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Die Schwere leicht gemacht

RichardKoechliParcoursCDCoverDer erfreulicherweise viel beschäftigte Richard Koechli hat für einmal eine Pause gemacht nach Projekten verschiedenster Couleur wie Auftritten mit Blues Max oder dem Verfassen von Lehrbüchern oder Romanen und sich ins Studio zurückgezogen. Dabei nahmen die Blue Roots Company, einige Gäste, und Richard Koechli ein Album mit 16 Titeln auf, das er Parcours nannte. Als «Parcours» bezeichnet man bekanntlich auch die Sportart, bei der sich junge Menschen mit grosser Eleganz über halsbrecherische Abgründe und Hindernisse bewegen, als ob sie die Schwerkraft nichts anginge. Koechli und seine 5 Mitstreiter haben das musikalische Pendant dazu geschaffen: Leicht und fetzig kommt die Musik daher, mit grosser Kompetenz geschaffen. Auf Englisch gäbe es für diese Leichtigkeit das schöne Wort «effortless», also «ohne erkennbare Anstrengung», und so groovt das Album von Stück zu Stück. Stilistisch im breiten Raum zwischen Blues, Jazz und souligen Klängen angesiedelt, gibt es Lieder auf Englisch, aber auch auf Französisch und in Schweizer Mundart. Einen persönlichen und berührenden Blumenstrauss an Songs legt Koechli hier mit seinem achten Album vor, das stets tief im Blues gründet, auch wenn es dessen Grenzen sprengt: Das Schwere im Leben wird nicht negiert, aber mit solchen Sounds ist es leichter zu ertragen.

 

Die Begleitung zu Richard Koechlis Gesang und Gitarrenspiel übernehmen Michael Dolmetsch (Keyb), Fausto Medici (Dr), David Zopfi (B) und Heini Heitz, der akustische Gitarrenparts spielt, sowie Dani Lauk mit den Blasinstrumenten Bluesharp und Flöte. Dazu kommen Gastauftritte von Evelyne Rosier, JB Rosier, Bluesharp-Virtuose Walter Baumgartner, Saxophonist Stefan Künzli. Geiger Patrick Bütler und Dudelsackspieler Tom Aebi (mit der irischen Variante) tragen auf Irish Man die keltischen Klangfarben bei. Den Gesang bestreitet Koechli weitgehend alleine, und seine Stimme bewegt sich im Bereich der Grossmeister des entspannten Singens, Knopfler und Cale. Die Stimme spricht sehr direkt die Gefühle an, der Gesang durchwegs ungeschnörkelt, gradlinig, der Musik ein Gegenüber. Das Album wurde gemastert von Marco Jencarelli, der auch als Bandleader Philipp Fankhausers verantwortlich zeichnet.

Immer wieder gibt es Momente beim Anhören dieses Albums, wo man an bekannte Titel erinnert wird. So klingt bei der keltisch-folksigen Ballade Irish Man der traditionelle Titel Shenandoah an. Aber mit dem Gesang überlagern Eindrücke dann à la Mark Knopflers Kompositionen auf den Alben seit Golden Heart. Der Titel geht schön tief: direkt ins Herz. You Never Lie to me ist eine Verneigung vor Tampa Red, dem Anlass zur Geschichte in Koechlis Biographie-Romans Der vergessene König des Blues (mehr dazu hier), der Song eine Art Antwort auf das Verbot zu lügen des Originals (Don’t You Lie To Me ist auch bekannt von B.B. King). Der Song New Orleans holt die Hörer mit einem Groove ab, dem sich niemand widersetzen kann. I got Life erinnert an Dire Straits-Klänge, mit starkem country-Groove treibt der Rhythmus ähnlich voran wie Walk of Life. Jeder Song hat seinen eigenen Charme, und die Gitarre ist dabei stetige Begleitung, aber nicht der Selbstzweck der Musik. Sie ist für Richard Koechli das Werkzeug, mit dem er Emotionen hebt wie einen Schatz, der im Verborgenen schlummert.

Einen einzigen Titel als herausragend zu bezeichnen wäre, als würde man die Juwelen auf einer Krone gegen einander aufrechnen. Aber der Song, der in meiner Krone die Mitte über der Stirn besetzt, ist Just look what you have done. Der Song hat einen süchtig machenden jazzigen Groove, der nach Gumbo duftet, soulig, geheimnisvoll. J.J. Cale, der gegen Schluss des Songs besungen wird, hätte seine Freude gehabt.

Insgesamt ist dies ein Album, das gute Musik jeder Roots-Stilart zelebriert, echte Gefühle und richtig guten Groove bringt, und mehr Spass macht, je mehr man dieses Album anhört. Das Album scheint mir laid-back zu sein im Groove, aber die Art, wie die Musik gespielt wurde, ist hoch konzentriert und auf höchstem Niveau. Jeder Titel hat einen eigenen Charakter, alle gemeinsam ergeben ein musikalisch-emotionales Stimmungsbild, bei dem der Blues nicht mehr so weh tut, bei dem das Schwere leichter zu ertragen ist.

 

Richard Koechli & Blue Roots Company –Parcours

EAN-Code: 7640149282856, Label: fontastix (LC 16043)

Richard Koechli: Vocals, Guitars
Michael Dolmetsch: Keyboards
Fausto Medici: Drums
David Zopfi: Bass
Heini Heitz: Additional Acoustic Guitars
Dani Lauk: Bluesharp, Flute
Evelyne Rosier: Vocals (Song 09, 12, 15)
JB Rosier: Vocals & Acoustic Guitar (Song 13)
Walter Baumgartner: Bluesharp (Song 01, 08)
Stefan Künzli: Saxophone (Song 06)
Patrick Bütler: Violine (Song 15)
Tom Aebi: Uillean Pipes (Song 15)
 
1.
New Orleans
4:26
2.
Wing Ding Shuffle
5:21
3.
I got life
2:58
4.
Just look what you have done
4:49
5.
Le jardin de tes sens
4:55
6.
You never lie to me
6:05
7.
Of em gliche Grond schtah
5:59
8.
Blue Collar Worker
4:41
9.
Pedro
7:34
10.
The Unsung King - Tampa Red
3:20
11.
I had a friend
4:04
12.
Mother Nature
4:18
13.
Etat d'urgence
4:59
14.
You can't judge a book by looking at the cover
3:11
15.
Irish Man
8:02
16.
Merci
4:34

 

Reinhören

 

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