Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
Basler Veranstaltungskalender
Groove Now
Jazz 'n' More
10. Vully Blues Festival
10. Vully Blues Festival
Vielfältiger Ausklang

 

Pat Wilder And Serious Business eröffneten den Schlussabend. Die Gitarristin und Sängerin Pat Wilder ist erst seit einigen Jahren im Geschäft und damit immer noch eine Entdeckung. Dabei hatte sie die Violinistin, die musikalisch auf allen Hochzeiten tanzt. So spielt sie – nebst Klassik - Country, Latin Jazz, Rock, Folk, Fusion und Blues. Wilder ist eine publikumsorientierte Musikerin und hat eine gewinnende Ausstrahlung. Damit füllte sie den Panoramasaal des Casinos im Nu mit guter Laune. Die Einflüsse Taj Mahals, eines Freundes der Familie, der ihre musikalische Prägung in ihrer Jugend massgeblich beeinflusst hat, ist zu spüren. Sie hat keine Mühe, die verschiedenen Einflüsse und Stile zu verwenden, um ihren Blues farbig und abwechslungsreich zu gestalten. Kennen wir die «Fiddle» von Folk-, Bluegrass- und Cajunmusik in der dafür eigenen Stimmung und Spielweise, ist der Einsatz einer Geige im Blues, die im klassischen Stil gespielt wird, selten zu hören. So erhielten die Stücke durch Carole Mayedos Spiel einen ganz eigenen, interessanten Charakter, zum Beispiel in Gershwins Klassiker Summertime. Mit Sugar G. Robinson hatte sie zudem einen versierten Keyboarder im Set. Der Schlusspunkt war James Browns Funkhymne Sex Machine, ein Cover, an den man sich erst mal heranwagen muss. Alles in allem ein Auftritt, der überzeugte.

 

 

Einen besonderen Leckerbissen gab es im Anschluss: Ron Levys Wild Kingdom Trio brachte elektrisierenden Hammond B3 Groove auf die Bretter. Levy, der sich während sieben Jahren als Mitglied der B.B. King Band und vier Jahren in der Gruppe Roomful Of Blues einen Namen gemacht hatte, gründete das Trio Mitte der achtziger Jahre. Er ist auch Komponist, Arrangeur und Produzent und wurde vom Living Blues Magazin mehrere Male als «Produzent des Jahres» ausgezeichnet. Gerade ist er dabei, sich mit dem Buch «Tales Of a Road Dog» über seine Erlebnisse und Reisen einen Namen als amüsanter Autor zu machen. Sollte er ebenso gut schreiben, wie er spielt, steht einem Bestseller nichts im Weg. Sein Blues ist funky und ziemlich jazzig. Fern der gängigen 12 Takt Struktur zauberte er wunderbare Melodien aus seiner Orgel. Er spielte fein ziselierte Soli, überraschende Wendungen und demonstrierte eindrücklich, was auf der Hammond alles möglich ist, wenn man sie auch als Melodieinstrument spielt und nicht bloss auf anschwellende Perkussionsklänge reduziert. Ergänzt wurde sein Spiel mit Julian Vaughn am Schlagzeug und Jeffrey Lockhardt an der Gitarre.
James Harmann's Bamboo Porch Revue feat. Nathan James & The Rhythm Scratchers and Bonedaddy Tempo. Man muss den Bandwurmnamen erklären: Dahinter verbergen sich drei Musiker:
James Hartman ist ein altgedientes Schlachtross, das unzählige Auftritte absolviert und mit den meisten Bluesikonen zusammen gespielt hat. Er ist ein guter Sänger und spielt Harp, stilistisch eher traditionell, jedoch offen für kreative Fusionen, wie diese Revue demonstrierte. Nathan James tritt sowohl Solo, als auch in einem Trio auf. Unverkennbar ist er durch sein Instrument, eine Kombination aus Waschbrett und E-Gitarre, das heisst an der Unterseite des Waschbretts ist ein Gitarrenhals befestigt. So kann er praktisch gleichzeitig beide Instrumente gleichzeitig spielen. Oft benutzt er sie jedoch einfach als Gitarre. The Bonedaddys sind ein Projekt des Perkussionisten Mike Tempo. Sie sind keine Bluesband im engeren Sinn, sondern schöpfen aus dem Weltfundus rhythmischer Musik und nennen sich auch Worldbeatniks. Mike Tempo , eigentlich James Michael Temple ist so etwas wie ein geborener Perkussionist, der wohl die Gegenstände in solche einteilt, die stumm sind und andere, mit welchen man ein Geräusch erzeugen kann. So fiel sein Auge offenbar in der Einkaufsmeile Luzerns auf eine veritable «Treichsel» die er gleich einsetzte. Schliesslich gehört ja die ähnliche Cowbell ins Rüstzeug der Perkussionisten.
Die Mischung war interessant und der Auftritt gut inszeniert. Erst spielte James Hartmann Harp und sang a capella rauhen Southern Blues. Dann trat Nathan James auf, der mit seiner «Perkussionsgitarre» erst mal das Publikum mit seinem Doppelspiel verblüffte. Er blieb zunächst klassisch,« akustisch», man konnte mit geschlossenen Augen meinen, er habe irgendwo noch eine Hand verborgen. Klingt vielleicht nach artistischem Effekt, ist es aber keineswegs. Er hat einfach ein Instrument nach seinen Vorstellungen gestaltet und beherrscht es virtuos. Schliesslich kam der Rest der Band auf die Bühne und dann ging die Post ab. Mike Tempo zündete nicht bloss ein Feuerwerk an Geräuschen, sondern weckte die ursprüngliche Freude an rhythmischen Effekten, die in uns steckt. Gegen Ende kam Bob Margolin dazu und als Zugabe gab es einen Jump Blues, der das Set beendete und ein offensichtlich zufriedenes Publikum hinterliess.
Mit einem bombastischen Auftritt inklusive Voodoo Insignien brachte Johnny Sansone New Orleans Atmosphäre auf die Bühne. Es war der letzte Auftritt im Panoramasaal und ein würdiges Abschiedskonzert. Sansone wurde 9 mal für einen Blues Award nominiert, ein mal hat er einen Preis erhalten. Er wird jeweils als Zydeco Musiker bezeichnet, aber das greift zu kurz. Zydeco und noch mehr Cajun gehören zu den Musikstilen, die oft in ein etwas museales Korsett gezwängt werden. Da ist dann von der Instrumentierung bis zu den Kompositionen alles klar und Alles ähnelt sich, wir kennen das auch im Blues. Sansone lässt sich nicht in diese Kategorie einordnen, dafür ist seine stilistische Vielfalt zu gross. Das hat auch damit zu tun, dass er in den Bands von Jimmy Rogers, Robert J. Lockwood, John Lee Hooker oder Luther Allison gespielt hat, um nur einige zu nennen. Er spielte aber auch in C.J Cheniers Band, hat also den Zydeco vom Sohn des «King Of Zydeco» erlernt, der nach dem Tod seines Vaters dessen Red Hot Louisiana Band übernommen und musikalisch weiter entwickelt hatte. Er zeichnet sich durch einegrosse Bandbreite aus und spielt vielschichtigen Blues und rockigen Zydeco mit , dazu legt er eine buchstäblich schweisstreibende Show hin. Er strotzt förmlich vor Energie und zieht Tempo und Intensität durch den gesamten Auftritt, fegt über die Bühne und macht klar, wieso sein Übername «Jumpin'» lautet. Dazu singt er mit einer rauhen, eindrücklichen Stimme und spielt eine laute, manchmal verzerrte Harp, oft auch eine chromatische Harmonika. Greift er zur Handharmonika, um einen im klassischen Stil gehaltenen Zydeco Titel zu spielen, folgt er den traditionellen Mustern, die er mit funkigen und R&B Elementen würzt. Sein Auftritt bleibt jedem in Erinnerung, der ihn erlebt hat.

 

Bewertung insgesamt (0)

0 von 5 Sternen
Kommentar hinzufügen
  • Keine Kommentare gefunden

Facebook Button

Diese Auszeichnungen haben wir erhalten:

SwissBluesAward2014 winner 150x160px

GermanBluesAward 2015 bluensnews.ch

 

 

bluesnews ist Mitglied dieser Organisationen: