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Blues als Teamleistung

RollingStonesBlueAndLonesomeCDCoverMit grossem Tamtam wurde das neue Album der Rolling Stones angekündigt. «Back to the Blues» titelte das Magazin «Rolling Stone» über das 26. Studioalbum der Britischen Namensvettern. Verständlicherweise ist bei den Rolling Stones alles eine Nummer grösser. So gibt es nach diversen Vorveröffentlichungen nun das gesamte Album, und bereits zwei Tage nach Veröffentlichung auch schon die Wikipedia-Seite zum Album – und zwar in elf Sprachen! Dort liest man die Eckdaten des Albums: Erstes Album der Stones überhaupt mit ausschliesslich Coversongs, Erstes Album seit Dirty Work (von 1986) auf dem Mick Jagger keine Gitarre anfasst. Guest appearance Eric Clapton. Auch die Namen der Komponisten und der Bandmitglieder werden genannt und neben den einzelnen Titeln gibt es schon eine Spalte für die höchste Charts-Platzierung der Songs. Was man im Netz noch selten findet, sind Rezensionen des Albums, nachdem man es tatsächlich gehört hat. Bluesnews.ch bietet nun eine solche, denn in den Redaktionsräumen liefen die Titel jetzt intensiv.

Die Musiker des Albums sind neben den vier Bandmitgliedern Mick Jagger  (Gesang, Bluesharp), Keith Richards  (Gitarre), Ronnie Wood (Gitarre) und Charlie Watts (Schlagzeug) die bereits früher mit der Band in Aufnahmen oder auf Tourneen zu hörenden Musiker: Darryl Jones am Bass, Matt Clifford und Chuck Leavell an den Tasten, sowie als Special Performances Jim Keltner als Perkussionist auf Hoo Doo Blues sowie Eric Clapton als Slide Gitarrist auf Everybody Knows About My Good Thing sowie als normaler Gitarrist auf I Can't Quit You Baby. Seine beiden Soli sind im Kontext der Titel sachdienlich und stimmig. Auch gibt es bei Everybody Knows About My Good Thing ein tolles Saxophonsolo zu hören, eine Kopie des obskuren Originals von «Little» Johnny Taylor.

Die Auswahl der Songs erfolgte anscheinend über eigene Vorlieben, zumindest ist keine editorische Klammer zu erkennen. Was gespielt wird ist bester Chicago-Blues, wobei die Titel «live» eingespielt wurden, also mit allen Mitgliedern in Mark Knopflers «British Grove Studios». Spürbare Spielfreude und die über Jahrzehnte gehegte Liebe für diese Musik, welche stets Referenz- und Fixpunkt zu sein schien im grundlegenden Verständnis von Musik der Rolling Stones.

RollingStones2016Dieses Kredo ist: Die Band ist mehr als die einzelnen Musiker, das enge Zusammengehen der einzelnen Musiker erlaubt die Knüpfung eines dichten Sound-Gewebes, der hypnotisch wirkt und der bei Zuhörern das «Blues-Feeling» entstehen lässt. Ein Titel nach dem anderen schafft diesen hypnotischen Strudel. Hoo Doo Blues ist ein gutes Beispiel. Mick Jaggers Bluesharp heult im Hintergrund, Charlie Watts hält den Puls nüchtern, sachlich, präzise und perfekt. In der Vorbereitung zur aktuellen Veröffentlichung urteilte Keith Richards gewohnt pointiert über die Entwicklung der Musik und insbesondere die Aufgabe der Gitarre im Gewebe des Sounds: «I mean, Jimi Hendrix! Love him dearly. Incredible. He ruined guitar. That whistling saw sound. That’s what they say about Coltrane with saxophone, he ruined the instrument, because after that everybody growled through it.» Aus der Sicht eines Künstlers, der so sehr wie Richards der Idee eines musikalischen Gesamtkonzepts anhängt, ist das eine nachvollziehbare Aussage.

Die Titel sind ähnlich, eben Chicago Blues in Reinkultur, manchmal etwas schneller, manchmal etwas langsamer, aber stets klar am Vorbild des Band-Namensgebers Muddy Waters orientiert, was sich etwa an der Abmischung der Instrumente zeigt. Die Arrangements auch wie bei Willie Dixon erfinden nicht das Rad neu, die Bluesmusik der South Side von Chicago der 1950er bis 1980er Jahre wird hier gefeiert, nachempfunden, glorifiziert. So wie das Cover schlicht und plakativ daherkommt – einfach die ikonische Lippen-Zähne-Zunge Kombination blau eingefärbt. Und das bietet das Album: Die Rolling Stones im respektvollen und gleichermassen liebevollen Dialog mit den Titeln ihrer Jugend, ihres Herzens.

Der Titelsong des Albums ist ein herzzerreissender Slow Blues, und Schlagzeug und Bass bieten eine Grundlage, die schlicht alles erlaubt. Blue and Lonesome, ursprünglich eine Komposition von Memphis Slim, empfinden die Rolling Stones perfekt nach, sie transportieren das Feeling für diesen Titel, da hört man die Vertrautheit mit dieser Musik und dem Atem der Zwölftakt-Struktur. Der Titel wurde oftmals gecovert, Robben Ford und Ronnie Earl haben sich daran ebenso abgearbeitet wir Jimmy Rogers, der auf seinem Alterswerk Feelin’ Good den Titel wunderbar einspielte. Aber bei den Rolling Stones passen alle Elemente nahtlos zusammen. Das ist einfach grosse Klasse.

Jaggers Harp – von Richards bei jeder Gelegenheit über allen Klee gelobt ist in der Tat eine Stärke auf diesem Album, mehr aber noch seine Stimme. Sei es das Klagen auf Little Rain oder die Aggression auf Commit a Crime, Mick Jagger singt brilliant, da ist jeder Titel für sich ein Genuss. Das Album wurde in wenigen Tagen eingespielt, man würde sich wünschen, dass es mehr von den Stones im kargen Blues-Kostüm gäbe. Dieses Album ist eine Freude und die Tatsache, dass die grösste Band der Musikgeschichte Covers der alten Chicago-Bluesmen so hinreissend spielt, wird für ein erneutes Interesse sorgen bei den jüngeren Bluesfans, und dürfte bei einigen Veteranen für schöne Erinnerungen sorgen.

The Rolling Stones  - Blue & Lonesome (2016)
1. Just Your Fool Buddy Johnson 2:17
2. Commit A Crime Chester Burnett 3:38
3. Blue And Lonesome Memphis Slim 3:07
4. All Of Your Love Magic Sam 4:47
5. I Gotta Go Little Walter 3:26
6. Everybody Knows About My Good Thing Miles Grayson/Lemon Horton 4:31
7. Ride 'Em On Down Eddie Taylor 2:49
8. Hate To See You Go Little Walter 3:21
9. Hoo Doo Blues Otis Hicks/Jerry West 2:37
10. Little Rain Jimmy Reed 3:32
11. Just Like I Treat You Willie Dixon 3:25
12. I Can't Quit You Baby Willie Dixon 5:13

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