Blues im Madlen
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Musikfestivals haben Konjunktur und das ist gut. Schliesslich freuen wir uns alle, wenn wir tolle Musik von guten Musikern geniessen können. Soweit es internationale Künstler sind, ist es für manchen sogar die einzige Möglichkeit, diese live zu erleben. Ist das Festival vor der Haustür – umso besser. Dass darunter auch jede Menge Bluesfestivals sind, freut uns als Bluesliebhaber besonders. So gibt es mittlerweile hierzulande etwa zehn Anlässe, die sich als Bluesfestival bezeichnen.

Es gilt allerdings aufzupassen: nicht überall, wo Blues drauf steht, ist auch Blues drin. Nicht jeder Musiker, der auch einen Blues spielen kann, ist dadurch auch gleich ein Bluesmusiker und mag er noch so bekannt sein. Warum deshalb an manchen Bluesfestivals Künstler engagiert werden, die zwar ihre Meriten durchaus erworben haben, jedoch auch bei grosszügiger Auslegung mit Blues wenig am Hut haben, ist schleierhaft. Das führt dann zu Umschreibungen wie: «Sie lassen sich auch von Stilgrenzen nicht abschrecken» oder ähnlichem. Eines der Bluesfestivals, das diesen Namen mit Sicherheit verdient, ist der Geneva Blues Summit , der dieses Jahr zum fünften und, wenn wir Pech haben, letzten Mal über die Bühne ging. Wir berichten über die Umstände des Festivals und natürlich auch über die Musik. Die entsprechenden Konzertbesprechungen folgen bald an dieser Stelle. Ausserdem haben wir Laurent Gilliéron, den Veranstalter zum Festival interviewt

Das von Laurent Gilliéron ins Leben gerufene Festival kann sich mit Recht als wirkliches Bluesfestival bezeichnen. In jeder Ausgabe ist es Laurent gelungen, mit einem begeisternden Lineup erstklassige Bluesmusiker nach Genf zu holen, davon auch manche, die als so genannter Geheimtip gehandelt werden, sprich Musiker, welche den zeitgenössischen Blues und vor allem die Zukunft des Blues repräsentieren. Dem Bluesliebhaber wird damit die Möglichkeit gegeben zu erfahren, welche Trends im Blues aktuell sind. Darum geht es doch letzten Endes bei Festivals.

Dave Specter, Junior Watson, Darrell Nulisch, Lurrie Bell, Sugar Ray, Steve Freund, um einige internationale Namen zu nennen, waren in den vergangenen Ausgaben dabei und auch in der fünften Ausgabe konnten mit Mike Morgan & The Crawl feat. Lee McBee, der JW Jones Blues Band, Raphael Wressnig & Alex Schultz Sweet Grooves und Rick Estrin & The Night Cats wieder internationale Topleute engagiert werden. Auch der einheimischen Blues wurde mit den  Acoustic Blues Driftern, The Blue Cats, Marco Marchi & The Mojo Workers, Bluecerne und der Backstroke Bluesband gebührend berücksichtigt.

Umso unverständlicher ist es, dass der Geneva Blues Summit von Anfang an damit zu kämpfen hatte, genügend Besucher nach Genf zu bringen. Auch in der aktuellen Ausgabe war das nicht anders. Dabei sind die Preise mit unter CHF 50 pro Abend bzw. CHF 120 für das gesamte Programm bescheiden, da Ambiente angenehm und der Sound erstklassig. Ausserdem gab es einen Workshop, in dem interessierte Gitarristen sich vom Können eines der besten Gitarristen, J.W. Jones in entspannter Atmosphäre ein Scheibchen abschneiden konnten.

Interview mit Laurent Gilliéron

Bluesnews: Der fünfte Blues Summit ist nun Geschichte. Das Lineup war auf hohem Niveau. Bist Du musikalisch zufrieden mit dem Festival?

Laurent Gilliéron:  Ja, total zufrieden. Die Schweizer Bands waren Spitze und die Stars gaben ihr Bestes trotz dem geringen Publikum. Mike Morgan, JW Jones, Wressnig/Schultz and Rick Estrin spielten fantastische Konzerte. Diese Musiker gehören nicht nur zu den besten in der Blueswelt, sondern sind auch grossartige Menschen, freundlich, bescheiden und sie respektieren einander, die Leute und die Organisatoren. Der Jam zum Schluss des Festivals mit Rick Estrin, JW Jones, Alex Schultz, Raphael Wressnig, Kid Andersen and the Nightcats war ein Traum für jeden Blues Fan!

BN: Zweifellos war die Besucherzahl enttäuschend gering. Das lag weder an der Auswahl der Musiker noch an ihren Auftritten. In der Agglomeration Genf leben weit über eine halbe Million Menschen und es sollte möglich sein, eine zufriedenstellende Menge Besucher zu haben. Woran liegt es nach Deiner Meinung, dass das Festival so schlecht besucht war?

LG: Schwierige Frage. Es ist nicht einfach, die Leute in Genf zu bewegen. In vielen Fällen gehen die Menschen dahin, wo man gesehen werden will. Dann leiden wir natürlich an einem geringen Budget, das uns keine grosse Werbung erlaubt und wir sind in den Medien nicht zu sehen. Wie ich in meinem Schlusswort am Sonntag sagte, hatten wir während zehn Anlässen der Spitzenklasse keinen einzigen Journalisten hier gesehen. Ein anderer Punkt ist mangelnde Kenntnis. Die meisten so genannten Bluesfans kennen nur Gary Moore, Poppa Chubby, oder Joe Bonamassa, die für den Blues das sind, was André Rieu für die klassische Musik ist. Wenn Du also jemanden wir like Rick Estrin & The Nightcats ankündigst, haben sie keine Ahnung, wer das ist, sind aber nicht neugierig genug, sie sich einfach mal anzuhören. Das ist heute eines der grossen Probleme in der Musik: Jeder noch so untalentierte Sänger, den die Fernsehshows präsentieren, wird mit Attributen wie: grossartig, gewaltig,  fantastisch und so weiter vorgestellt. Wenn ich sage, die Künstler, die wir verpflichtet haben, sind wirklich herausragend, bedeutet es den Leuten nichts. Es ist sehr frustrierend, wenn Menschen am Schluss der Veranstaltung zu Dir kommen, Dir danken und mit strahlenden Augen gestehen, noch nie so unglaubliche Musiker erlebt zu haben. . . und das Resultat ist ein finanzielles Desaster.

BN:  In Deinem Schlusswort hast Du angekündigt, das Festival nicht mehr weiter führen zu können. Wenn man die sich Qualität der bisherigen fünf Festivals vor Augen führt, wäre dies ein Verlust für die Schweizer Bluesszene. Was könnte Dich umstimmen?

LG: Tja, wenn wir keinen potenten Sponsor finden, der uns ein anständiges Budget ermöglicht, können wir nicht auf diese Weise weitermachen, unser persönliches Geld zu verlieren.

BN: Mir scheint, die Bluesszene in der deutschen und französischen Schweiz sind ein wenig voneinander isoliert. Ist das auch Dein Eindruck?

LG: Unbedingt. Blues (oder Roots Music) ist in der deutschen und in italienischen Schweizweit mehr geschätzt. Wir haben die zwei Weltklassefestivals in Luzern und Bellinzona, beide KBA Preisgewinner, aber es gibt viele kleinere Festivals mit guten Erfolgen in Basel, Baden, Gossau, Rapperswil, Vallemaggia, etc. In der Romandie geht das schlicht nicht. Einige Leute versuchen es in Crissier und Sierre. Ich wünsche ihnen alles Gute und hoffe, sie werden Erfolg haben.

BN:  Was müsste geschehen, um das zu ändern und schliesslich eine Schweizer Blues Gemeinschaft zu erreichen, die das ganze Land einschliesst?

LG: Ich denke, Eure Website ist ein toller Start dafür. Vielleicht müsstest Du die Idee lancieren, eine Schweizer Blueskonferenz ins Leben zu rufen, die den Festivalorganisatoren ermöglicht, ihre Ideen auszutauschen und den Blues im ganzen Land zu fördern.

BN: Nehmen wir an, Du würdest trotzdem weitermachen können, wen würdest Du gerne auf der Bühne sehen?

LG: Der grösste Traum wäre Ronnie Earl, aber leider er tourt seit einigen Jahren nicht mehr. Wir hatten dreimal versucht, Anson Funderburgh zu buchen, was aus verschiedenen Gründen nie gelang. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich die meisten meiner Wunschmusiker nach Genf holen konnte: Dave Specter, Steve Freund, John Németh, Junior Watson, Darrell Nulisch, Johnny Moeller, Monster Mike Welch, Lurrie Bell, Sugar Ray, Tad Robinson, Alex Schultz, Mike Morgan, JW Jones, Rick Estrin, Kid Andersen, Raphael Wressnig, Norbert Schneider. Nicht zu vergessen, all die tollen Musiker, die sie begleitet haben, das bewundere ich am genauso. Auf meiner Wunschliste stehen, abgesehen von Ronnie und Anson, noch viele Favoriten: Duke Robillard, Mighty Sam McCLain, Lou Pride, Curtis Salgado, Smokin' Joe Kubek, Sean Carney, Mark Hummel, Sharon Lewis, Eli "Paperboy" Reed, Jackie Payne, Johnnie Bassett, eben – so viele. Ganz zu schweigen von Legenden wie BB King, und die Chicago Grössen wie Pinetop Perkins, Hubert Sumlin, James Cotton und so weiter, aber dazu braucht es ein wirklich grosses Festival.

BN: Ich möchte Dich unseren Lesern ein wenig vorstellen. Wer ist Laurent Gilliéron?

LG: Tja. . . ich bin ein Bluesliebhaber seit 1980, als ich den Film Blues Brothers sah. Ich mochte die Musik so sehr, dass ich mir den Film achtmal ansah. Danach suchte ich Aufnahmen von Sam & Dave, Wilson Pickett. . . Stax Records . . . und kaufte meine erste Blues LP: Albert King “Live Wire/Blues Power”. Das war’s, ich hatte die Musik gefunden, die mein Herz und meine Seele erreicht. Ich liebe auch alle andere schwarze Musik, die aus dem Blues hervorgegangen ist: Jazz, Soul, R&B. Mit 27, nach viel Sport, begann ich Gitarre zu spielen. Ich bin ein Laie, aber ich habe Spass daran. Ich betrieb auch in den frühen 90ern einen Plattenladen „Nothin but The Blues“ und hatte eine Bluesradioshow in einem Lokalradio. Ich liebe diese Musik.

BN: Wer sind Deine bevorzugten Bluesmusiker?

LG: Schwierige Frage, es sind so viele. Wenn ich nur einen nennen könnte, wäre es T-Bone Walker. Müsste ich alle Musiker von Louis Jordan bis Albert Collins auflisten, es würde diese Website sprengen. Im zeitgenössischen Blues ist es einfach: Nimm die Liste der Bands, die für den Geneva Blues Summit gebucht worden sind.

BN:  Welche drei Titel sind die ersten auf Deinem MP3 Spieler?

LG: "Clean getaway" von Curtis Salgado, "Jumping the bone" von Duke Robillard und "Master of the game" von Jackie Payne & Steve Edmonson Band.

BN: Laurent, vielen Dank für das Interview.

 

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