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TajMahalKebMoTajMoCDCoverIm Blues sind Kooperationen und Gastauftritte bei Live-Konzerten oder Albumproduktion mittlerweile Usus und normal. Dass sich zwei Bandleader, Songwriter zusammensetzen und ein ganzes Album als Kooperation machen, ist dann schon ein Schritt mehr. Die beiden erfahrenen Musiker Taj Mahal und der neun Jahre jüngere Keb’Mo’ setzten sich zusammen und machten ein richtig gemeinsames Album. Und die gemeinsame Veröffentlichung TajMo mit gemeinsam eingespielten und teilweise auch gemeinam geschriebenen Titeln ist goovig und bluesig und zeigt auch die Verbundenheit der Musiker mit Traditionen ausserhalb des Blues. Eine CD, die enorm Spass macht und einfach stimmige Musik bietet, gesungen von zwei der besten Sänger, die es gibt.

 

Zuerst glaubt man es kaum: Der inzwischen 75 Jahre alte Folk-Blues-Veteran aus Massachusetts Taj Mahal mit der erdigen Stimme und der gefühlt eine Generation jüngere Keb’Mo’ aus Los Angeles mit seinem samtenen Gesang bringen eine gemeinsame CD heraus? Eigentlich eine spontan einleuchtend gute Idee. Tatsächlich ergibt das persönlich wie musikalisch eine Menge Sinn, denn Keb’Mo’ wurde von Taj Mahal protegiert und die beiden verbindet nicht nur eine lange Freundschaft, sondern auch ein gemeinsamer musikalischer Hintergrund, denn beide sind nicht nur im Blues-Idiom fliessend, sondern sie haben auch Erfahrungen in naheliegenden Stilrichtungen wie Calypso oder Country und entsprechend ist auch das resultierende Album TajMo geworden: beide Herren zeigen, was sie können und bilden damit eine Einheit, die streckenweise sogar besser ist als die beiden als Solisten.

Dabei ist die Musik durchgehend leicht und süffig wie ein perfekter Apérowein an einem lauen Sommerabend, es groovt automatisch mit, wenn man hört, wie die beiden erfahrenen Musiker sich gegenseitig befruchten und befeuern. Das klingt nicht nach Konkurrenz und Wettkampf, das klingt nach jeder Menge Spass, was hier aus den Speakern kommt.

Die beiden Gentlemen-Blueser spielen eine Reihe eigener Kompositionen, wobei Don't Leave Me Here und Soul anscheinend gemeinsam geschriebene Songs sind. Soul ist dabei der längste Titel des Albums und ein transatlantischer musikalischer Ausflug mit dem klar afrikanischen Rhythmus. Sonst hat der jüngere einen grösseren Anteil am Songwriting mit Autorenrechten an sechs der elf Titel. Dazu gibt es Covers beliebter Klassiker. Dies sind erwartbare wie Diving Duck Blues von «Sleepy» John Estes, aber auch Überraschendes wie der Titel Squeezebox von The Who. Hört man sich allerdings das Original der Engländer an, dann passt das perfekt ins musikalisch Schema der beiden Amerikaner. Dasselbe gilt für das Cover von John Mayers Waiting on the World to Change, das sie ebenso perfekt covern.

Wenn man etwas am Album aussetzen könnte, dann höchstens, dass dieser perfekt fröhliche Sound, dieses leicht mit Ethnowürze angereicherte Blues-Gumbo etwas sehr homogen ist und ein Song in den nächsten übergeht, ohne dass man viel Veränderung wahrnimmt. Das Album ist sozusagen produziert mit dem Hintergedanken, dass Leute sowieso nicht zuhören, sondern die Ambiance geniessen, welche von diesem Album ausgeht: Taj Mahal brummelt seine tiefen Töne, Keb’Mo’ schwebt mit seiner klaren Engelsstimme über allem und dazwischen groovt die Band. Hier ein Cacun-Akkordeon, da ein Slide-Lick, alles wunderbar, aber ich wette, wer immer das Album durchhört, kann danach nicht sagen, wie viele Titel darauf waren. Die CD reagiert damit perfekt auf die geänderten Hörgewohnheiten des modernen Musikmarktes, und insofern gibt es rein gar nichts auszusetzen, es fiel bloss auf.

Taj Mahal & Keb’ Mo’  TajMo (2017)

1.

Don't Leave Me Here

5:02

Taj Mahal / Keb’ Mo’/ Gary Nicholson

2.

She Knows How To Rock Me

2:40

Willie Perryman

3.

All Around The World

3:23

Chic Street Man / Keb’ Mo’

4.

Om Sweet Om

3:36

Om Johari / Keb’ Mo’ / John Lewis Parker

5.

Shake Me In Your Arms

5:58

Billy Nichols

6.

That's Who I Am

4:17

Al Anderson / Keb’ Mo’ / Leslie Satcher

7.

Diving Duck Blues

4:28

John Estes

8.

Squeezbox

3:16

Pete Townshend

9.

Ain't Nobody Talkin'

4:00

John Caldwell / Keb’ Mo’

10.

Soul

6:02

Taj Mahal / Keb’ Mo’

11.

Waiting On The World To Change

2:43

John Mayer

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