Jazz 'n' More
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Bellinzona Blues
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Groove Now
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Live im Musical Theater Basel

5. März 2014.

Vieles ist bei Joe Bonamassa anders. Allein die Tatsache, dass jemand mit Blues und Bluesrock international auch grosse Häuser füllt, verwundert. Seine Konzerte holt er schon äusserlich aus dem Amüsierviertel ins Konzertmilieu. Die Säle sind bestuhlt und auch wenn sich viele Kritiker darüber jeweils mokieren: ja, es geht sehr gut. Die musikalische Qualität und der Genuss daran hängen keineswegs davon ab, dass man steht und eine Bierflasche in der Hand hält. Ich weiss, Rebellion, Jugend und so weiter. Das Durchschnittsalter des Publikums spricht allerdings eine andere Sprache, auch wenn die Jugend durchaus gut vertreten war. Ich frage mich auch zuweilen, ob die Leute zuhause auch stehen, wenn sie ihre Musik hören? Es sei zudem wieder mal daran erinnert, dass es zu Anfang selbstverständlich war, bei Blues- und Rockkonzerte auf Stühlen zu sitzen, bevor irgendwelche Leute es als Ausdruck der Lebensfreude betrachteten, diese zu zertrümmern. Anders auch: die Konzerte beginnen pünktlich. Kein exzentrischer Meister, der noch auf die Inspiration oder die richtige Stimmung warten muss und grundsätzlich erst eine halbe Stunde später beginnt, als erwartet. Eine Bandvorstellung die auch diesen Namen verdient, keine halbherziges Genuschel, sondern klare und informative Ansagen. Anders ausgedrückt, Bonamassa inszeniert seine Konzerte als das, was Blues und seine Verwandten längst sind: musikalische Kulturveranstaltungen. Dass die offiziellen Kulturbeauftragten dies noch immer nicht begriffen haben, spricht nicht für deren Kompetenz. Es war sein einziges Konzert in der Schweiz. Das Theater war ausverkauft, rund 1600 Leute warteten gespannt.

 

 

Die Bühne sah aus wie das Schaufenster eines Gitarrenladens. Im Zentrum ein Halbkreis von acht akustischen Gitarren. Überhaupt ist Bonamassa ein Instrumentennarr, kein Wunder, ist er schliesslich im Gitarrenladen seines Vaters gross geworden. Nebst seinen diversen Gitarren waren allerlei Perkussionsinstrumente zu sehen, dazu gab es eine Nyckelharpa, diverse Mandolinen und kurlige Perkussionsinstrumente, die man eher selten sieht. im Verlauf des Abends war ausserdem ei n Theremin zu hören, auch nicht gerade häufig anzutreffen.
 
Die Lichter gingen aus und das akustische Set begann effektvoll im Dunkeln mit dem AC/DC Klassiker Highway To Hell. Das muss einem erst mal einfallen, ein akustisches Set mit einem Hardrock zu eröffnen, der als Country Version dargeboten wird. Ob es aufging? Jedenfalls mutig und interessant und es machte gleich zu Anfang klar: Grenzen sind nur dort, wo man sie sich setzt. Gefolgt wurde der Opener von einem atemberaubend schnell vorgetragenen Woke Up Dreaming. Hat er wirklich nur fünf Finger? Das Publikum tobte, es sollte nicht das letzte Mal sein. Mit dem Folkpop Nickelharpa Spieler Mats Wester (Nordman) und dem irischen Banjospieler Gerry O' Connor (Dubliners), der auch die Fidel spielte, gerieten das folgende Seagull, wie auch das ganze akustische Set deutlich folk- und countrylastig, was aber nicht als Kritik zu verstehen ist. Leider war der Sound unbefriedigend. In den lauteren Passagen kam die Transparenz völlig abhanden, im elektrischen Set war es noch schlimmer, man konnte den Gesang nicht richtig, teilweise gar nicht hören. Neben den erwähnten Musikern waren im akustischen Set der unerhört talentierte Perkussionist Lenny Castro, sowie der Keyboarder Derek Sherinian auf der Bühne.
 
Es folgten die Titel Jelly Roll,Black Lung Heartache, Around The Bend, Jockey Full Of Bourbon, Stones In My Passway, Ball Peen Hammer und Athens to Athens. Auffallend ist der Druck und die Kraft, die Bonamassa in die Songs bringt. Wo akustische Sets zuweilen eher betulich daherkommen, ging hier die Post ab. Kreativ und respektlos packt er alles hinein, was Blues, Country und Folk hergeben und mischt das Ganze zu etwas Neuem. Dazu kommen seine instrumentalen Fähigkeiten, die ganz einfach staunen lassen. Er lässt sich auch stilistisch nicht festnageln und ist damit Wegbereiter für Neues. Dass er damit von Puristen kritisiert wird, verwundert nicht.
 
Für das elektrische Set stiessen der Drummer Tal Bergmann und der Bassist Carmine Rojas dazu, beide anerkannte Topmusiker auf ihrem Gebiet. Dafür blieben Mats Wester und Gerry O'Connor hinter der Bühne. Er spielte neben seinen bekannten Songs wie unter anderem Dust bowl, Who's Been Talking, Slow Train, Sloe Gin und The Ballad of John Henry zwei neuere Stücke: Oh Beautiful und Love Ain't a Lovesong. Beide kamen gut rüber, ersterer dürfte ein Klassiker werden, letzterer gab Gelegenheit für Soli. Auch im elektrischen Teil konnte die Band begeistern, zumal ein erheblicher Teil des Publikums offenbar eher wegen der rockigeren Titel gekommen war. Als Zugabe gabe es Django und Mountain Time. Im zweiten Set kam auch das Theremin zum Einsatz und bot Bonamassa Gelegenheit zu einer Art Parodie auf die endlosen, verzerrten Gitarrensoli, wobei er die Gitarre zwar umgehängt hatte, jedoch die verzerrten Klänge alleine mit den beschwörenden Bewegungen seiner Hände erzeugte, dem Publikum halb den Rücken zugekehrt. Er sah aus wie ein Magier. Toller Einfall.
 
Er hat bis heute keinen Hit gelandet, dabei weit über hundert Songs geschrieben. Er spielt mit einer unbändigen Kraft, die teilweise weit weg vom Blues schon in Richtung Heavy Metal gehen kann. Für einen Bluesmusiker ist er eher zu rockig, für einen Rocker ist er eher zu brav. Er bietet keine Show und sein Kontakt mit dem Publikum bleibt in überschaubaren Grenzen. Worin liegt also das Geheimnis des Erfolgs, den dieser Musiker hat? Es ist die unerhört eindrückliche Performance, seine Leidenschaft, seine Virtuosität, die eigentlich nie prahlerisch wirkt, sondern wie ein Befreiungsakt, und seine Verwurzelung im Blues, die jederzeit zu spüren ist. Er drückt seine Gefühle mit der Gitarre in seiner eigenen Sprache aus, wie kaum ein anderer. Auf seine eigene Art ist er authentisch, um diesen oft missbrauchten Begriff einmal zu verwenden. Er wird gemocht, obwohl er eher spröde wirkt. Vielleicht, weil wir Wunderkinder mögen.

 

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