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SariSchorrForceofNatureCDCoverMitte August erscheint das Debutalbum einer jungen Amerikanerin mit einer grossen Stimme. Bluesnews.ch hat die Möglichkeit genutzt, ein erstes Ohr voll zu nehmen von Sari Schorr, einer in Queens, N.Y. geborenen Sängerin, über die es Vorauslorbeeren regnet wie Frühlingsregen: Musik-Veteran Mike Vernon habe sich aus der Pension wieder zurück ins Studio begeben, lautet der Gründungsmythos, um diese junge Frau — aber bereits eine erfahrene Veteranin — zu produzieren. Ihre Stimme wird als Mischung aus Tina Turner und Janis Joplin beschrieben und ihr Stimmvolumen umfasse 5 Oktaven. Für ihr Album A Force of Nature baut sie auf die Zusammenarbeit mit Walter Trout, Innes Sibun und Oli Brown, ein British-Amerikanischer Mix von Könnern. Beim Anhören der CD verfliegt die angelesen Begeisterung dann wieder etwas: süffige Radio-Hits werden präsentiert, selbst eine Schnulzballade wird geboten, und ihrer 5 Oktaven lässt sie nicht erklingen, sondern sie bewegt sich im angestammten Gesangsband einer «Blues- oder Rockröhre». All das wird ihr zu Recht grossen Erfolg bringen. Aber für eine Sängerin mit Blues-Hintergrund (Popa Chubby, Joe Louis Walker) zeigt sie doch relativ wenig vom «good stuff». Liebhaber von «Röhren» und hartem Blues-Rock werden ihre Freude haben, wer die feinen Zwischentöne von Joplin oder Turner sucht, vielleicht weniger.

Die Geschichte geht so: Mike Vernon, der auf erfolgreiche Zusammenarbeit mit u.a. Peter Green, John Mayall und Eric Clapton zurückblickt, fährt nach Memphis (!) um einen Award abzuholen (Gähn!). Weil man ihm ja nicht nur den «Keeping the Blues Alive»-Award in die Finger drücken kann, gibt es einen Auftritt von Sari Schorr, einer jungen Frau aus Queens, von der sich der ältere Herr fasziniert sieht und so wird diese «entdeckt». Vernon produziert ihr Debutalbum und A Force of Nature (ein Anspielung auf Koko Taylors gleichnamiges Album von 1992?) bringt 12 Titel, die meisten selbst geschrieben. Als Produzent hat Vernon ganze Arbeit geleistet: die Aufnahmen sind perfekt abgemischt, alle Instrumente hörbar.

Das Album enthält 10 Titel, die praktisch identisch sind: Power-Blues-Rock, bei dem jeder Titel so klingt wie der Abgang am Ende eines zweistündigen Konzerts. Ausgedehnte Soli, druckvoller Bass, und dazu die stets gleich dröhnende – tolle – Stimme von Sari Schorr. Dazu kommt eine Ballade mit dem Titel Ordinary Life, die einfach etwas zu viel des Guten ist: ohne mit dem Rest des Albums in Verbindung zu stehen, klimpert ein Elton John-artiges Piano los und Schorr haucht ins Mikrophon. Angesichts ihrer omnipräsenten Biographie voller aussergewöhnlicher Erfolge ist die mit viel Tremlolo gesungene Titelzeile «I’m grateful for this ordinary life» einfach etwas viel Drama.

SariSchorrOnstageFarbeDer zwölfte und letzte Titel ist ein Cover, und hier schiebt Schorr alle Chips in den Tisch und räumt den Jackpot ab: Stop! In The Name of Love, der Superknaller von den Supremes nimmt sie sich zur Brust und sie macht sich den Song zu eigen. Mit Abstand der beste Titel des Albums und viel Herzblut gesungen singt sie sich hier auf Augenhöhe mit Diana Ross, aber moderner, härter, feministischer. Wo Diana Ross und die Supremes beim Original 1965 den frauenrechtlichen Anspruch darauf beschränkten, überhaupt «NEIN» sagen zu dürfen, sind die Früchte von Jahrzehnten des Bemühens um Gleichberechtigung zu hören. Sari Schorr sagt es nicht, aber aus der Art wie sie singt wird deutlich, dass sie nicht einfach nach Hause geht und sich die Augen ausheult, wenn der im Lied angesungene Typ seinen Weg weitergeht. Grossartig, wenn auch dieser Titel natürlich kein Blues ist. Als Vorgeschmack zum Album gibt es diesen Titel hier vorab bereit zu hören.

Nun also noch die durch die Pressestellen kommunizierten Namen: Sari Schorr lernte den Blues als Profession kennen unter der Anleitung von Joe Louis Walker und später Poppa Chubby. Sie ist ausgezeichnet durch eine Aufnahme in die «New York Blues Hall of Fame» und auf ihrem Album spielen (mit unklarer Rollenverteilung) Walter Trout; Innes Sibun; Oli Brown; Mike Vernon, John Baggot; Jose Mena; Nani Conde; Julian Maeso; Jesús Lavilla; Quique Bonal und Rietta Austin. Sie stand auch schon auf der Bühne mit allen möglichen Grössen wie Warren Haynes, Levon Helm, Keb Mo', Sonny Landreth, Marianne Faithful, Rosanne Cash, Donald Fagan, Eric Burdon, Kris Kristofferson oder Carly Simon. Wie weit diese «Collaborations» gingen ist nicht klar, aber neben Einzelauftritten ist sicher Schorrs Stimme für viele Produktionen interessant.

Ihre Stimme ist rauchig, sie kann flöten und röhren, sie hat alles, was eine Blues-Frauenstimme so drauf haben muss, das ist wunderbar. Und diese Stimme wird ihre sichere Buchung auf den Bühnen und Festivals dieser Welt bringen. Wenn ich mir aber Sari Schorrs Stimme im Vergleich zu ihren Konkurrentinnen um diese Buchungen anhöre, dann finde ich, dass Beth Hart und die kürzlich verstorbene Candy Cane sie überflügeln, weil beide eine grössere emotionale Bandbreite bieten, Susan Tedeschi und Samantha Fish sind auf der anderen Seite deutlich weniger kräftig. Ina Forsman erscheint vielseitiger, moderner. Am meisten erinnert mich Schorr an Layla Zoe, die ebenfalls einen nur zwischenzeitlich auf Blues ausgelegten Musikstil pflegt.

Sari Schorr hat Erfahrung und die Stimme, um etwas zu machen. Wenn sie sich beflügelt durch ihren sich abzeichnenden Erfolg weniger auf Produzenten hört und mehr auf ihren Bauch, wird sie der Öffentlichkeit noch wunderbare Alben schenken. Der Erstling macht Interesse an mehr.

Sari Schorr A Force Of Nature (2016)
1. Black Betty 4:51
2. Work No More 5:23
3. Demolition Man 4:27
4. Oklahoma 5:40
5. Letting Go 3:44
6. Kiss Me 4:22
7. Stop! In The Name Of Love 4:01
8. Ordinary Life 3:54
9. Ain't Got No Money 5:14
10. Aunt Hazel 5:39
11. Damn The Reason 5:24
12. Cat And Mouse 4:16

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MDR: Donnerstag 19. Juli 2018
 
Sehenswerter Dokumentarfilm über den Blueskönig der ehemaligen DDR.

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