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10. Vully Blues Festival
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Poesie und Power

Auch der zweite Abend im Nordportal folgte derselben Regie wie der erste: Ruhiger, akustischer Einstieg in den Abend, gefolgt von einem kraftvollen Powerset im zweiten Teil. An diesem Abend traten Eric Bibb auf, ein Meister des akustischen Blues, zusammen mit dem schwedischen Gitarristen Staffan Astner.

In den USA sind sie verschiedentlich schon zusammen aufgetreten. Für Europa war es eine Premiere: Anson Funderburgh und Kim Wilson. Zwei, die für treibenden Blues stehen und für einen Abend garantieren, der in Erinnerung bleiben wird.

Diese zweite Nacht im Nordportal beschloss die neunte Ausgabe des Festivals an der Limmat. Zu Recht wurden die Badener mit dem «Swiss Blues Award ausgezeichnet». Sie zeigten erneut, wie man auch mit limitiertem Budget ein tolles Festival auf die Beine stellt: Ein gutes Händchen für das Lineup, ein attraktives Rahmenprogramm und Enthusiasmus sind die Zutaten des Erfolgsrezeptes. Beide Abende waren sehr gut besucht. Wenn das so weiter geht, dürfte das Nordportal bald aus den Nähten platzen.

 
Der Poet


Der Mann mit dem jungenhaften Aussehen verströmt einen unverbrauchten, natürlichen Charme, dem man sich nicht entziehen kann. Man sieht es Eric Bibb keinesfalls an: im August wird er 61 Jahre alt. Trotzdem dauerte es bis in die späten neunziger Jahre, bis er grössere öffentliche Aufmerksamkeit gewinnen konnte. Dabei wuchs er in einer hochmusikalischen Umgebung in New York auf und hatte früh Kontakt mit Musikern wie Pete Seeger, Bob Dylan, Odetta oder John Lewis, die Freunde seines Vaters Leon Bibb waren. Seit den siebziger Jahren pendelte er zwischen Europa und den USA, inzwischen lebt er in Finnland und arbeitet international. Mehrfach in verschiedenen Kategorien nominiert gewann er den Blues Music Award 2011 als «bester akustischer Künstler».


 

Sein Spiel orientiert sich an den alten Meistern: Sun House, Robert Johnson, Charlie Patton, Mississippi John Hurt, Booker White, Blind Willie Johnson et cetera. «Keep it simple, forget all that fancy stuff» soll ihm Bob Dylan als Kind empfohlen haben. Daran hält er sich und auch sein Begleiter, der schwedische Gitarrist Staffan Astner, der es meisterlich versteht, mit der E-Gitarre dezente Akzente zu platzieren und es vermeidet, das akustische Ambiente aufzuwirbeln. Beide sind stupende Instrumentalisten und wissen ihr Können sparsam einzusetzen. Dazu Eric Bibbs begnadete Stimme, die von Ohr direkt ins Sympathiezentrum dringt. Wem dies nicht genügt, erliegt spätestens seinem Lächeln.

Er begann solo mit J. B. Odens Klassiker Goin' Down Slow und es wurde mucksmäuschenstill im Saal. Der Song wurde wohl von nahezu jedem Bluesmusiker gespielt, am berühmtesten dürfte Howlin' Wolfs Interpretation sein. Oden spielte das Stück natürlich mit Pianobegleitung, bei Eric Bibb wird es zu einem Song im besten Deltablues Stil. Nun kam Staffan Astner dazu und es folgten die Eigenkompositionen New Home, Walkin' Blues Again und Flood Water, bei letzterem kommt einem Katherina in den Sinn, aber der Song handelt von der grossen Mississippi Flut 1927, die schon von Charlie Patton besungen worden ist. In Troubadour lässt Staffan Astner seine Gitarre wie ein Banjo klingen, schafft so Country Atmosphäre. Dann folgt ein Piedmont Style Song von John Cephas: Goin’ Down the Road Feelin’ Bad. Die Titel oszillieren irgendwo zwischen Blues, Folk und Country. Inzwischen hat sich eine entspannte Atmosphäre ausgebreitet. Niemand kann sich dem poetischen Zauber entziehen, den die beiden Herren zunehmend verbreiteten. Da stimmt einfach alles: Musik, Texte, Emotionen.

Texas Power

Anson Funderburgh and The Rockets wurden 1978 gegründet und sind damit etwa gleich alt wie The Fabulous Thunderbirds. Die beiden Gruppen sind damit die dienstältesten Bands aus Texas. Die Thunderbirds waren immer einen Tick bekannter als die Rockets. Das liegt einerseits daran, dass die Rockets ihren Schwerpunkt in lokalen Auftritten sahen und erst vor einigen Jahren aus den Clubs raus auf die Festivalbühnen suchten. Es mag auch an Funderburghs Persönlichkeit liegen, die nicht die offensiven Frontman Qualitäten hat, wie die von Kim Wilson. Natürlich kennt man sich, Funderburgh ist auch auf dem 1981 erschienenen Album Butt Rockin der Thunderbirds zu hören. So liegen gemeinsame Auftritte auf der Hand und diese hatten auch grossen Erfolg. In Europa standen die beiden allerdings noch nie zusammen auf der Bühne - bis zum Bluesfestival Baden 2012. Das Lineup: Kim Wilson (Gesang, Harmonika), Anson Funderburgh (Gitarre, Gesang), Christian Dozzler (Keyboard), John Street (Hammond), Eric Przygocki (Bass), Wes Starr (Schlagzeug).

Die Band spielte zunächst ohne ihren Gast den Eröffnungssong, danach Chris Kenners Something You Got.  Christian Dozzler, der Keyboarder und Akkordeon Spieler aus Wien, der seit 2000 in Dallas lebt, konnte sich den Scherz, er spräche ganz gut Deutsch für einen Texaner nicht verkneifen, als er den wunderbar schmachtenden Zydeco Titel I'm Coming Home von Clifton Chenier ankündigte und auch erstklassig interpretierte. Inzwischen war die Band eingespurt, das Publikum bereit und nach fast einer halben Stunde kam Kim Wilson dazu. Nun hat dieser eine derart starke Persönlichkeit und eine im besten Sine dominante Präsenz, dass es kaum eine Rolle spielt, mit welcher Band er auf der Bühne steht: alles wird zu Kim Wilsons Band.. Das zeigte sich schon in der Programmankündigung, wo der Auftritt unter dem Titel Kim Wilson & Anson Funderburgh angekündigt worden war. So geschah es auch hier. Das Set war im Grunde eine Fortsetzung des Auftritts vom vorigen Abend, auch wenn John Street und Christian Dozzler mit ihren Tasteninstrumenten ganz andere Akzente setzten und sich Funderburghs Spiel von Johnny Moellers oder Mike Kellers unterschied. Jedenfalls gab es ein Feuerwerk an temporeichem Blues mit atemberaubenden Harpsoli, herrlichen Gitarrenläufen und interessanten Keyboard bzw. Hammond Einlagen. Eric Przygocki war soverän, sowohl am Stehbass, als auch an der Bassgitarre. Aufgefallen sind die beiden Interpretationen von I'm A Good Man und Work Together.

 

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