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Ein Feuerwerk zu Anfang

Sie ziert dieses Jahr die Plakate und Publikationen des Festivals: Lilly Martin. Die aus New York stammende Wahlschweizerin sollte unter dem Titel «Lilly Martin & Friends» den Abend gestalten. Wir haben uns mit Ihr unterhalten und das Konzert besucht.
 
Magic Moments - diesen Titel hat sich Baden für sein diesjähriges Eröffnungskonzert ausgesucht und es wurden viele Momente, bis nach Mitternacht dauerte die Show und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Es war nach der letztjährigen Eröffnungsshow im Kurtheater der zweite Abend dieser Art und ebenso erfolgreich. Die Trafohalle war bis auf den letzten der 600 Plätze ausverkauft. Damit dürfte sich der Anlass zum festen Bestandteil des Badener Bluesfestivals etabliert haben. Die Idee dahinter ist eine stilistische Öffnung zu Blues verwandten musikalischen Stilen, ohne die Schwerpunkte grundsätzlich anders zu setzen. Ziel ist es, das Festival auch bei Musikfreunden zu verankern, die nicht in erster Linie auf Blues fokussiert sind, natürlich mit dem Hintergedanken, sie für das Festival zu begeistern. Im letzten Jahr hatte Philipp Fankhauser mit Freunden das 10-jährige Jubiläumsfestival eröffnet, dieses Mal gehörte er zu den «Friends».

 

Die 1966 gegründete Badener Brass-Band Ed Elastic, verstärkt durch den Aarauer Sänger und Gitarristen Benno Ernst brachte zunächsteinen Hauch von New Orleans auf die Bühne. Die Strassenband begleitet seit Jahren das Festival und zieht jeweils im Vorfeld durch die Strassen Badens. Dieses Mal sollten sie den Eröffnungsabend einleiten, nach dem Festival werden sie in dieser Formation auf Tournee gehen. Ein halbe Stunde spielte die elfköpfige Band mit grossem Elan ihre gut arrangierten Stücke und kreierte die richtige Stimmung für den Eröffnungsabend.
 
Die Lilly Martin Band (Michael Dolmetsch, Keys; Oliver Keller, Gitarren; Peter Keiser, Bass und Tom Beck, Schlagzeug) wurde teilweise verstärkt durch einen Bläsersatz aus Daniel Küffer (Saxophon) und Bernhard Schoch (Trompete). Als Gäste waren Walt Baumgartner, Richard Koechli, Will G. und Philipp Fankhauser angekündigt.
 

Konzerte dieser Art wirken manchmal beliebig oder zerrissen. Diese Gefahr bestand zu keiner Zeit. Es gelang der ausgezeichneten Band mühelos, sich auf die Gäste sofort einzustellen, ihnen den nötigen Raum zu geben. Solide Arbeit, eine helle Freude . Lilly Martins führte souverän durch das Programm.Vier oder fünf Songs der aktuellen CD Roadhouse Mission gab es erst mal zum Einstieg, bevor Walt Baumgartner seinen Auftritt hatte. Ihn erlebt man jedes Mal ein Stückchen besser und er spielte sich zunächst augenzwinkernd durch das halbe europäische Liedgut und erhielt dafür begeisternden Beifall. Wieder gab es ein kleines Set mit der Lilly Martin Band, bevor Richard Koechli mit seiner Version des Dylan Songs Gotta Serve Somebody eine nachdenkliche Stimmung zauberte. Dann holte er mit seinem Won't You Be My Savior, unterstützt vom grossartigen Michael Dolmetsch Barrelhouse Atmosphäre ins Trafo. Schliesslich demonstrierte er eindrücklich seine Fähigkeiten als Slide Gitarrist. Mit Walt Baumgartner und Lilly Martin gab es dann vor der Pause einen gemeinsamen Auftritt.

In grosser Formation mit den Bläsern wurde es funky. Farther Up the Road kam in einer herrlichen Version mit Booker T.s Green Onion Lick daher. Dann kam Will G. auf die Bühne, der im Halbfinal der «Voice Of Switzerland» ein Opfer des Televotings wurde. Er legte ein sauberes Set hin gekrönt von einem Duett mit Martin über ihre gemeinsame Heimatstadt New York.
Schliesslich kam Philipp Fankhauser dazu und trug seinen Teil zu dem erfolgreichen Abend bei (Try My Love und Down In The Valley). Sehr schön das Duett mit Martin: Funny How Time Slips Away, jener Willie Nelson Klassiker, den die beiden auf der CD The Velvet Mission eingespielt hatten.
 
Natürlich gab es dann als Höhepunkt einen ausgelassenen All Stars Schluss-Auftritt, der zu einem Medley der Blues Gassenhauer wurde. Gute drei Stunden dauerte die ganze Show. Toller Einstieg ins Festival.
 
Vordem Konzert hatten wir Gelegenheit, mit Lilly Martin zu sprechen.
bluesnews: Hat die Arbeit bei der Voice of Switzerland einen Einfluss auf deine Popularität?
Lilly Martin: Ja, ich glaube schon. Das hilft schon. Ich werde auch auf der Strasse angesehen, erkannt. Natürlich hilft es auch der Werbung für unsere Musik, der Name hat etwas mehr Gewicht erhalten. Aber ich hoffe, nicht nur deswegen und das möchten wir auch heute Abend beweisen.
 
bn: Aber es ist doch so, dass diese Musik in einer eher geschlossenen Gemeinde gehört wird und vom Rest kaum wahrgenommen wird. Da ist doch The Voice ein Instrument, das aufmerksam macht.
 
lm: Das stimmt. Das ist schon ein Instrument, vor allem für die Kandidaten. Für sie ist es eine wunderbare Plattform. Es gibt natürlich viel pro und contra und letzten Endes ist es Entertainment. Aber wenn ein junger Künstler es geschickt anstellt, ist es eine Super Plattform. Es geschieht aber nichts von alleine, sonst kennt dich in drei Monaten keiner mehr. Die Kandidaten müssen dran bleiben, auf dieser Welle reiten.
 
bn: was du machst ist musikalische sehr breit angelegt. Wo liegt denn dein Herz?
lm: Diese Frage höre ich immer wieder. Für mich ist es nicht ungewöhnlich, ich sehe, wie andere Künstler eine Vielfältigkeit in ihrer Entwicklung durchleben. Für mich ist es nicht ein Ort, ein Ziel, sondern es ist eine Reise. Jetzt bin ich angekommen im Bereich Soul, Jazz und Blues. Das war auch immer dabei, in meinem Herzen. Aber alle anderen Stilarten, das ist für mich alles unter einem Dach: gute Musik. Sehr wichtig für mich sind gute Texte, eine Geschichte erzählen - und ich muss es in mir spüren.
 
bn: In der Bluesgemeinde gibt es doch auch viele Liebhaber mit eigenen Vorstellungen, was dazu gehört un nehmen es den Musikern übel, wenn sie davon abweichen, neues versuchen.
lm: ja, aber ich denke, wenn wir die Geschichte des Blues ansehen, da ist alles so verbunden: Gospel, Soul, Jazz. . . das ist verbunden. Da ist alles miteinander verwandt. Ich sehe das nicht als Trennung, es gilt, eine Balance reinzubringen. Soul, Blues, Jazz - ich sehe das als Mommy, Daddy, Uncle. Ich mag auch Leute wie Ry Cooder, die alles mischen, auch Weltmusik. Ich stehe eher auf dieser Seite. Ich möchte keine Genres isolieren, sondern die Verbindungen suchen. Joni Mitchell begann als Folk Musikerin, wurde Popmusikerin und ist inzwischen in meinen Augen eine der besten Jazzmusikerinnen. Das sind Prozesse, für welche du offen sein musst.
 
bn: Die neue CD ist ziemlich erfolgreich. Wie sind die Pläne?
Im: Für Ende Jahr/Anfang nächstes Jahr ist eine neue CD geplant. Es werden hauptsächlich eigene Songs sein. Die letzten beiden Alben waren viele Cover. Wir werden heute Abend einige Songs spielen, die noch nicht auf einer CD zu hören sind.
 
bn: Stilistisch?
lm: So wie heute Abend, (lacht) Eine Mischung. Bei Velvet Mission hatten wir einen kühlen Sound und haben zum Beispiel Led Zeppelins oder Hank Williams' Songs in einer Mischung aus Soul-Jazz mit einem Hauch Blues gespielt. Jetzt haben wir mehr Soul, Blues mit nur einem Hauch Jazz. Ich glaube, damit haben wir viel mehr Herzen getroffen, vor allem für Live Konzerte. Es ist eine Art Dankbarkeit dafür, dass wir live spielen können und dass wir ein Publikum haben. Die erste CD ist vielleicht eher etwas für zuhause. Wir möchten aber live spielen.
 
nb: Lilly Martin, vielen Dank für das Gespräch

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