der Mann ist eine Offenbarung!

Es dauerte einige Zeit, bis Johnny A seine musikalische Stimme für sich selbst sprechen lassen konnte. Der Musiker aus Massachusetts spielt Gitarre seit er in den Teenage-Jahren war, und es scheint, als habe er von den Beatles an die gesamte Geschichte der Blues- Rock- und Popentwicklung mitgemacht. Diese Musik hat er zu seinem eigenen Stil verschmolzen, einer Mischung aus Blues, Jazz und Soul und Country, aber stets deutlich auf der Basis des Blues, was die emotionale Tiefe angeht. Und das ist es, was ihn nicht nur zu einem «Guitarist’s Guitarist» werden lässt, also zu einem Fachmann für Kenner, sondern womit er auch in den Markt von technisch wenig interessierten Musikliebhabern eindringen konnte.

Dies begann 1999 mit seinem Album Sometime Tuesday Morning, das sich gut verkaufte und mit der ausgekoppelten Single Oh Yeah erstmals seit über zehn Jahren wieder ein Instrumentalstück auf die Nummer 1 der Charts brachte. Inzwischen hat der Mann drei CDs (die anderen beiden heissen Get Inside und das Live-Set One November Night) sowie den Gitarren-Instruktionskurs Taste – Tone – Space, dessen Titel so ziemlich auf den Punkt bringt, was an der Musik dieses Mannes so gewaltig ist.

Aber das dauerte seine Zeit. Rein technisch war er sicher stets versiert, weshalb er lange Jahre als der namenlose und perfekte Sideman im Studio spielte. Er begleitete Santanas Percussionist Mingo Lewis, Doug Clifford, denfrüheren Drummer von Creedence Clearwater Revival und schliesslichspielte ermit Delaney & Bonnie und später Bobby Whitlock, Keyboarder von Derek & the Dominos. Bekannt wurde Johnny A während sieben Jahren als Gitarrist und «musical director» der J. Geils Band, bzw. dessen Frontmann Peter Wolf. So waren die 80er und 90er vergangen und 1999 schwamm er sich mit dieser extrem relaxten Scheibe Sometime Tuesday Morning frei und heimst seither Preise und Lob zu Hauf ein, zuletzt 2010 den Boston Music Award für «Blues Artist of the Year 2010». Selbstredend, dass die CD von ihm produziert wurde. Wer so lange auf die Chance warten muss, will die Fäden nicht aus der Hand geben.

Was macht den Stil aus? In einem Interview zu seiner ersten Einspielung unter eigenem Namen sagte Johnny A: «Es war die Aufgabe, meine eigene Stimme zu finden. Ich hatte nie die Möglichkeit, mein Songwriting und mein Gitarrenspiel zusammen zu bringen und es als eine Einheit zu gestalten. Ich wollte keinen Leadsänger, denn die Stimme des Sängers ist die Stimme der Band. Diesmal wollte ich derjenige mit der Stimme sein.»

Sein Stimmtraining, sozusagen, waren die grossen Gitarristen des 20. Jahrhunderts: Beatles, Chet Atkins, Wes Montgomery (was nicht zu hören ist!), Hendrix und die Everly Brothers. Diese nennt er im Interview, aber auch Jeff Beck, Stevie Ray Vaughan und Kenny Burrell sind deutlich zu hören. Gerade diese Musikkombination ist es, die den speziellen Sound ausmacht. Im Gegensatz zu anderen Gitarren-Virtuosen wie Paul Gilbert, Yingwie Malmsteen, Stevie Vai oder Joe Satriani (mit dem Johnny A 2006 auf Tour ging) spielt er keine High-speed-Gitarre, sondern sehr geschmackvolle Arrangements mit viel Raum, damit die Musik atmen kann.

Technisch spielt er eine Technik, die auch bei Roy Buchanan schon zum Einsatz gekommen war: Das sogenannte Hybridpicking kombiniert Pick und die Finger aufs beste, und A ist wie gesagt ein Meister im Beherrschen seines Instruments. Er spielt eine Gibson Signature Gitarre, mit Resonanzkörper und Bigsby-Vibrato, die nach seinen Spezifikationen gemacht wurde, die aber nur in den USA verkauft wird.

Ein gutes Beispiel für die überragende Technik des Mannes, aber auch für seine Musikalität ist seine Komposition Krea Gata. Ein sanftes Jazz-Stück, das an Lenny ebenso erinnert wie an Chitlins con Carne. Die Akkorde werden jedesmal neu und innovativ angegangen. Die recht Hand vollbringt Wunder, das den Attack auf die einzelnen Saiten angeht. Dann wird der Song komplexer, wird wilder, ohne dass die Kontrolle jemals entgleitet. Die Licks perlen auch bei höchstes Rotation der Finger noch immer klar aus den Lautsprechern. Nach diesem Solo, wenn man dem so sagen will, ist er mit dem Drehen eines Potis sofort wieder zurück bei den sanften Klängen, das ist fast schon gespenstisch. Die gibt nur ein schlechtes Bild dessen, was auf der CD Get Inside zu hören ist.

Ach und übrigens: Sein abgekürzter Name ist nicht maniriertee Bescheidenheit, sondern die Erkenntnis, dass sein voller Name Antonopoulos grundsätzlich falsch ausgesprochen wird, also beliess er es beim Initial.

Wer den Mann live sehen will, muss wohl vorerst in die USA reisen, aber vielleicht lohnt sich das ja: Am 7. Bis 11. November 2012 findet im «MGM Grand» in Las Vegas ein Jam statt mit Johnny A, Warren Haynes und Jack Bruce, wie der Künstler auf seiner Homepage ankündigt.

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