Groove Now
Groove Now
Basler Veranstaltungskalender
Jazz 'n' More
Jazz 'n' More
 Unendliche Weiten, sehnsüchtiges Verlangen

StefanImoberstegChangingLanesCDCover.jpgGrosse Musik, Grosse Gefühle, Grosse Weiten im Geist, das präsentiert der Schweizer Gitarrist und Sänger Stephan Imobersteg auf seiner neuesten CD, das mit dem Titel Changing Lanes schon deutlich macht, dass der feinfühlige Berner neue musikalische Horizonte sucht. Seit längerem unterwegs, scheint er mit diesen Aufnahmen seine Bestimmung gefunden zu haben: American Music Made in Switzerland.

Die Zweitlings-CD des Berner Oberländers Stephan Imobersteg liegt der Redaktion vor, und deutlicher als die erste CD, Why We Hang Dreams, fällt diese CD eher in den Bereich Blues, weshalb bluesnews.ch sich einen vergnüglichen Abend mit dem Anhören dieser CD bereitet hat. Die Musik auf Imoberstegs neuer Scheibe ist abwechslungsreich, vielseitig und sie geht unter die Haut. 

 

Um es allerdings gleich vorweg zu sagen: Die Musik auf dieser CD ist sehr schön, aber es ist kein Blues. Ohne hier puristisch argumentieren zu wollen, aber Blues verlangt egal, ob akustisch oder elektrisch, ob Solo oder in der Band gewisse harmonische Strukturen, um tatsächlich Blues zu sein, und an diese hält sich Imobersteg nicht. Das ist keine Kritik, es sei einfach zu Beginn der Besprechung festgestellt.

Stephan Imoberstegs Musik lässt sich nicht leicht kategorisieren, im Internet wird er als Rockmusiker oder Bluesmusiker beschrieben, seine Musik wird mit Begriffen wie Country oder Folk umrissen, meist mit dem Zusatz, dass all diese Bezeichnungen nicht richtig passen. Um seinen Sound hier zu beschreiben, seien die folgenden Namen von Musikern genannt, an deren Aufnahmen mich jene des Berners erinnerten: Bob Dylan, James Taylor, Bruce Springsteen, Jerry Douglas, Van Morrisson, Paul Brady, Tim O'Brien, Tangerine Dream und die in der Schweiz meines Wissens bisher leider bisher nicht ausgestrahlte Sendereihe «Transatlantic Sessions» der Britischen BBC, in der Irische, Schottische, Walisische und Englische Folkmusikern mit ihren Amerikanischen «Nachfahren» gemeinsam spielen.

All diesen Musikern ist gemeinsam, dass sie auf der Basis von Folk-Elementen wie der keltischen Tradition der britischen Inseln und amerikanischen Formen wie Blues oder Country eine zeitlose Form der Musik schaffen, die man vielleicht als «American Music» bezeichnen kann. Diese bedient sich Bauteilen aus dem Blues, und ist doch selbst kein Blues. In dieser Tradition spielt Stephan Imobersteg, den sie zuhause im Oberland einfach «Steff» nennen. Er spielt Gitarre und Harmonika und führt die grosse amerikanische Musiktradition weiter, eben etwas Folk, etwas keltisch, aber auch mit einem Schuss Blues. Aber eben - der Blues Bleibt Versatzstück, bleibt Zitatensammlung. Imobersteg spielt mit einer Ausnahme auf der gesamten CD kein reines Bluesstück.

So setzt Imobersteg auf dem Stück Go Away etwa deutlich Blues-Licks für die Gitarre und eine Blues-Harp und das ganze klingt von der Klangfarbe her nach Chicago-Sound, wobei insbesondere die Aufnahme der Harmonika an den klassischen Chess-Sound erinnert. Allerdings ist auch dieses Stück harmonisch gesprochen kein Blues. Ein ohne Zweifel schöner Song, sehr lyrisch, wie eine Aufnahme von Dylans Oh Mercy oder Springsteens The Ghost of Tom  Joad. Ähnliches gilt für den zweiten Song Sleep Well Silence, auch hier ein extrem treibender Rhythmus und eine Harmonika als Oberstimme.

Das Eröffnungsstück der CD, Runaway baut auf der Grundlage eines gezupften Gitarren-Motivs auf, das aus einem arpeggierten Akkord besteht. Das Stück hat somit hypnotische Qualitäten, und wenn der Song zunächst auch sehr traditionalistisch daherkommt, so bleibt er modern und frisch.

Der fünfte Titel heisst The Invisible Bridge und dieser ist stärker als die anderen Titel etwas pop-artig, worauf schon das Klavier zu Beginn hindeutet. Dies ist Charts-taugliche Musik, ein offensichtlicher Titel, angenehmer Text. Als beim Refrain Background-Gesang einsetzt, überrascht das nicht mehr, es bestätigt den Eindruck des Songs als designierter «Auskoppler» für die Charts. Schöner, gefälliger Gitarrenpop, bei dem die Grundlagen noch zu spüren sind, wie generell bei Stephan Imobersteg. Von dem Song gibt es übrigens hier ein Video zu sehen. 

Es folgt I am I am besticht durch einen sehr dominanten Orgel-Sound, der einen flauschig-weichen Sound-Flokati legt, auf dem das gemütliche daherkommt, wie eine Art Reggae-Minimalisten-Stück. Die Orgel haut erbarmungslos den Lick raus, aus dem heraus ein Groove entsteht. Love Bite Memory Dust, das vierte Stück, erinnert stak an James Taylor mit seiner leichten folk-artigen Musikalität.

Es folgt ein Banjo-Stück I Will Smile When I'm Gone. Dieses nach minimalistischem Bluegrass: Banjo und eine Stimme in der Büchse, wie wenn sie in ein altes Mikro singen würde. Das Stück ist eine Zeitreise, zudem mit 2:44 Länge wirklich ein Pseudo-Fossil, indem es wie ein Stück daherkommt, das eine lange Geschichte hat. Eine wunderschöne Aufnahme, die mich stark an The Lakes of Ponchartrain von Paul Brady erinnert.

Mighty Gift kommt fast wie ZZ Top daher, volle Röhre Boogie. Dieses Stück mit seinem Boogie-Rhythmus und der jaulenden Harmonika kann man guten Gewissens als Blues bezeichnen, um es zu beschreiben. Auch dies eine schöne Aufnahmen, wenn mir auch die Abfolge der Aufnahmen hier nicht einleuchtet: Nach dem opulenten Orgel-Stück I am I am hätte dieser Texas-Dampfhammer gut gepasst, mit dem feinen Banjo-Song dazwischen wird dieser beinahe erdrückt.

From the Bottom to The Top ist der Titel des folgenden Stückes, das von einer schnarrenden Militärtrommel dominiert wird, die den Groove wirbelt. Erinnerungen an das erste Stück Runaway kommen auf, denn auch hier setzt die Band auf das hypnotische Element der Musik.

Das nächste Stück heisst Highway to Nowhere, und damit ist wieder Tom Joad angesagt oder vielleicht Van Morrisson. Die Harmonika klingt wieder nach Dylan, die Stimme singt ein Anliegen. Der Song hat grosse lyrische Qualitäten, ein weiteres sehr schönes Stück.

Fever of a Restless Break zieht erneut die ZZ Top-Karte. Wie zuvor ein Power-Boogie mit elektrischer Gitarre und auch hier lässt der Musiker seine Harp heulen. Let The Birds Fly Home ist ein weiterer rollende Country-Titel, ein vielleicht etwas zu mundharmonika-lastiges Stück. Business Paradise klingt wie ein Song zur Begleitung einer National Dobro Gitarre. Dies setzt Im Obersteg auch beim letzten Song ein, einem instrumentalen Slide-Stück namens Coal-Smoke and Ashes, das wirklich und klar ein Blues ist. Schade, dass es bei diesem einen Slide-Blues bleibt, und dass er fragmentarisch bleibt. Es wäre interessant gewesen, Steffs Stimme auch bei einem Blues zu hören.

Insgesamt gesehen, ist Stephan Imobersteg ein noch relativ junger Musiker (Jahrgang 1976) mit erstaunlicher Reife. Er spielt die grosse Amerikanische Musiktradition, wie es sich gehört, seine Musik klingt nach Chicago oder nach den weiten Himmeln des Westens, nach Louisiana-Romantik und vor allem nach zarten Zwischentönen. Der Mann hat keine Grenzen für seine Musik und er wird bei dieser soliden Qualität hoffentlich eine lange und erfolgreiche Karriere haben. Vielleicht wird er mehr Richtung Country gehen, vielleicht Richtung Folk, und wir können uns jetzt schon freuen, wenn er eines Tages ein reines Blues-Album aufnehmen sollte, denn auch das macht er sicher hervorragend.

Zu kritisieren an dieser CD ist lediglich die Zusammenstellung der Titel, diese scheint daraus auf zu sein, dass man auch nach der halben CD schon die gesamte Bandbreite der Musik gehört hat. Wie sonst wäre der stilistische Mischmasch zu erklären, bei dem keine Entwicklung des Stils zu erkennen ist, es bleibt eine bunte Collage. Die Harmonika nimmt für meinen Geschmack dann und wann zu viel Raum ein, aber das ist wirklich ein Detail.

Wer hierdurch Lust gekriegt hat, Imobersteg live zu hören, der nächste Auftritt von Stephan Imobersteg & Friends ist am 17. Februar 2010 um 21:00 Uhr im «The Cambrian» in Adelboden.

Weblink

Informative Seite des Künstlers bei mx3
http://www.mx3.ch/artist/stephanimobersteg

Schönes Porträt des Musikers mit Diskussion seines Musikstils
http://www.trespass.ch/Web/de/Bands_A-Z/S/Stephan_Imobersteg/Stephan_Imobersteg_und_die_Gegensaetze.htm

Stephan Imobersteg Changing Lanes

Stephan Imobersteg: Vocals, Guitar, Harmonica
Emre Aydin: Bass
Jean Claude Reusser: Drums
Thomas Hadorn: Keys
Chlous Teuscher: Keys
Celina Hurni: Backing Vocals
EvilMrSod: Guitar Backing Vocals
Willy Buchs: Schwyzerörgeli
Orlando Demont: Guitar

Trackliste

1          Runaway 3:10
2          Sleep Well Silence 2:33
3          Love Bite Memory Blues 2:29
4          Go Away 2:47
5          Invisible Bridge  3:13
6          I Am I Am 3:03
7          I Will Smile When I'm Gone 2:42
8          Mighty Gift (feat. EvilMrSod) 3:47
9          From The Bottom To The Top 3:57
10        Highway to Nowhere 2:57
11        Fever Of A Restless Break 2:24
12        Let The Birds Fly Home 2:44
13        Business Paradise 4:01
14        Coal-Smoke And Ashes 2:21

Bewertung insgesamt (0)

0 von 5 Sternen
Kommentar hinzufügen
  • Keine Kommentare gefunden

Kürzlich angehört

ZedMitchellBandOnStage
Comments0
Durchs Jahr mit Zed Mitchell

Zed Mitchell hat lange auf seine Chance gewartet, und allmählich wird es Zeit für ihn,…

DanPatalanskyIntroVertigoCDCover
Comments0
Das muss kesseln

Südafrikas Hard-Bluesrock-Gitarrist Dan Patlansky hat der Bluesnews-Redaktion seine zweite CD…

SiCranstounOldSchoolCDCover
Comments0
Perfekt nachempfunden

Der Engländer Si Cranstoun hat sich der Vintage-Musik verschrieben, sein Engagement mit seiner…

RollingStonesBlueAndLonesomeCDCover
Comments0
Blues als Teamleistung

Mit grossem Tamtam wurde das neue Album der Rolling Stones angekündigt. «Back to the Blues»…

BethHartFireontheFloorCDCover
Comments0
Beth Harts Altersrente

Die amerikanische Sängerin Beth Hart hat eine Stimme wie geschaffen für den Blues. Auf ihrem…

BlindWillieJohnsonGodDontNeverChange
Comments0
Alligator Records ehrt einen fast Vergessenen

Er ist nicht mehr sehr bekannt, obwohl seine Musik längst ihren Platz im…

GreyHoundGeorgeAndyEggertLongestRoadCDCover
Comments0
Bewährtes Duo

Der norddeutsche Slide-und Roots-Gitarrist Greyhound George wurde schon vermehrt mit seinen Alben…

AllenToussaintaltAmericanTunesCDCover
Comments0
Jung oder Alt — das Genie bleibt

Der erste Todestag des Komponisten, Arrangeurs, Songschreiber, Produzenten und…

FurhammerTarredFeatherdCDCover
Comments0
Eindrückliches Studiodebut

Die Schweizer Band mit dem eingänglichen, weil einzigartigen Namen Furhammer legt mit…

DevonAllmanRideOrDieCDCover
Comments0
Der eigene Weg

«Rock-Gitarrist, aus Texas, Alter Mitte vierzig, mit Band und einiger Erfahrung, sucht seinen Platz…

NicoBrina25HoursCDCover
Comments0
Groovy und beschwingt

25 hours, 8 Days a Week, so heisst Nico Brinas 13. Album. Nun wissen wir endlich, wie der Bieler…

Mitglied bei