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Der erste Hauptabend des Festivals im Nordportal  mit Hans Theessink und den Fabulous Thunderbirds zeigte zwei völlig unterschiedliche Stile des Blues: Hier der akustische Saitentüftler mit seiner Rootsmusik, dort die pralle Spielenergie aus Texas. Beide Gigs waren vom feinsten.

Mit Hans Theessink holte Baden einen der derzeit besten Rootsmusiker auf die Bühne. Der in Wien lebende Musiker aus den Niederlande setzt seit den siebziger Jahren Massstäbe in diesem Genre. Neben ihm spielten der hervorragende Roland Guggenbichler (Keys, Akkordeon) und die drei Mitglieder des Chors Insingizi aus Zimbabwe, Dumisani "Ramadu" Moyo (Gesang, Perkussion), Zibusiso "Blessings" Nkomo (Gesang, Perkussion) und Vusumuzi "Vusa" Ndlovu (Gesang). Die Afrikaner sind zugleich rhythmisches Rückgrat, Chor und tänzerische Showeinlage. Bis 1997 geht die Zusammenarbeit mit dem Trio zurück, inzwischen sind sie Bestandteil seiner Show. Sie haben Theessinks Repertoire, das die Grenzen des Blues schon immer weit zog, um afrikanische Elemente erweitert.

Hans Theessinks Stärke liegt in seiner Art des Vortrags. Was genau es ausmacht, ist schwer zu beschreiben. Natürlich beherrscht er sein Instrument virtuos, sowohl sein Fingerpicking als auch sein Slidespiel können einem den Atem rauben. Natürlich ist seine sonore Stimme wie geschaffen für Bluessongs, als auch für den Dialog mit dem Publikum, ganz zu schweigen, dass wir den niederländischen Akzent ohnehin charmant finden. Das alleine ist es aber nicht. Er versteht die Kunst, seine Konzerte so aufzubauen, dass jede/r ZuhörerIn den Eindruck gewinnt, er spiele nur für sie/ihn.  Gerne bindet er auch das Publikum ein, das nur zu gerne mitmacht, was bekanntlich in der Schweiz nicht so leicht zu erreichen ist.

Roland Guggenbichler hat 2006 zusammen mit Insingizi das ungewöhnliche Crossover-Projekt MOZuluART ins Leben gerufen, bei welchem traditionelle Zuluklänge mit Mozart verbunden werden. Der Keyboarder ergänzt Theessink perfekt und überzeugte sowohl als Begleitung, als auch mit seinen Soli.

Insingizi leben ebenfalls in Wien. Erstmals ausserhalb ihrer heimat bekannt wurden sie mit ihrer 2004 erschienenen CD Voices Of Southern Africa, die so erfolgreich war, dass sie 2009 ein Volume 2 nachschoben. Sie überzeugten durch zurückhaltenden Hintergrundgesang und sparsam dosierten Congaeinsatz, konnten aber auch mit fast artistischen Tanzeinlagen unterhalten.

Im gut besuchten Nordportal schöpfte die Band aus dem riesigen Fundus an Songs, den sich Theessink im Laufe seiner über vierzigjährigen Karriere angeeignet hat, mit Schwerpunkten seines Albums Slow Train und natürlich Songs aus dem Konzeptalbum Jedermann Remixed, dem Soundtrack des gleichnamigen Filmprojekts des österreichischen Regisseurs Hannes Rossacher, so zum Beispiel Cry, Cry, Cry mit mitreissendem Slidespiel, Slow Train, leise und poetisch, oder Bo Diddleys Machosong I'm a Man, das er gleichzeitig mit augenzwinkernder Distanz, als auch maskulinem Selbstverständnis darbot. Aufgefallen sind ausserdem Satan Your Kingdom Must Come Down, der Reggae Song Sambesi und Solomon Lindas Gassenhauer The Lion Sleeps Tonight. Alles in allem ein sehr entspannter Auftritt eines Meisters.

The Fabulous Thunderbirds feat. Kim Wilson

1977 gegründet, gehören The Fabulous Thunderbirds zu den dienstältesten Bands der Bluesrockszene. Wie jede Band, die solange im Geschäft ist, hat sich ihr Lineup verändert. Insbesondere der Gründer, Jimmie Vaughan verliess die Gruppe 1990 um mit seinem Bruder Stevie Ray im Duo zu spielen, der tragischerweise kurz darauf bei einem Unfall ums Leben kam. Kurz darauf löste sich die Band auf. Gründungsmitglied Kim Wilson fädelte 1993 eine Reunion ein nach einigen Flops langsam fand die Band den Weg zurück zum Erfolg. Inzwischen ist Kim Wilson das einzige Gründungsmitglied, das noch dabei ist.

Natürlich ist die Meinung weit verbreitet, die Thunderbirds seien nicht mehr dasselbe wie anno dazumal und seien nach dem Weggang Jimmie Vaughans im Grunde genommen gestorben. Davon ist allerdings bei den Auftritten der Birds nichts zu spüren. Mit Johnny Moeller und Mike Keller sind zwei herausragende Gitarristen in der Gruppe und bei allem Respekt: Der eher schüchterne Jimmie Vaughan stand bei den Auftritten immer etwas im Schatten des charismatischen Energiebündels Kim Wilson.

Johnny Moeller gehört zu den vielen Musikern, die von Antone gefördert worden sind. Seinen ersten Auftritt hatte er bei Antone's zusammen mit Little Charlie & The Nightcats. Daneben tourte er intensiv in den Staaten und Europa, unter anderem mit Darrell Nulisch und Lou Ann Barton.

Mike Keller ist seit 2007 einer der Birds, nachdem er sich bereits zusammen mit Matt Farrell, Corey Keller und Scott Nelson als The Keller Brothers bei wöchentlichen Gigs in Antone's einen guten Namen erspielt hatte.

Schliesslich die Abteilung Rhythmus: Randy Bermudes am Bass,ein erfahrener und beliebter Bassist, der auch mit R.J. Mischo und Charlie Musselwhite gespielt hatte, sowie Jay Moeller, der Halbbruder von Johnny am Schlagzeug.

Auch die Fabulous Thunderbirds können aus ihrem reichhaltigen Oeuvre schöpfen. Sie begannen ihr Set mit My Babe, einem Titel, den Ron Holden als Improvisation zusammen genagelt hatte. Die Formation hiess interessanterweise Ron Holden and The Thunderbirds. Von Anfang an kam die Band druckvoll und voller Energie von der Bühne.

Schliesslich demonstrierte Kim Wilson eindrücklich, wieso er von nicht wenigen als der beste Harmonicaspieler bezeichnet wird. Auch wenn diese Art von Vergleichen nie objektiv sein können, so beeindruckte er jedenfalls nach etwa zweidritteln des Sets mit einem zehnminütigen Solo, das diesen Ruf durchaus rechtfertigt. Nach einigen Chorussen stand er erst mit dem Schlagzeuger alleine, schliesslich solo auf der Bühne und spielte Melodie und Bassbegleitung gleichzeitig, zuweilen hatte man den Eindruck, dass zwei Harps spielen würden. Im Übrigen spielten sie sich durch den bandeigenen Kanon. Auch die beiden Gitarristen waren gut in Form und glänzten mit üppigen Soli. Mike Kellers Gitarre ist dabei glockenrein, Johnny Moellers Instrument leicht angezerrt, beides ergänzte sich auf das feinste. Randy Bermudes lieferte satte Basslinien.

Ein gutes Signal ist immer das Gefühl: schon zu Ende? Rund anderthalb Stunden dauerte die buchstäblich schweisstreibende Show. Dann war Kim Wilsons Hemd völlig durchgeschwitzt und es war Zeit für die Zugabe: The Crawl mit Publikumsbeteiligung.

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