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Zurück zu den Wurzeln

Auf seinem jüngsten Album mit dem Titel Bluesamericana kehrt Keb‘ Mo‘ erneut zu dem zurück, was er am Besten kann und was ihn auszeichnet: geschmackvoll modernisierter Country Blues, ein modernes musikalisch Idiom, bei dem er an Ursprünge wie Robert Johnson oder Woodie Guthrie vielleicht erinnert, aber diese sanft abstaubt und erneuert. Das neue Album enthält selbst verfasste Titel mit schönen Texten und groovigen Songs. Die Musik wird von Mo‘ weitgehend selbst gespielt, er tritt als Multiinstrumentalist auf, dennoch ist die Liste der Kollaborateure auf diesem Album beeindruckend lange. Das aktuelle Album scheint mir wieder sehr gelungen und es erinnert an seine frühen Erfolge mit den ersten beiden Alben KebMo (1994) und Just Like You (1996).

Ich muss zugeben, ich liebe Keb‘ Mo‘. Ich liebe sein Gitarrenspiel und seinen Gesang, seine Phrasierung und sein Slide. Seit ich ihn vor Jahren als Solo-Act im Winterthurer «Albani» gesehen habe, halte ich Keb‘ Mo‘ für eine aussgewöhnlich interessante Persönlichkeit des Blues-Zirkus. Diese Verehrung wurde in den vergangenen Jahren hart auf die Probe gestellt, immer wieder kamen Alben raus, die irgendwie enttäuschten. Ich habe mir Big Wide Grin, The Door oder Peace … Back By Popular Demand, angehört, The Reflection dann nicht mehr weiter erwogen, weil es mir erneut zu glatt, auch zu funky daherkam und irgend etwas passte mir immer nicht. Einzelne Songs waren immer wieder begeisternd, aber ganze Alben kriegte er nicht mehr hin.

Das neue Album Bluesamericana aber ist mal wieder ein Treffer. Kevin Moore, wie Keb‘ Mo‘ ja ursprünglich heisst, schliesst hier an frühere Alben an, er trifft wieder diesen leisen und melancholischen Ton, der dadurch so eindringlich wird. Er hat witzige Titel wie Old Me Better oder Do it Right, Beziehungstitel, bei denen es um die Manipulation durch die neue Partnerin geht oder um das Versprechen, sich bei der neuen Chance mehr Mühe zu geben.

Alle Titel sind selbst verfasst und gespielt, auf jedem spielt Keb‘ Mo‘ mindestens 3 Instrumente, und die Aufnahmen scheinen zu unterschiedlichen Zeiten gemacht, denn die Liste der Mitmusiker ist lange. Einzig That’s Alright, der Klassiker von Jimmy Rogers wird hier sanft entstaubt und in neuem Groove-Gewand präsentiert. Selbst heftig instrumentierte Titel wie The Worst is Yet to Come behält seinen einfachen Grundcharakter und kommt mit Händeklatschen und Mandoline reichlich «rootsy» rüber, aber der Song behält Luft zum Atmen.

Wer also – wie ich – von den jüngsten Alben etwas enttäuscht war, für den ist Bluesamericana vielleicht der Beweis dass es der Bluesman aus Compton, Los Angeles noch immer drauf hat.

Keb’ Mo Bluesamericana (2014)

Keb’ Mo‘Gitarren (E-Gitarren, Resonator-Gitarren, akustischte Gitarren), Banjos, Harmonica, Tambourin, Bass, Keyboards
Brian Allen Bass
Keio Stroud Schlagzeug
Steve Jordan Schlagzeug
Tom Hambridge Schlagzeug
Casey Wasner Schlagzeug, Bass
Colin Linden Mandoline
Paul Franklin Pedal Steel
Tim Shinness Cello, Mandoline
Michael Hanna Orgel
Tim Lauer Klavier, Orgel
Joe Wood Perkussion
Michael Hicks Orgel,Backing Vocals
Robbie Brooks Moore Backing Vocals
Kevin So Backing Vocals
Melvin «Maestro» Lightford Horn Arrangements
Quentin Ware Trompete
Jovan Quallo Tenor Sax
Roland Barber Posaune 
 
1. The Worst Is yet to Come 3:58
2. Somebody Hurt You 3:37
3. Do It Right 4:08
4. I'm Gonna Be Your Man 4:35
5. Move 4:32
6. For Better or Worse 3:25
7. That's Alright 4:15
8. Old Me Better 2:57
9. More for Your Money 2:49
10. So Long Goodbye 3:54

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