Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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Volksfest für den Blues

Die Altstadt swingt, am Seeufer lächeln die Gäste, das «Blues’n’Jazz Rapperswil» eröffnete gestern mit einem fulminanten ersten Abend, der begeisterte und zugleich viel Lust auf mehr macht. Also etwa auf heute Samstag Abend. Blues’n’Jazz Rapperswil ist weniger ein Blues-Festival mit einzelnen Auftrittsorten als vielmehr ein Stadtfest mit musikalischer Untermalung: Der Blues hat die Altstadt in Beschlag genommen und er lädt alle ein, sich an diesem Lebensgefühl zu erfreuen. Heute Abend spielen neben den grossen Stars wie den Mac Arnold (einst Bassist von Muddy Waters), den Commodores und Joe Louis Walker wieder ein Lineup von Künstlern, die es zu entdecken gilt. Aber das ist schliesslich ein wichtiger Aspekt des unvergleichlichen Charmes von  «Blues’n’Jazz Rapperswil».

Diashow

Der Freitagabend bot bereits eine Auswahl an Musik, die wenig Wünsche offen liess. Nach der vielleicht als «Blues-Taktfahrplan» zu bezeichnenden Organisation wurden auf den vier Festivalbühnen jeweils um 19:00 Uhr, um 21:00 Uhr sowie um 23:00 Uhr die Konzerte eingeläutet, die dann jeweils runde 90 Minuten dauerten. Die erste Runde wurde bestritten von Rudy Rotta auf der Mitsubishi-Bühne am Hauptplatz, Wilko Johnson auf der AXA-Bühne am Fischmarktplatz, der Fondy Riverside Bullet Band auf der Bühne am Curtiplatz und den Red Wine Serenaders im Blue Front Café am Kapuzinerzipfel. Die zweite «Schicht» wurde dann bestritten vom Nigel Kennedy Quintet, Zakiya Hooker, Paul Reddick unddem Karabikimport aus dem Berner Oberland William White. Die Late-Night Sessions dann machten Platz für Popa Chubby mit seiner Blues Pyrotrechnik, Beverly Knight, die New Orleans Legancy Band mit Tommy Sancton und Lars Edegran sowie Fabrizio Poggi & Chicken Mambo. Mit Rotta, den Serenaders und Poggi waren gleich drei italienische Acts am Start, was gut passte zum mediteranen Wetter und zum sommerlichen Flair der Altstadt.

Zwischen den Bühnen gab es Verpflegungsmöglichkeiten sowie Souvenier- und Krimskrams-Stände, die wesentlich zur Volksfest-Stimmung beitrugen. Das Festival – und das heisst die Altstadt, denn der Zutritt zur Altstadt war nur mit Frestivalkarte erlaubt – war gut besucht, und überall sah man fröhliche Menschen am Seeufer oder über die Kopfsteinpflaster unter dem Schloss flanieren.

Wichtigster Punkt aber bleibt die Musik, und davon gab es jede Menge in jeder erdenklichen Art: Rudy Rotta spielte seinen energiegeladenen Funk-Blues, während die Veteranen der Fondy Riverside Bullet Band (Piano, Schlagzeug, Stehbass, Banjo, Trompete, Klarinette und Posaune) feinesten Dixie intonierten. Wilko Johnson spielte Brit-Pop, der nach Talking Heads klang und nach 80er-Jahre Pop. Die Überraschung war sicher Veronica & The Red Wine Serenaders, ein italienisches Quartett mit Gitarren, Ukulelen, Kazoo, Washbrett und Stehbass, die das Publikum in ihren Bann schlugen mit einer witzigen und sehr engagierten Darbietung, die groovte und mit feinen Details angereichert war. So wird das Washbrett bekanntlich in der Regel mit Fingerhüten gespielt. Veronica Sbergia aber nahm zwei Haarbürsten, was auf dem Waschbrett wirkte wie Jazz-Besen beim Schlagzeug: grosse Klasse.

Im zweiten Set war vor allem Nigel Kennedy von interesse, der englische Violinisten-Wunderknabe, der die Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi mitreissend eingespielt hatte. Dieser wollte ursprünglich mit Deep Purple-Legende Jon Lord nach Rapperswil kommen, aber der war verhindert. So bot das Quintett ein anspruchsvolles Jazz-Konzert, bei dem eine bewundernswert grossartige Auswahl von Sidemen für Musikalische Brillianz sorgte. Der Eindruck war klar: Nigel kann auch Jazz.

Was heisst das alles für Samstagabend? Eindeutig: Rapperswil ist an diesem Wochenende Blues-Mekka der Schweiz und wer ein offenes Ohr hat für Musik unterschiedlicher Couleur, aber einheitlich tiefer Gefühlslage, der ist in Rapperswil heut genau richtig aufgehoben.

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