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Kirk Fletcher & Band begeistern im Volkshaus

Was ist guter Blues? Was ist traditioneller Blues, was moderner? Mit diesen Fragen kann man unter Bluesliebhabern stundenlange Diskussionen auslösen. Fest steht, dass es für Freunde des traditionellen Blues ein üppiges Konzertangebot gibt, während Veranstaltungen, die modernen Blues anbieten, eher dünn gesät sind. Einer, der für modernen Blues steht ist Kirk Fletcher. Davon konnte man sich am 8. Mai 2015 beim Blues Now! Konzert des kalifornischen Topgitarristen und seiner Band in Basel überzeugen.

Das 40 jährige Ausnahmetalent kennt keine Berührungsängste mit anderen Stilarten. Vier Jahre war er Leadgitarrist der Fabulous Thunderbirds und ist Mitglied der Mannish Boys. Daneben ist er mit seiner eigenen Band unterwegs. Fletcher begann bereits als Achtjähriger Gitarre zu spielen. Während seiner High School Zeit war er Mitglied einer Jazzband. Später trat er bei Antone’s auf und spielte mit Grössen der vorigen Generation wie Pinetop Perkins, Hubert Sumlin oder James Cotton. Danach kam es zu einer Zusammenarbeit mit Charlie Musselwhite auf dessen Wunsch, weil er von Fletchers Qualitäten beeindruckt war. Diese Erfahrungen geben ihm festen Halt in der Tradition, was in seinen Auftritten jederzeit zu hören ist. Er hat aber auch mit Doyle Bramhall, Cyndi Lauper, Michelle Branch und Eros Ramazotti zusammen gearbeitet, wo er seinen musikalischen Horizont erweiterte. Fletcher wurde viermal für einen Blues Music Award nominiert.

In Basel trat er mit einer grossartigen Band aus LA-Cracks auf: Am Bass stand Travis Carlton. Der Sohn des Jazz-, Blues- und Fusion Gitarristen Larry Carlton gehört zu den besten seines Fachs was er sowohl als Teil der Rhythmusmaschine, als auch in einigen tollen Soli bewies. Das Schlagzeug bediente Tom Brechtlein, auch er ein Ausnahmetalent, der unter anderem mit Chick Corea und Robben Ford gearbeitet hat. Sein komplexes Schlagzeugspiel ist voll von raffinierten Einfällen und geht weit über die Funktion als Taktgeber hinaus. Dazu Luke Miller am Keyboard, der ebenfalls zu den besten Musikern der aktuellen LA Szene gehört. Als Überraschungsgast kam nach der Hälfte des zweiten Sets Alex Schultz dazu, der in Basel im Rahmen der Blues Now! Konzertreihe bereits mit etlichen Auftritten begeisterte.

Zusammen zündeten die vier Musiker in rund zwei Stunden ein Feuerwerk an musikalischen Einfällen und begeisterten das Publikum restlos. Die zwei enorm abwechslungsreichen Sets überstrichen alle Varianten des Blues. Da gab es jazzige Nummern mit den komplexen Strukturen und Einflüssen von Fusion Jazz, im Kontrast dazu einfache Shuffles, aber auch funkige Titel  ganz ohne Bläser, die in die Beine gingen und gefühlvollen Soul. Allen gemeinsam war ein mitreissender Groove, angetrieben von Brechtlein und Carlton. Fletcher begeisterte mit lässiger Virtuosität und raffinierten Gitarrenläufen. Mit Schultz' Auftritt gab es sogar noch eine Steigerung, indem sich die zwei einfallsreiche Interpreten gegenseitig motivierten und zur Hochform aufliefen. Die meisten Titel waren instrumental, allenfalls zu Beginn und am Ende gesungen. Das ist auch gut so, denn Kirk Fletcher ist zwar ein grandioser Gitarrist, aber kein Sänger, dessen Stimme unter die Haut geht. 

 

Das Konzert demonstrierte eindrücklich, dass sich die eingangs gestellte Frage eigentlich gar nicht stellt. Blues wurde von Anfang an von anderer Musik beeinflusst. Dadurch hat er sich entwickelt und verändert. Musik, die sich nicht mehr entwickelt, stirbt, oder sie repetiert sich endlos und wird dadurch langweilig. Jede Beeinflussung durch andere Musikstile hat also Tradition. Insofern ist moderner Blues eben immer auch traditioneller Blues.

Website Kirk Fletcher
Website Blues Now!

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