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Perfektion bis zur Langeweile

Chris Antonik ist ein kanadischer Bluesman aus Toronto, der als Gitarrist und Sänger eine Band anführt. Sein Debutalbum 2010 wurde mit allen Preisen bedacht, welche die Bluesszene bereit hält, und nun legt der Gewinner des «Maple Blues Awards» mit Better for You sein zweites Album vor. Darauf präsentiert er elf Songs, die mit einer Ausnahme alles Eigenkompositionen sind. Das Cover ist «Big» Walter Hortons akustischer Titel Have a Good Time, der auch auf dieser CD der einzige akustische Titel ist. Die anderen zehn Songs sind elektrische Bluessongs moderner Prägung, bei denen insbesondere Chris Antoniks grosse Nähe zu Eric Clapton auffällt. Nicht nur wegen des Strat-Sounds klingt Anotink wie der grosse E.C., auch eine laid-back-Entspanntheit ist zu vernehmen, die bei einem so jungen Musiker erstaunen. Wenn die CD einen Makel hat, dann vielleicht den, dass sie zu perfekt ist.

Chris Antonik spielt eine cremig verzerrte Fender Stratocaster, genauso wie dies in jedem Handbuch für Bluesgitarristen nachzulesen ist. Seine Stimme hat eine gewisse rauchige Qualität, passt perfekt zur Gitarre, und die Begleitband bietet neben der Rhythm-Section eine Orgel und gelegentlich eine Bluesharp. Als Gäste gibt es verschiedene Gastsänger zu hören, nämlich Mike Mattison, der sonst für die Tedeschi Trucks Band singt, ausserdem Sängerin Shakura S’Aida (Ruf’s Blues Caravan u.a.) und Josh Williams (von The Fat Cats), der auch Keyboards spielt. Als Standard-Begleitung sind weiterhin die beiden Sideman Chris Chiarelli (Schlagzeug) und Andrew Taylor (Bass) dabei, als weitere Gäste begrüsst Antonik Steve Marriner (MonkeyJunk), Julian Fauth, sowie die Kanadier Suzie Vinnick und Richard Underhill, der auch die Bläsersätze arrangierte.

Ein dezenter Einsatz von Bläsern (Nothing I Can Do) und wunderbar synkopierte Rhythmen, alles passt perfekt zusammen. Man kann wirklich nichts gegen diese CD sagen, die toll produziert wurde, ein Zusammenspielen von Musikern auf hohem Niveau. Trotzdem – oder vielleicht eben genau aus diesem Grund – kann man die gesamte CD durchhören, ohne dass einem ein Titel besonders auffällt. Nicht mal der akustische Titel Have a Good Time sticht besonders heraus. Die Produktion ist insgesamt vielleicht zu perfekt, zu glatt, zu homogen, für alle Beteiligten ein Job mehr als eine Herzensangelegenheit. Zumindest macht es diesen Eindruck, und wenn Titelbilder etwas aussagen, dann ist es der leere Blick ins Off, der perfekt zu diesem Sound passt.

Perfektion kann sehr nahe bei der Langeweile liegen, und das verdeutlicht die CD hier. Für einohrige Hörer, die Blues als Soundtrack des Arbeitswegs hören oder als Begleitung zum Kochen, ist diese CD wohl pures Gold, sie geht von Stück zu Stück, ohne besonders bemerkenswerte Hoch- oder Tiefpunkte. Eine perfekte CD mit modernem Blues. Radiotauglich, aber leider auch etwas sehr Massenware. Wer im Blues auch etwas Haken und Ösen, etwas menschliches Herzblut und Persönlichkeit sucht, für den wird diese CD nach einmaligem Durchhören eine Bereicherung des CD-Schrankes darstellen, aber möglicherweise nicht viel mehr.

Abschliessend nochmal ein Wort zu Chris Antoniks Gitarrenton: Der omnipräsente Stratocaster-Sound mit Overdrive, die Höhen zurückgenommen, resultiert hieraus der moderne «Woman Tone», wie Eric Clapton zu Zeiten von Cream seinen Sound nannte (der noch nicht auf einer Strat entstand!). Hier wird eine Gitarre gespielt, die so klingt wie Clapton auf Behind the Sun, Journeyman oder Reptile. Nun gibt es sicher solche, die der Meinung zustimmen, dass es von etwas Gutem nie zu viel geben kann, aber wer So Tired oder das Solo auf Nothing I Can Do anhört, wird sich fragen, wo die Persönlichkeit des Kanadiers geblieben ist, die in so viel Mimikri kaum noch auszumachen ist.

 
Chris Antonik Better For You (2012)
1. Long Way To Go 4:38
2. Turn To Shine 4:01
3. Come From a Good Place 3:58
4. Broken Man 4:46
5. Have a Good Time 4:12
6. Shake Me Down 4:17
7. Better For You 4:44
8. Nothing I Can Do 5:37
9. Tell Me What You Need 4:24
10.So Tired 4:41
11.I'll Help You Through 3:37
 

 

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