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Grosse Vorschusslorbeeren waren für das Album Tomorrow Is My Turn von Rhiannon Giddens zu lesen. Die NZZ, Schweizer Radio-Zeitschrift Kulturtipp und das amerikanische Rolling Stone waren sich gleichermassen einig: dies ist ein wunderbares Album. Nach einem Wochenende mit dieser CD kann ich mit Sicherheit vorhersagen, dass Rhiannon Giddens eine glänzende Karriere vor sich hat, wenn auch das aktuelle, von T-Bone Burnett produzierte Album nicht durchweg begeisterte wie das anderenorts zu lesen war. Das liegt aber weniger an Giddens‘ Musik als an Burnetts etwas übertriebenen Arrangements. Rhiannon Giddenshat eine Stimme, dass man neidisch werden muss. Von Aretha Franklin bis Whitney Houston kann die Sängerin alle Facetten einer Stimme abdecken. Das neu Album ist ein Statement, dass mit Rhiannon Giddens eine neue Stimme da ist, die bleiben wird.

Produziert von T-Bone Burnett, dem momentan einflussreichsten Produzenten für Roots-Alben, kommt das Album Tomorrow Is My Turn der aus North Carolina stammenden Sängerin und Multi-Instrumentalistin Rhiannon Giddens als ein mächtiges Statement daher: Hier wird geklotzt, und alle Facetten sollen gezeigt werden. Der Titelsong ist ein Cover eines wunderbaren Chançons von , mit Shake Sugaree ist eines der «Wiegenlieder» von Elizabeth Cotten vertreten (auch gespielt von Willie de Ville auf dem akustischen Berlin-Album). Waterboy wiederum ist ein super-rootsiger Worksong, auf dem der Gesang aus den tiefen Tiefen des Bauches angesagt ist. Der Titel Black is the Color ist ein sehr modern klingender Titel mit fast Hip-hip-Beat, der nichts mehr von dem Ursprung anderer mitbringt. Der letzte Titel Angel City (eine Eigenkomposition) ist schliesslich eine schottisch anmutende Folk-Ballade.

Jeder Titel für sich ist dabei wirklich wunderbar, Grammy-würdig und mit einer Stimme zum Hineinkriechen, die jede Herausforderung meistert. Giddens Gesang transzendiert die typische Unterscheidung von Schwarzer Soulstimme und Weissem Belcanto, sie kann alles! In jedem Moment ist sie fähig, Schärfte, Weichheit, Vibrato oder Soul-Timbre in die Stimme zu bringen, so dass wirklich Gänsehautmomente garantiert sind. Im Kontext eines ganzen Albums aber ist etwas viel Abwechslung. Jeder Titel hat einen anderen Charakter und ein eigenes Feeling, jeder bedient eine neue Sparte musikalischen Schaffens und das macht das Album auch anstrengend. Eben eher ein Showcase als ein einheitliches Album. Mag sein, dass Burnett über diese Stimme so gejubelt hat, dass er besonders tief in seine musikalischen Vorräte griff und alles auftischte, was zu finden war. Das Klang-Buffet wird dadurch aber allzu üppig.

Auch die Instrumentierung ist ebenfalls von Stück zu Stück verschieden. Die Eröffnungsnummer Last Kind Words baut auf den Einsatz einer Mandoline, auf She’s Got You gibt es einen Saxophonsatz, während das Chanson von Aznavour mit Cello- und Bratschenbegleitung begeistern kann. Alle Musiker sind handverlesene Spezialisten und jeder für sich perfekt, was erstklassige Einzelsongs ergibt. Die Liste unten nennt alle Musiker, auch wenn sie nur auf einem Titel mitwirkten wie Burnett selbst. Gabe Witcher zeichnet für die Arrangements verantwortlich und  bei den grossen Arrangements gab es da 16 Musiker zusammen zu bringen. Das kleinste Arrangement ist für Gesang und Triobegleitung (Gitarre, Bass, Mandoline).

Rhiannon Giddens, die seit 2005 Musikerin ist, spielte zuvor mit einer Band namens Carolina Chocolate Drops, und mit Burnett hat sie sich die Zusammenarbeit mit dem Produzenten gesichert, der mit B.B. King One Kind Favor gemacht hat, mit Diana Krall Glad Rag Doll und mit Willie Nelson das AlbumCountry Music. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist ein Schatzkästchen voller Songs, aber kein Album. Aber abgesehen von dieser Einschränkung gibt es in jeder Hinsicht eine vollständige Empfehlung für dieses Album. Bestimmt ein Höhepunkt des Jahres 2015. Bleibt zu hoffen, dass sich ein Schweizer Konzertveranstalter bald die Gelegenheit sichert, diese Frau live präsentieren zu können.

Rhiannon Giddens Tomorrow Is My Turn (2015)
Rhiannon Giddens Gesang
Colin Linden Gitarren
T-Bone Brunett Gitarre
Mike Compton Mandoline
Noam Pikelny Banjo
Dennis Crouch Bass
Paul Cowert Bass
Jay Bellerose Schlagzeug, Perkussion
Keefus Ciancia Keyboard
Gabe Witcher Fiedel, Geige, Bratsche, Bläser-Arrangements, Streicher-Arrangements
Richard Dodd Cello
Jack Ashford Tambourine
Hubby Jenkins Knochen (Perkussion), Banjo
Adam Matta Beatbox
Darrell Leonard Trompete
Lester Lovitt Trompete
Tom Peterson Bariton Saxophon
Joe Sublet Tenor Saxophon
Jim Thompson Tenor Saxophon
Jonathan Batiste Melodica
Jean Witherspoon Background Vocals
Tata Vega Background Vocals

1. Last Kind Words 4:14
2. Don't Let It Trouble Your Mind 3:40
3. Waterboy 3:45
4. She's Got You 4:18
5. Up Above My Head 3:10
6. Tomorrow is My Turn 4:37
7. Black Is the Color 3:46
8. Round About the Mountain 3:30
9. Shake Sugaree 4:24
10. O Love Is Teasin' 4:33
11. Angel City 3:53
          

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