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Konzertbericht und Interview mit Patrick Kaiser

Ich erlebte ihn zum ersten Mal am Piazza Blues in Bellinzona und wusste, dies ist der Mann, den ich für das erste BluesNow Konzert gewinnen möchte. Mit diesen Worten übergab Patrick Kaiser die Bühne an Sherman Robertson und Blues Move, der englischen Gruppe, die aus der Mick Pini Band hervorging und mit der Sherman Robertson seit geraumer Zeit durch Europa tourt und hier mit folgendem Lineup auftrat: Gitarre und Gesang: Sherman Robertson, Keyboard: Julian Keith Grudgings, Bass: Gary Mark Rackham und Schlagzeug: James Robert Little.

Damit wurde die neue Konzertreihe im ausverkauften Sudhaus in Basel eröffnet. Es war ohne Zweifel ein fulminanter Start. Das Konzept ist gut: kein Brimborium, keine Vorgruppe, ganz einfach ein Konzert, das man besucht, um einen bestimmten Künstler zu geniessen, so wie das bei anderer Musik auch möglich ist. Dies zu einem vernünftigen Preis in einem angenehmen Ambiente.

Der 1948 in Breaux Bridge, Louisiana geborene Sherman Robertson trat nicht zum ersten Mal in der Schweiz auf. Zuletzt konnte man ihn am Piazza Blues Festival in Bellinzona und in der Chollerhalle in Zug erleben.

Allenthalben als Nachfolger von Albert Collins bezeichnet, hat er wie dieser eine begeisternde Bühnenpräsenz, die jedes Publikum mitreisst. Auch das Basler Publikum konnte sich seinem Charme nicht entziehen. Er präsentiert auch wie Collins seine Songs als Geschichte, allerdings singend und nicht im Plauderton. Sein Gesang ist elektrisierend, einschmeichelnd und kraftvoll – ohne Zweifel eine der grossen Stimmen des modernen Blues. Was sein Gitarrenspiel angeht, würde ich ihn jedoch eher mit Buddy Guy oder Robert Cray vergleichen. Wie treffend und gleichzeitig überflüssig auch immer diese Art von Vergleichen sein mögen, er schöpft aus einem schier unendlichen Vorrat an Licks und überzeugt mit langen, aber nie langweiligen Soli. Wie Buddy Guy mag er auch die Ausflüge ins Publikum, was für meinen Geschmack zwar amüsant ist, jedoch immer auch etwas merkwürdig, weil optischer Eindruck und Sound nicht mehr zueinander passen.

Ihn als Texasblueser zu bezeichnen, greift zu kurz. Seine Musik bietet funkige Stücke, Blues aus den Sümpfen Louisianas, klassischen R&B genauso gut wie harten texanischen Bluesrock. Die ganze Fülle südlicher Bluestradition ist wunderbar miteinander verwoben und brillant dargeboten. Seine soulige Stimme bringt die Gefühle seiner Musik direkt unter die Haut. Es gibt ein schönes Wort dafür: authentisch.

Das Konzert bestand aus zwei Sets, das erste dauerte rund fünfzig Minuten. Zunächst war das Publikum eher verhalten, taute dann aber zusehends auf und spätestens nach der Pause, als er das zweite Set mit zwei funkigen Stücken begann, hatte Robertson die Menge vollends in der Tasche. Es gab unter anderem Victim of Circumstance, seine ganz eigene Version von Tin Pan Alley, Long Way From Home, Ain’t No Sunshine, Dust My Broom und I Don’t Want No Woman.

Ein wirklich würdiger Start der neune Konzertserie, der Appetit auf mehr macht.

Wir fragten Patrick Kaiser nach seinem Eindruck:

Bluesnews: Das erste Blues Now Konzert fand gestern Abend statt und es war ausverkauft. Bist Du zufrieden mit dem Start?

Patrick Kaiser: Ja, wir sind sehr zufrieden. Wir von Blues Now! haben rund anderthalb Jahre an diesem Projekt gearbeitet. Die Begeisterung der Besucherinnen und Besucher hat uns mehr als entschädigt dafür. Der Start war ja fulminant und legt die Messlatte sehr hoch.

BN: Es waren etwa gut ein Drittel der Plätze waren reserviert. Heisst das, es gibt eine stattliche Anzahl bereits verkaufter Jahreskarten?

PK: Wir können die Konzertreihe nur dank Sponsoren und Gönnern finanzieren. Rund 1/5 des Budgets stammt von den Konzerteinnahmen. Wir haben schon sehr viele Jahreskarten verkaufen können und erhalten täglich neue Bestellungen. Es empfiehlt sich, eine Jahreskarte zu kaufen, um einen gesicherte Plätze zu haben.

BN: Sherman Robertson war erklärtermassen Dein Wunschmusiker für die Eröffnung der Konzertreihe. Hat er Deine Erwartungen erfüllt?

PK: Sherman war grossartig. Wir waren zwei Tage mit ihm und der Band zusammen. Ein sehr liebenswürdiger und überlegter Mensch. Und ein Vollblut-Musiker. Ein unglaublicher Entertainer und natürlich verkörpert er mit seiner Leidenschaft den Texas-Blues wie kein zweiter. Sherman hat das Konzert auch sehr genossen und war sehr angetan vom Ort, dem Publikum und der Organisation.

BN: Das Publikum war nach meinem Empfinden eher zurückhaltend und taute erst im zweiten Set etwas auf, obwohl Robertson zweifellos das Talent hat, seine Zuhörer mitzureissen. Woran liegt das?

PK: Ach, wir Schweizer sind halt wohl – grosso modo – eher zurückhaltend. Ich denke aber, dass im zweiten Set der Funke gesprungen ist. Am Schluss haben ja alle im Saal getanzt, geschrieen und ihrer Freude Ausdruck verleit.

BN: Die Besucher waren überwiegend älter, wie das bei Blueskonzerten oft der Fall ist. Wie will Blues Now auch ein jüngeres Publikum gewinnen?

PK: Jazz und Blues wird je länger desto mehr auch wieder von jüngeren Menschen entdeckt. Ich bin überzeugt, dass auch bereits Junge hohe Qualität und Authenzität beurteilen und schätzen können. Und sich dies herumsprechen wird. Auch die Eltern werden vielleicht ihren Kindern davon erzählen. Zudem werden wir auch jüngere Musiker in diesem Jahr noch präsentieren. So zum Beispiel den englischen Bluesmusiker Matt Schofield, der einer der ‚rising stars’ im internationalen Blues ist.

BN: Zweifellos war Deine Vision richtig, Blueskonzerte in Basel als selbstverständlichen Teil des kulturellen Lebens zu etablieren. Siehst Du optimistisch in die Zukunft von Blues Now?

PK: Wenn wir nicht optimistisch wären, hätten wir nie damit begonnen. Die Reaktionen zeigen, dass wir mit Fug und Recht optimistisch sein dürfen.

 

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