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RSB = Rapperswil Super Bluesfestival

Der Samstagabend am diesjährigen Rapperswiler «Blues’n‘Jazz» stand im Zeichen grosser Namen: Joe Satriani, Matt Bianco, Royal Southern Brotherhood und sogar die Geister der Vergangenheit im Form von Louis Armstrong und Johnny Cash waren am oberen Zürichsee zugegen. Letztere freilich in Form von Tribute Bands. Der Samstagabend führte die gute Stimmung vom Freitag nahtlos weiter und da das Wetter in Rapperswil besser blieb als in vielen umliegenden Regionen, konnte das erneut zahlreich eingetrudelte Publikum die auf allen vier Bühnen die üppig dargebotene Musik geniessen.

Wie bereits am Freitag waren die vier Bühnen unverkennbar musikalischen Stilrichtungen zugeordnet, so waren am Fischmarktplatz Matt Bianco und Joe Satriani zu hören. Davor war die Johnny Cash Roadshow auf dieser Bühne, so dass auf der grössten Bühne am Samstag kein Blues oder Jazz gespielt wurde, sondern ein Tutti-Frutti aus Vintage-Country-Klängen, Matt Biancos smartem Pop-Sound und dem Über-Rock Satrianis. Die Cash Roadshow bot originalgetreue Reproduktionen der Auftritte Johnny Cashs und seiner Frau June Carter Cash zum trockenen Country-Sound, der das Markenzeichen Cashs war, wobei die Parts von Cash-Gitarrist Luther Perkins, Bassist Marshall Grant und Schlagzeuger W.S. Holland hier so präzise nachgespielt wurden wie ein Kunstdruck ein Bild im Museum wiedergibt. Der Gesang der Darsteller des Ehepaars Cash war ebenfalls ausgezeichnet. Musikalisch Kreativität und Originalität traten hier also zurück zugunsten der Gänsehaut-Vorstellung, den «Man in Black» einmal live zu sehen. Und wenn man die Augen schloss, konnte man es sich vorstellen.

Die beiden dem Festival seinen Namen gebenden Stile waren auf den anderen drei Bühnen zu hören, so spielte am Curtiplatz Davina & The Vagabounds eine Art Retro-Jazz-Revue, die vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurde, danach folgte die United Nations Jazz Band und schliesslich die Ultimate Louis Armstrong Show. Beiden hielten mit Jazz-Arrangements zwischen Dixie-Combo und Big Band-Sound das Publikum am Mitwippen.

Am Hauptplatz liessen erst Moreland & Arbuckle die Wände der Altstadt erzittern und danach die Royal Southern Brotherhood. Feiner ging es am Kapuzinerzipfel zu im «Blues Front Café», denn dort spielte die Roots-Band um Luke Winslow-King und danach der erst 23jährige Marquise Knox, eine der grossen Nachwuchshoffnungen des Blues.

Der aus New Orleans stammende, aber dort nicht heimische Luke Winslow-King verzückte das Publikum mit fröhlichem Roots-Blues à la Bukka White oder anderer Zwischenkriegs-Bluesern und gelegentlich selbst verfasstem Material. Unterstützt von Sängerin und Washboard-Spielerin (die gelegentlich auch zum Hufeisen griff) Esther Roseund Slide-Gitarrist Roberto Luti spielte das Trio sanften Slide-Blues bis rasante Nummern, die aufpeppten und zum Tanzen animierten.

Das Duett von Sänger und Blues-Harp-Spieler Dustin Arbuckle mit GitarristAaron Moreland spielt eine eigentümliche Mischung aus modernem Bluesrock und Chicago-Klassikern. Ihre Fassung des Blues lebt vom grossen Gitarren-Sound im Stil von Jack White, dazu die Bluesharp von Arbuckle. Beim Auftritt inRapperswil durch einen Schlagzeuger erweitert, feierten Moreland & Arbuckle dennoch ihre Fassung des Blues als Weisse College-Jungs aus Kansas.

Als zweiter Gig stand auf dem Hauptplatz dann die Royal Southern Brotherhood an, eine Supergroup von Südstaaten-Musikern. Das Quintett besteht aus Lead-Gitarrist und Lead-Sänger Mike Zito, Devon Allman, der ebenfalls den Gesang bestritt und Rhythmus-Gitarre mit gelegentlichen Soli spielte. Dazu kommen Schlagzeuger Yonrico Scott und Bassist Charlie Wooton. Als fünfter ist Cyril Neville dabei, der hoffentlich bloss einen schwachen Tag erwischt hat. Der jüngste der Neville Brothers stand in der Mitte der Bühne rum, ein Perkussionsset vor sich und ein Mikrophon, aber sein Gesang blieb schemenhaft und seine Perkussionsarbeit war angesichts der Qualität Scotts als Drummer eigentlich eine Beleidigung für diesen. Aber auch zu viert machte die Band gehörig Druck und Zitos schneidende Funk-Riffs und Allmans erdige Gitarrenbegleitung waren perfekt aufeinander eingespielt und harmonierten prächtig. Die Show stahl allerdings erneut Charlie Wooton mit seinem Bassolo, dass dem Publikum die Münder offen stehen lässt. Sein Solo zeigte auch eindrücklich, was man mit der Bassgitarre kann, aber nie mit dem Kontrabass. Die Abkürzung der Band RSB stand somit an diesem Samstag auch für das «Rapperswil Super Bluesfestival».

Marquise Knox beschloss den Abend am Kapuzinerzipfel. Während RSB denHauptplatz erdröhnen liessen undSatriani auf seiner Gitarre mit den Ausserirdischen surfte und dem Vorwurf «too many notes» lustvoll den Stinkefinger zeigte, spielte Marquise Knox jeden Ton so, als sei er sehr wertvoll und nur im Kontext des Songs spielbar. Ausgerüstet mit dem Lucille-Modelle von Epiphone spielte der junge Bluesman Covers, aber auf eine eindrückliche Art, so als habe er diese Titel mit seinen 23 Jahren bereits verinnerlicht. Begleitet von einer Rhythm-Section spielte und vor allem sang Knox sich in die Herzen der Zuschauer. Er liess seine Virtuosität nur gelegentlich aufblitzen (etwa bei Hideaway), wie sein offenkundiges Vorbild B.B. King. Freuen wir uns auf hoffentlich viele Jahre mit diesem Ausnahmetalent.

Die Vorfreude gilt noch mehr dem Rapperswiler Blues’n’Jazz 2015, das in hoffentlich bewährter Art und Weise ein ganz eigenes und speziell schönes Bluesfestival präsentiert.
 

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