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Joe und das Königstrio

JoeBonamassaLiveattheGreekTheaterCDCoverNachdem sich Ausnahmegitarrist und Blues-Historiker der besonderen Art Joe Bonamassa bei seinem Konzert in Red Rock der Musik von Muddy Waters und The Howlin’ Wolf angenommen hat, folgt nun auf seinem aktuellen Live-Album Live at the Greek Theater (Erscheinungstermin: 23. September 2016) seine Referenzerweisung an die drei «Könige» des Blues. Die Tournee lief denn auch unter der Bezeichnung «Three Kings Tour». Er covert darin Titel von Freddie King, Albert King und B.B. King, also von drei der grössten Publikumsmagneten der 1960er und 1970er Jahren und gleichzeitig den Vorbildern seiner eigenen Vorbilder – den britischen Bluesrock-Pionieren der 1960er Jahre. Seine neu eingespielten Fassungen sind klar als Covers zu erkennen, aber er sucht dennoch nach einem neuen Ansatz und eine neue Formulierung für diese Songs. Insbesondere von Albert King spielt er einige frappante Covers, und zu hören sind allzu selten nachgespielte Moll-Blues-Klassiker Titel wie Angel of Mercy oder I’ll Play the Blues for You. Das Konzert ist jetzt verfügbar als DVD oder Blu-Ray Filmaufnahme, als CD sowie als 4 LP Deluxe Vinyl-Schallplatte, sowie natürlich als Download. Auf der Homepage des Künstlers gibt es sonst noch alle Permutationen des modernen Merchandisings, wobei es etwas den Eindruck erweckt, als wolle Joe Bonamassa sein comicartiges alter ego mit Gibsons futuristischer Flying V-Gitarre auf dem Cover breiter vermarkten, zumindest gibt es das auch als Kühlschrankmagnet. Das Album ist bereits jetzt die Nr. 2 im Bereich Blues auf Amazon – nur übertroffen von Blues & Lonesome, dem für Dezember angekündigten Blues-Album der Rolling Stones.

Wer die 2 CDs anhört, begibt sich unter der Führung von Bonamassa auf eine Reise ins Herz des elektrischen Blues, und man erhält den Eindruck, dass dies eigentlich genau Bonamassas Ding ist – mehr noch als Muddy und Wolf. Auf Freddie Kings Going Down klingt seine überdrehte Gitarre perfekt und seine Gesangsstimme, die über die Jahre tiefer und majestätischer wurde, trägt die Songs als Partner seiner Gitarre. Wie schon zuvor hat er hier mit Reese Wynans einen sehr aktiven Pianisten und Keyboarder zur Seite und Hörner sind auf der Bühne auch zu hören. Da passt es gut, dass Joe hier weniger Anschläge pro Minute spielt als zu Beginn seiner Karriere. Er hat gelernt, im Diskurs mit seiner Band die Musik wirken zu lassen und das kommt hier zum Ausdruck.

Die Freddie King-Covers passen sowieso wunderbar zu seinem Spiel, und so sind diese Covers grosse Klasse, er klingt wie Eric Clapton vor 30 Jahren, wild und energiegeladen. Und seine eigenen Arrangements zieht er durch: So hat Hide Away eine gut hörbare Horn Section, die dem Instrumentalteil der Gitarre Paroli bietet und so das gute alte Hide Away neu inszeniert. Auf Love Her With a Feeling haut er beispielsweise wunderbar ziselierte Solo-Linien raus.

Auch Albert Kings moll-betonte Auffassung des Blues passt gut zu Bonamassa, wie man sich vielleicht vorstellen kann, und er klingt tatsächlich so als sei der Geist des grossen Linkshänders in ihn eingefahren. I’ll Play the Blues for You mit Backgroundsängern ist zugleich eine Verneigung vor dem Meister aber auch eine sanft entstaubte Fassung. Faszinierend hier auch, wie Joe Bonamassa genau den Gitarrenton von Albert King hinkriegt: grummelig und knurrend, wie es sein muss. Grossartig! Cadillac Assembly Line, das mir wegen des naiven Textes immer ausnehmend gefiel, und das mir bisher nur in zwei Cover von Bernard Allison und Charles Wilson bekannt war, wird hier mit einer Originaltreue und Ernsthaftigkeit gespielt, dass es wirklich eine Freude ist.

Womit wir zu B.B. Kings Songs kommen, und hier war ich skeptisch, denn B.B. war bekanntlich nicht nur der wegweisende Gitarrist der letzten Jahrzehnte, er sang auch mit Kraft und Ausdruck, wie es weder Freddie noch Albert jemals taten. Und dann Titel wie Hummingbird oder Nobody Loves Me But My Mother zu covern erschein mir als mutig. Bei Let the Good Times Roll gibt es Unterstützung von weiblicher Seite, und an der entscheidenden Stelle singt Bonamassa: «Hey everybody, the three kings are in town», und nicht etwa, dass ER jetzt da sei. Seine Stimme kann es vielleicht nicht mit dem Original aufnehmen, aber Joe Bonamassa wandelt sich zum wirklich guten Bluessänger, der mit Selbstvertrauen und seiner reichen Erfahrung als Tourneemusiker hier auch zeigen kann, dass er Bandleader, Arrangeur und Sänger ist. Damit ist er aus der Existenz als Gitarrist Deluxe ausgebrochen und wird zum vollständigen Bluesman – und damit hat er auch ein Anrecht auf sein ikonischen alter ego als Kühlschrankmagnet.

Die beiden CD sind eine wahre Freude. Jeden Titel meistert Bonamassa mit seiner eigenen Verve und Ernsthaftigkeit und er besteht überall. Und was die Covers angeht, so ist das für einmal aus der Sicht des Konzertbesuchers zu sehen: An welchem anderen Konzert kann man am selben Abend Hide Away, Born under a Bad Sign und Thrill is Gone hören?

1. See See Baby 3:16
2. Some Other Day, Some Other Time 4:01
3. Lonesome Whistle Blues 4:22
4. Sittin' On The Boat Dock 4:13
5. You've Got To Love Her With A Feeling 5:32
6. Going Down 6:13
7. I'll Play The Blues For You 6:15
8. I Get Evil 4:18
9. Breaking Up Somebody's Home 8:15
10. Angel Of Mercy 6:42
11. Cadillac Assembly Line 6:44
12. Oh, Pretty Woman 6:03
13. Let The Good Times Roll 5:45
14. Never Make Your Move Too Soon 7:16
15. Ole Time Religion 5:15
16. Nobody Loves Me But My Mother 7:42
17. Boogie Woogie Woman 3:40
18. Hummingbird 10:57
19. Hide Away 2:31
20. Born Under A Bad Sign 5:03
21. The Thrill Is Gone 6:54
22. Riding With The Kings 4:29

Bewertung insgesamt (1)

5 von 5 Sternen
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Personen in dieser Konversation

  • Gast - Hofer Daniel

    Mit 5 von 5 möglichen Sternen bewertet

    Ich bin innert ganz kurzer Zeit ein grosser Bonamassa-Fan geworden.
    Habe die ganz 'Grossen' Hooker, Clapton, Allison, Walker fast alle noch live gesehen (ausser Stevie Ray Vaughn!) und muss zugeben, Bonamassa ist fast allen ebenbürtig....wird noch besser werden.
    Eine Offenbarung:):)

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