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Fusion Blues

Mit seinem einzigen Auftritt in der Schweiz hat Robben Ford Zürich beehrt und an einem regnerischen Mittwochabend am 20.5.2015 im «Kaufleuten» sein Konzert gegeben, bei dem die funkelnden Harmonien seines Gitarrenspiels und die lyrischen Linien seiner Soli die Wolken am Himmel vergessen machten. Mit seiner charakteristischen Mischung aus Jazz und Funk, dabei stets felsenfest auf der Grundlage eines Blues-Feelings macht Robben Ford tatsächlich anspruchsvolle und komplexe, und gleichzeitig wunderschöne Musik. Er eröffnet Räume jenseits des bekannten Blues-Schemas und zeigt, wie weit die Welt des Blues sein kann. Begleitet von einem Trio, das sich seinerseits als Dream Team erwies, konnte Ford nach einem verhaltenen Anfang seine Kreativität sprühen lassen und das war ein Vergnügen. Der Festsaal des «Kaufleuten» war gut gefüllt und das Publikum wurde gut unterhalten.

Robben Ford bereitet sich auf seine US-Tournee vor und hat deshalb einige Konzerte in Europa gespielt als eine Einstimmung auf den Sommer. Der Abschluss dieser Konzertreihe war nun dank Veranstalter «Allblues» in Zürich im heimeligen und freundlichen Rahmen des «Kaufleuten»-Festsaals. So gab es an manchen Stellen noch Missverständnisse zwischen den Bandmitgliedern, aber bereits am Ende dieser «Aufwärmrunde» in Europa ist bemerkenswert, wie Johnny Henderson am Keyboard, das nur als Orgel verwendet wurde, Brian Allen am vierseitigen E-Bass und Wes Little am Schlagzeug sich verstehen, aber dabei jeweils ihre eigenen Linien beibehalten. Das Trio ist genau wie Ford indem es ein rhythmisches Grundgefühl beibehält, das Blues ist, aber mit ihren jeweiligen Instrumenten nicht die Standard-Parts spielen, sondern ihrerseits kreative und abwechslungsreiche, Jazz-beeinflussten Blues spielen. Die perfekte Band!

Johnny Henderson ist ein Organist, wie man ihn sich nur wünschen kann, seine Begleitung kollidiert nicht mit Bass oder Gitarre und seine Soli klingen süsslich, weil man diesem Hammond-Ton einfach nicht böse sein kann, auch wenn er sich in die Ohren bohrt. Es gab auch Solo-Gelegenheiten für alle drei, selbstverständlich mehrere für Henderson, aber immerhin zwei Basssoli für  Allen. Sowohl diese wie auch das Schlagzeugsolo Littles vermochten mehrfach zu überraschen, so spielte Allen ein rasant schnelles Solo mit Barré-Griffen, wie zumindest ich es noch nie gesehen habe. Bei Little war der magische Moment, als er sich auf die Becken beschränkte und Wolken von Obertönen den Raum erfüllten.

Aber hauptsächlich war es natürlich die Show von Robben Ford. Der kalifornische Gitarrist, der inzwischen auch dem Rentenalter zustrebt, wirkt noch immer jugendlich und dynamisch, fast jungenhaft. Diese Ausstrahlung wird unterstützt von seiner hellen Stimme, die nicht sonderlich trägt, aber das Primat seiner Musik ist auch nicht der Gesang. Robben Ford machte durchgehend einen sehr konzentrierten und nüchternen Eindruck. Es sind komplexe Songs, da muss man sich konzentrieren, und deshalb störten ihn auch anfangs die Blitzlichter und in den ersten zwei Songs wirkte er sogar angespannt. Mit der Zeit wirkte er entspannter und die Musik begann mehr zu fliessen.

Ford sang auf allen Songs, ausser auf dem einen Instrumentalstück On That Morning, das aus meiner persönlichen Sicht den Höhepunkt des Konzerts darstellte, ein Gospel-getränktes Stück mit einem Gitarrenton, der eine Hommage an Wes Montgomery ist. das ich aber schon in der Rezension der CD hervorgehoben hatte. Die Musik war überwiegend im Blues verankert, aber die Schemen des Blues wurden kreativ, intelligent und freudvoll umgedreht, verziert, und hierbei standen natürlich Robben Fords Soli im Vordergrund, die lyrisch und fliessend waren, natürlich virtuos gespielt, wie man es von einem Ausnahmegitarristen wie Robben Ford erwartet. Mit Anleihen aus Jazz und Funk erinnerte der Sound der Band immer wieder an das, was man einst Fusion nannte, bloss in einem stärker dem Blues als dem Jazz zugeneigten rhythmischen Schema.

Nach einer Eröffnung mit Cut You Loose folgte viel Material der jüngst veröffentlichten drei Alben: Bringing It Back Home von 2013, A Day In Nashville von 2014 und das aktuelle Album Into The Sun (2015). Zumeist eigene Titel. Darunter waren verschiedene Variationen von funkigen Begleitungen, mit grosser Autorität gespielt und abwechslungsreich, ohne gehetzt zu wirken. Ford und die Band brauchen sich nicht zu beweisen, sie spielen auf ihre hohem Niveau Musik, die auch ihnen Spass zu machen schien.

Mit einer kurzen Verschnaufpause bei Bass- und Schlagzeug-Solo für Ford und Henderson dauerte das Konzert runde anderthalb Stunden. Während am selben Abend mehrere Fussballspiel ähnlich lange dauerten, über deren Qualität ich nichts zu sagen vermag, so wurde doch hier echte Kunst gemacht, und diese wurde auf äusserst unterhaltsame Art und Weise präsentiert. Mehr kann man von einem Blues-Konzert nicht erwarten.

Zum Schluss, und völlig unabhängig von diesen wundervollen Konzert, noch ein Informationsschnipsel: Schlagzeuger  Wes Little kann für sich reklamieren, bereits Sting, Stevie Wonder, Faith Hill, Mary J. Blige und Beyonce begleitet zu haben — alle an einem Abend. Er spielte in der Band, die am Ball für den neu vereidigten US-Präsidenten Obama 2009 Musik machte.

 
Robben Ford Gitarre, Gesang
Johnny Henderson Orgel
Brian Allen Bass
Wes Little Schlagzeug

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