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Für die dritte Nacht des Bluesfestival Basel wurden Coffee n Cigarettes, eine deutsche Band und Watermelon Slim & The Workers angekündigt. Letzterer war 2008 für sechs Awards nominiert und hatte zwei gewonnen: Best Blues Album of The Year und Best Band of The Year. Wenige Musiker haben das bisher geschafft. Trotzdem ist er hierzulande nicht bekannt. Noch nicht, kann man sagen. Der Abend versprach also ein weiteres Glanzlicht des Festivals. Erstaunlich deshalb, dass der Saal des Volkshauses nicht brechend voll war, sondern eher mässig besucht. Selber schuld! Wer sich Watermelon Slim nicht gönnen wollte, hat einen grossartigen und begeisternden Auftritt verpasst. Und wer ihn erlebt hat, wird das kaum wieder je vergessen.

Coffee n Cigarettes

CoffeCigarettesBBF2009.jpgDie Band um Charly Mueller (voc, g) mit Elmar Sammer (g, voc), Albin Häring (b), Joe Vaterl (d) und Hannes Stadler (kb) eröffnete den Abend. Jeder der Musiker dieser Band hat seine eigenen Erfahrungen, zum Teil mit illustren Künstlern, so der Drummer, der acht Jahre mit Supertramp Gitarristen und Songwriter Richard Palmer-James zusammen gearbeitet hatte und der Bassist, der unter anderem bei Jill Morris und        Greg Barrett Memphis Heat gespielt hatte. Zusammen bringen sie 130 Jahre getrennte Banderfahrung auf die Bühne, so wurden sie angekündigt. Tatsächlich war ihr Set eine ausgewogene Mischung durch diverse Spielarten des Blues, Rock und Country/Folk. Keyboarder Hannes Stadler packte die Handharmonika aus und brachte Cajounklänge in eine Version des Browneyed Handsome Man und blieb bei der Handharmonika auch in einer schönen Version von David Lindleys Brother John. Elmar Sammer ist ein erstklassiger Gitarrist und mit Albin Häring und Joe Vaterl hat die Band eine zuverlässige und vielseitige Rhythmusgruppe.  Alles in allem versierte und sichere Musiker, die ihr Handwerk verstehen. Trotzdem dauerte es bis etwa zum zehnten Stück, eben diesem Brother John, bis das Publikum mehr als höflichen Beifall spendete und etwas auftaute. Irgendwie wollte die Stimmung sowohl beim Publikum als auch bei der Band nicht richtig auftauen. Dies änderte sich, als nach einer hübschen Version von Lay Down Sally Heinz Flückiger als Gast zur Band stiess und mit dem aus dem Easy Rider Soundtrack bekannten Ohrwurm Don't bogart that joint, my friend den Funken zum überspringen brachte. Heinz Flückiger zeigte, dass er nicht nur ein guter Countrymusiker ist, sondern auch vom Blues etwas versteht. Das Publikum reagierte und auch die Band wirkte plötzlich wie verwandelt.  Nach dem nächsten Stück, Train, Train war aber das Set zu Ende und es gab den Delmore Brothers Klassiker Blues Stay Away From Me als Zugabe.

Watermelon Slim & The Workers

WatermelonSlimBBF2009.jpgGerade von einer Tour durch Skandinavien zurück und vor einer Tour nach Australien, konnte Watermelon Slim für das Festival gewonnen werden. Gewonnen ist dabei wörtlich zu verstehen, denn der Vertreter des Mississippi Delta Stils lieferte ein atemberaubendes Konzert ab. Bill Homans, wie sein richtiger Name lautet, hat eine bewegte Biographie. Er hat einen Abschluss in Journalismus und Geschichte, ist Vietnam Veteran und als Folge davon ein glühender Kriegsgegner. Er kehrte als Kriegsversehrter zurück und brachte sich im Spital das Gitarrenspiel bei. Er hat unter anderem als Trucker gearbeitet, als Gabelstaplerfahrer und verlor in einer Sägerei einen Teil eines Fingers. Er hat sich als Melonenfarmer versucht, woher auch sein Spitzname stammt. Ein Leben mit Ecken und Kanten, das bestimmt nicht einfach war.  Eine Vita also wie aus dem Bilderbuch für einen Bluesman.

Er spielt Slide auf seiner Dobro, die er im lap style benutzt und singt und spielt dazu die Harp. Dabei gibt es kaum eine Sekunde, in der er nicht mit dem Publikum Kontakt hat, wie ein Derwisch fegt er über die Bühne, ein Bündel an musikalischer Kraft, unterhaltend, witzig, manchmal fast clownesk und vollkommen unprätentiös, bar jeden Glamours . Das soll aber nicht heissen, dass sein Schwerpunkt auf der Unterhaltung liegt, eindeutig steht die Musik im Vordergrund - und was für welche. Er spielt sowohl Titel aus dem Repertoire der Klassiker, als auch eigene Songs. Dabei schafft er es, den erdigen und ursprünglichen Delta Stil von seiner besten Seite zu zeigen und ihn mit einer Intensität vorzutragen, dass einem die Luft weg bleibt. Gleichzeitig klingt das alles in keiner Weise angestaubt, wie man beim Attribut „Authentischer Mississippi - Delta Blues" vielleicht vermuten könnte, sondern frisch und lebendig.

Seine Band bestehend aus: Ronnie „Mack" McMullen Jr (g, voc), Cliff Belcher (b) und Michael Newberry (dr, per, voc) ist die ideale Ergänzung zu seinem Spiel, jeder ein Könner auf seinem Instrument.

Fast zwei Stunden dauerte das Set und brachte die Leute am Schluss zum tanzen. Er brachte es auf etwa 15 Titel und jeder einzelne war ein Genuss. Einige Titel sind auf seiner neusten CD The Wheel Man zu finden. Wer es versäumt hat, das Konzert zu besuchen, kann sich damit einen Eindruck über Watermelon Slim & The Workers verschaffen. Die CD wird bestimmt nicht verstauben, auch wenn seine Livequalitäten natürlich nur auf der Bühne zu erleben sind.

Alles in allem ein unvergessliches Highlight des Festivals: Bluespower pur!

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