Kontrastprogramm

Die «Opening Blues Night» des 14. Blues Festivals Basel 2013 bestand aus zwei unterschiedlichen Sets, deren Interpreten kaum unterschiedlicher sein könnten. Den ersten Teil bestritten Georg Schroeter, Marc Breitfelder und Eike Schröder als «Duo Grande», im zweiten Teil kam Sharrie Williams auf die Bühne. Während erstere die behüteten weissen Europäer repräsentieren, die sich den Blues als musikalische Kunstform ausgesucht haben, steht Sharrie Williams für ein Leben, das nur dank des Blues den Weg aus dem Elend überhaupt erst gefunden hat. So verschieden auch die Voraussetzungen waren, sie erreichten beide die Herzen des Publikums und so wurde der Abend zu einer eindrücklichen Demonstration der Kraft des Blues und seiner Vielfalt.

Das Trio Georg Schroeter, Marc Breitfelder und Schlagzeuger Eike Schröder  legten einen begeisternden Auftakt des Abends hin und fesselten vom ersten Moment an mit allerfeinstem akustischem Blues, Boogie Woogie, Rock 'n' Roll und Bluesrock. Dabei bewegte sich die Auswahl der Songs weitgehend entlang ihrer beiden bisherigen Alben «Live At Blues Baltica» und «Sugar & Spice». Die beiden verstanden es, sich gegenseitig zu Höchstleistungen zu animieren. Dabei brillierten sie durch souveränen Umgang mit ihren Instrumenten und offensichtliche Spielfreude, nie wurde ihre Virtuosität nur Demonstration des Könnens, sondern blieb stets Dienerin der Songs.


 

Schroeter überzeugte mit starker linker Hand und einem grossartigen Gefühl für das Timing. Wenn  Breitfelder spielte, konnte man nur staunen. Zuweilen hatte man den Eindruck, irgendwo hinter ihm würde sich ein zweiter Harmonikaspieler verstecken. Feinste, klare Einzeltöne wechselten sich ab mit schmutzigen, verzerrten Klängen, die klar machten, wieso die Harmonika auch Mississippi Saxophon heisst. Seine Soli waren verblüffend und beeindruckend, vor allem aber trafen sie mitten ins Gefühlszentrum. Selbst Amazing Grace, ein wirklich abgenudeltes und übergecovertes Lied, das sie als Zugabe spielten, konnte Gänsehaut erzeugen. Weiter aufgefallen sind eine Interpretation von Bobby Blands Further on Up the Road und John Fogertys Long As I Can See The Light. Am Schluss des Sets musste jedem klar sein, weshalb die beiden bei der International Blues Challenge 2011 in Memphis den ersten Preis in der Kategorie Solo/Duo abgeholt hatten.

Eine druckvolle Eröffnung mit einem schönen Hammond Solo legten Sharrie Williams und ihre Musiker Lars Kutschke (g, voc); Attila Herr (b); Chris Jones (dr, voc); Till Sahm (org, kb) hin. Nach Out Of The Dark offenbarte Williams dem Saal die dunklen Seiten ihres Lebens und den Weg, in ein neues Dasein. Keine schöne Vergangenheit, welche die Sängerin hinter sich gelassen hatte: Missbrauch als Kind, Gewalt, Drogen, kein Obdach, keine Perspektive. Gerettet von Gott fand sie Erlösung in Beten und Blues. Solche Geständnisse auf der Bühne sind eine Gratwanderung. Aber obwohl sie wohl ihre Geschichte in jedem Konzert darbietet, klingt es überzeugend und bewegend. Langer und intensiver Applaus, als sie von  . . .looking good at the outside, but broken on the inside erzählte. Sie sei nun siebzehn Jahre lang clean und nicht mehr am «dunklen Ort» berichtete sie unter Tränen. Das kommt ungekünstelt rüber, glaubhaft vor allem auch, weil sie sichtlich Zeit braucht, um sich in den anschliessenden Song reinzufinden . Trotzdem war  es keine frömmelnde Show, sondern eine lebensfrohe Mischung aus Blues, Funk, Soul und Gospel, aufgepeppt von rockigen Klängen. Unterstützt wurde sie vom langjährigen Begleiter und musikalischen Direktor der Band, Lars Kutschke, der klare, fein ziselierte Soli beitrug und der fetten Hammondorgel des Till Sahm, sowie einer soliden Rhythmusgruppe. Über allem ihre wuchtige Stimme und ihre sympathische Persönlichkeit. Gegen Ende des Sets rief sie Theresa Stucki auf die Bühne, die am Abend zuvor mit ihrer Transatlantic Band die Promo Blues Night für sich entschieden hatte. Diese wirkte einen Augenblick lang etwas überfordert, um dann aber in ein augenzwinkerndes «I Need More Money» einzustimmen.

Feiner Eröffnungsabend des Festivals am Rheinknie.