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Alligator Records ehrt einen fast Vergessenen

BlindWillieJohnsonGodDontNeverChangeEr ist nicht mehr sehr bekannt, obwohl seine Musik längst ihren Platz im Kanon nicht nur des Blues gefunden hat: «Blind» Willie Johnson. Sein Song Dark Was the Night - Cold Was the Ground wurde als einer der musikalischen Beiträge für die «Golden Records» ausgesucht, jenen beiden Datenträgern, die 1977 den Raumsonden Voyager 1 und 2 von der NASA auf eine Reise ohne Ziel in die Unendlichkeit mitgegeben wurden. Die Datenträger sollen allfälligen extraterrestrischen Lebewesen, welche die Raumsonden vielleicht eines Tages entdecken, ein Bild von der Erde und den Menschen vermitteln. Nun erweist Alligator Records zum 120ten Geburtstag dem Musiker und Prediger die Ehre mit einer Kompilation, die elf seiner Songs enthält, welche von verschiedenen Künstlern interpretiert werden.

Johnson kam am 25. Januar 1897 in Pendleton, TX zur Welt. Wie bei vielen schwarzen Musikern jener Zeit, werden auch andere Geburtsdaten und -orte genannt. Allgemein wird kolportiert, dass seine Stiefmutter ihm als Siebenjähriger Lauge ins Gesicht geschüttet habe und er dadurch erblindet sei. Andere Autoren nennen als Ursache eine ungeeignete Brille, mit der Johnson eine Sonnenfinsternis beobachtet habe, was zur Erblindung führte.

In der damaligen Zeit gab es die Vorstellung, dass kirchliche Musik (Gospel) gute Musik sei, da die Inhalte sich vorwiegend mit den Inhalten der Bibel befassten. Blues hingegen galt als «Teufelsmusik», schliesslich standen darin weltliche Themen und dabei durchaus Sündiges im Vordergrund. Johnson war sehr gläubig, weshalb seine Songs ausnahmslos religiöse Inhalte hatten. Allerdings trug er sie in der Art vor, wie sie im Blues üblich waren. Dazu hatte er ein Slidespiel entwickelt, das Musiker wie Howlin’ WolfHowlin’ WolfHowlin’ WolfHf und Robert Johnson unmittelbar beeinflusste. Seine Stimme reichte vom dröhnenden Bass bis zum Tenor. Zusammen entstanden intensive Songs in einer Art, die neu war und bis heute vielen Musikern als Vorbild dient.

Zwischen 1927 und 1930 gab es sechs Aufnahmesessions für das Label Columbia. Insgesamt wurden dreissig Songs aufgezeichnet. Danach hat er nie wieder ein Aufnahmestudio betreten. 1947 wurde sein Haus das Opfer eines Brandes. Da er zu arm war, die nötigen Reparaturen ausführen zu lassen, wohnte er weiterhin in den Ruinen. Er zog sich dabei eine Lungenentzündung zu und starb an ihren Folgen.

Zum 120. Geburtstag des Musikers spielte Alligator Records unter dem Titel «God Don’t Never Change – The Songs of Blind Willie Johnson»ein Album ein, auf dem elf Songs von diesen Künstlern gecovert wurden: Tom Waits, Lucinda Williams, Derek Trucks and Susan Tedeschi, Cowboy Junkies, The Blind Boys Of Alabama (begleitet von Jason Isbell), Sinéad O’Connor, Luther Dickinson mit The Rising Star Fife & Drum Band, Maria McKee und Rickie Lee Jones. Heraus gekommen ist ein wunderschönes Album, auf dem elf Stars ihre eigene Interpretation seiner Aufnahmen zum Besten geben.

God Don’t Never Change – The Songs of Blind Willie Johnson (2017, Alligator Records)

1 Tom Waits - The Soul of a Man
2 Lucinda Williams - It’s Nobody’s Fault But Mine
3 Derek Trucks & Susan Tedeschi - Keep Your Lamp Trimmed and Burning
4 Cowboy Junkies - Jesus is Coming Soon
5 The Blind Boys Of Alabama - Mother’s Children Have a Hard Time
6 Sinéad O'Connor - Trouble Will Soon Be Over
7 Luther Dickinson & The Rising Star Fife & Drum Band - Bye and Bye I’m Going to See the King
8 Lucinda Williams - God Don't Never Change
9 Tom Waits - John The Revelator
10 Maria McKee - Let Your Light Shine on Me
11 Rickie Lee Jones - Dark Was the Night-Cold Was the Ground

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