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Solid Groove und funky Sounds

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Das Schweizer Power-Trio Bluesballs ist produktiv: Sie haben eben ihr drittes Album 3 veröffentlicht, da ist es für die Bluenews-Redaktion höchste Zeit, sich ihr zweites Werk anzuhören, das der Redaktion vorliegt. Die neue Scheibe kann wie die Vorgänger auf der Website der Band   angehört und erworben werden. Hier soll die CD Playing On Me von 2008 besprochen werden, eine lebensfrohe und spielfreudige Sammlung von Cover-Versionen in der musikalischen Tradition von Stevie Ray Vaughan. Doch Bluesballs ist nicht einfach eine SRV-Tribute-Band.

Das Trio Blueballs ist eine Kooperation von Gitarrist und Sänger Jan Bukacek, und der Rhythm-Section bestehend aus Thomas LC Elsasser (Bass) und Sascha Jäggi (Drums). Das Trio hat augenscheinlich ihre Liebe zur Musik von Stevie Ray Vaughan & Double Trouble zusammengebracht, denn die CD ist mit drei Covern der drei Texaner bestückt: The House Is Rockin', Ain't Gonna Give Up On Love und zum Schluss Leave My Little Girl Alone, das weniger die Aufnahme Buddy Guys covert als jene Vaughans. Wichtig ist hierbei, dass es eben nicht nur SRV-Covers sind, sondern dass die Bassist und Schlagzeuger ein ebenso starkes Fundament bieten wie es Shannon und Layton als Double Trouble taten. Bukaceks Gesang orientiert sich ebenso wie sein Gitarrenspiel und die Verstärkung ganz klar und deutlich an Stevie Ray Vaughan. Die Identifikation mit dem Vorbild ist so deutlich, dass die Grenzen zwischen Inspiration und Imitation manchmal verwischen.

Generell sei hier die Arbeit der beiden Rhythmus-Spezialisten lobend hervorgehoben, die auf der CD sehr klar zu hören sind und die weniger einen festen und unbeweglichen Boden bilden als einen funky Groove als Basis der Musik. Die Basslinien Elsassers sind vielleicht nicht überwältigend virtuos, aber sie sind grundsolide. Die Gitarre von Jan Bukacek passt gut auf diese Unterlage, wie man es bei einem Power-Trio erwartet, aber Bukacek ist nicht einfach der brachiale Gitarren-Dampfhammer. Wie das Vorbild vermag er sehr lyrisch zu spielen mit feinen Abstufungen in der Intensität, die einerseits dem Stück gut tun, andererseits ein genaues Hinhören belohnen.

De Band ist Bluesballs ist, wie schon erwähnt, aber keine Tribute-Band, wenn man sie zunächst aber auch leicht als eine solche missverstehen könnte. Sie haben ein genuines Interesse an der Texas-Tradition und sie lassen diese grosszügig in ihre Musik einfliessen, aber sie suchen dennoch nach einem Ausdruck für ihre eigene tiefpersönliche Musik. Diese ist nach den Aufnahmen zu urteilen mit mehr Funk-Elementen versetzt als es SRV noch praktiziert hatte. Im musikalischen Ausdruck ist zu hören, dass auch die jüngsten Aufnahmen von Buddy Guy oder vielleicht Bernard Allison ihren Einfluss ausgeübt haben. Die Musik von Bluesballs ist somit nicht nur Texas-Blues, es ist moderner Trio-Blues auf der Basis der Meister von früher.

Und genau dies ist es schliesslich, was Bluesband ausmacht: Die Nutzbarmachung der Tradition für den eigenen musikalischen Ausdruck. Ebenso wie Los Lonely Boys auf der Basis von SRVs Blues ihre Tex-Mex-Sounds zum Ausdruck brachten, tun dies Bluesballs mit ihrer inneren Musik. In diese Authentizität liegt eine Attraktion der Band und das, was man hört, wenn man die Musik hinter dem sehr eingänglichen Groove sucht.

Ihren eigenen Ausdruck müssen die drei vor allem dort suchen, wo sie die Originale bei ihren Interpretationen abändern müssen, weil das Original nicht gut in ihr musikalisches Raster passt. Dies ist der Fall bei den zwei Titeln Before You Accuse Me von Bo Diddley und Cold Sweat von James Brown. In beiden musste die Band ihre eigene stimmige Version finden, was sehr gut gelang.

Ihre Verbundenheit mit der Musik des «Lone Star States» dokumentiert die Band mit Covern von Albert King (Playing On Me, Kansas City, I've Got That Feeling) und Albert Collins (Gotta Mind To Travel, auf der Website als «Mintes to Travel» angekündigt). Bei diesen Aufnahmen zeigt sich die Präferenz für den schnelleren Stil SRVs, denn die gemächliche Intensität eines Albert Kings rückt zugunsten einer Virtuosität in den Hintergrund. Auf I've Got That Feeling beginnt Bukacek mit King-Licks und dann wird insbesondere die Gitarre sehr funky.

Auch vor Denkmälern und grossen Namen schreckt die Band nicht zurück, so gibt es ein Cover von Boom Boom sowie eines von Hendrix' Purple Haze (auf dem es entweder eine zweite Gitarre oder Overdubs gibt). Nach meiner Empfindung ist Purple Haze wirklich gut, aber beim Cover von Hookers Song wird es schwierig. Jan Bukacek, der auch im Gesang Stevie nacheifert, strengt sich hier etwas sehr an, um Hookers «growl» hinzukriegen.

Ebenfalls in diese Kategorie gehört Mel Londons Klassiker Cut You A-Loose aus dem Jahr 1963. Dieses interpretiert die Band zunächst wie eine Hard-Rock-Formation: sehr beschränkte Tonalität aber Tonnen von Druck und Groove. Als das Gitarrensolo mit starkem Einsatz des Wah-Wah-Pedals dann einsetzt klingt es mehr nach Melvin Taylor. Auch der Song Demon's Eye von Deep Purple wird einer Neuinterpretation unterzogen, und das Trio kriegt den Klangflokati des Originals für ein Trio erstaunlich überzeugend hin.

Insgesamt also ist diese zweite CD der Band vielversprechend. Eine saubere Arbeit, die ziemlich fetzt und die nach einem langen Arbeitstag auf dem Kopfhörer gelegt den Stress des Tages hinwegfegt. Bluesballs sucht und findet ihren Ausdruck in grosser Genauigkeit und Ernsthaftigkeit des Spiels und gutem Gesang. Freilich drängeln sie sich auf einem engen Markt mit vielen anderen, für die Stevie Ray Vaughan und die damit zusammenhängende Veränderung des Blues den Aufbruch in ein neues Zeitalter bedeutete: Kenny Wayne Shepherd, Albert Cummings, Melvin Taylor, Johnny Lang, Chris Duarte, Jeff Healey und wie sie alle heissen, aber als Schweizer Alternative können Bluesballs den Amerikanischen «peers» auf Augenhöhe gegenübertreten.

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Playing On Me, 2008 

Jan Bukacek (g, voc) links
Thomas LC Elsasser
(b) rechts
Sascha Jäggi
(dr) mitte

1. Cold Sweat
2. Playing On Me
3. Leave My Little Girl Alone
4. Kansas City
5. Purple Haze
6. Cut You Loose
7. I've Got That Feeling
8. Before You Accuse Me
9. Aint Gonna Give Up On Love
10. Boom Boom
11. Mind To Travel
12. Demons Eye
13. The House Is Rockin'

 

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