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Backstroke Blues Band, Raphael Wressnig und Rick Estrin begeistern

Der dritte und letzte Abend des Festivals begann mit einem Auftritt der Backstroke Blues Band, der Laurent Gilliéron Gelegenheit gab, selbst in die Saiten zu greifen. Trotz offensichtlichem Unwohlsein liess er es sich nehmen, aufzutreten. Die Backstroke Bluesband besteht aus:   Valérie "Snow White" Biselx (Gesang), Laurent "Hat-Trick" Gilliéron (Gitarre), Patrick "Mr. Groove" Pégaitaz (Bass) und Jean-Christian "Boom Boom" Barben (Schlagzeug). Die Band ist seit 1996 unterwegs und eine bekannte und beliebte Formation in der Calvinstadt und darüber hinaus. Sie leitet ihren Namen von einem Albert Collins Song ab und gibt Einflüsse unter anderem von Anson Funderburgh, Ronnie Earl, Duke Robillard, Little Charlie & The Nightcats, Smokin' Joe Kubek, T-Bone Walker, Darrell Nulisch und Dave Specter an.

Die quirlige Sängerin Valérie "Snow White" Biselx ist auch mit der Rockband «lenox» unterwegs und hat auch bei der Damenrockband «Les Horribles Cernettes» mitgemacht, jener Band, die für sich in Anspruch nimmt, die erste Band zu sein, die je eine Website veröffentlicht hat (1992). Immerhin wurde das WWW ja im Cern erfunden und info.cern.ch der erste Webserver der Welt. Hier zeigte sie sich natürlich von ihrer bluesigsten Seite. Sie ist eine talentierte Sängerin mit einem charmanten Wesen und einer einnehmenden Bühnenpräsenz, eine ideale Frontfrau.

Laurent "Hat-Trick" Gilliéron ist Gründer der Geneva Blues Society und hat das Festival fünfmal auf die Beine gestellt und dabei jedes mal ein hochkarätiges Lineup nach Genf geholt. An diesem Abend war er, wie eingangs erwähnt, angeschlagen und brauchte gut und gerne einen Song lang, bevor er zu seiner Form fand.

Patrick "Mr. Groove" Pégaitaz bildet mit Serge Michaud zusammen eine der beiden Rhythmussections der Bluecats. Zusammen mit Serge Sidi Michaud und Yves Staubitz bildeten 1993 sie die Gruppe Fullsteps.

Die Band eröffnete mit Slim Harpos Ti-Na-Ni-Na-Nu und  legte dann ein gut einstündiges, sauberes Set hin.  Zum letzen Song  I'll take you back gab es einen Minijam und Raphael  Wressnig  legte den Hammond Sound dazu.

Backstroke Bluesband auf Audiostroke und Soundclick

RAPHAEL WRESSNIG & ALEX SCHULTZ SWEET GROOVES

Hammondspieler haben es nicht einfach. Ihr Instrument ist gross, schwer und empfindlich. In der Nacht noch transportierten Raphael Wressnig seine Hammond B3 im Bus nach Genf, um rechtzeitig zum Auftritt da zu sein.  Das mag auch der Grund dafür sein, dass Hammondspieler im allgemeinen und  Gute im besonderen selten sind.  Raphael ist zurzeit ohne Zweifel einer der besten zeitgenössischen Hammondorganisten.

Der 31 jährige Steiermarker ist ein Spieler, der zwischen Jazz und Blues in vielen Stilarten zuhause ist. Er hat seinen eigenen Stil gefunden, den er aus seinen Vorbildern entwickelt hat.  Zusammen mit Georg Jantscher (Gitarre) und Lukas Knöpfler (Schlagzeug) bildet er Raphael Wressnigs Organic Trio, ein Projekt, das Soul Jazz spielt. R&B Explosion heisst ein weiteres Projekt mit Sax Gordon (Gesang, Saxophon), Alex Schultz (Gitarre) und Lukas Knöpfler (Schlagzeug). Mit Enrico Crivellaro und Lukas Knöpfler zusammen spielt er Blues und Soul Jazz. Alex Schultz und Lukas Knöpfler war das Lineup für Sweet Groove am Blues Summit.

Der 56 jährige New Yorker Alex Schultz hat zu Beginn seiner Karriere mit Hank Ballard gespielt und ist mit Jerry Lee Lewis und Albert Collins aufgetreten. 1988 bis 1995 war er Mitglied von Rod Piazza & the Mighty Flyers, die er verliess, um eigene Projekte zu verfolgen. Als beliebter Sessionmusiker hat er in jüngerer Zeit unter anderem mit Tad Robinson, Frank Goldwasser, Enrico Crivallero zusammen gearbeitet, sowie mit William Clarke das Album «Blowin' Like Hell», welches 1991 einen W.C. Handy Award (Heute: Blues Music Award) gewann. Alex Schultz’s Gitarrenspiel ist vor allem durch einen unglaublich klaren Klang gekennzeichnet und seine Improvisationen perlen mit einer Leichtigkeit dahin. Er spielt mit Understatement, gern etwas jazzy, immer interessant, oft überraschend.

Im Gegensatz zu Wressnig, der sich als Autodidakten bezeichnet, hat Lukas Knöpfler eine Musikhochschule-Ausbildung und hat in zahlreichen anderen Projekten auch weltweite Erfahrung gesammelt. Er scheint seinen Schwerpunkt im Jazz zu haben, ist aber vielseitig genug, um auch in Blues und Rockformationen mitzumischen.

Das Trio begann sein Set mit Turtle Walk, einem luftigen, jazzigen Blues. Mit T-Bone jumps again ging es dann bluesiger weiter und gipfelte erst mal mit dem funkigen It’s Your Thing von den Isley Brothers. Hier zeigte Raphael seine Qualitäten als Showman, als er wie weiland Amadeus im gleichnamigen Film demonstrierte, wie sehr er sein Instrument beherrscht indem er seine B3 von der anderen Seite her spielte, oder auch auf sie draufstand und seine Füsse benutzte. Das dreitönige Motiv des Songs ist banal wie der Bolero und daraus baute das Trio nun ein neunminütiges Feuerwerk. Ganz behutsam wird  der Song erhitzt bis er schliesslich siedet, grossartig!

Weiter bemerkenswerte Titel waren die herrliche Hommage an Jimmy McGriff, den Song Jimmy McGroove. (Aus der CD Don't Be Afraid To Groove), bei der sich auch der Schlagzeuger ins Licht wagte und ein anspruchsvolles Solo ablieferte. Die Wressnig Komposition zeigt Alex Schultz in Bestform und Spiellaune.

As, einer der zahlreichen Hits Stevie Wonders begann etwas  zuckrig, kriegte aber dann durch eine wilde Hammond und den funky Beat doch noch Biss. Jimmy McGroove, Alan Hawkshaws Beat Me Till I'm Blue ist dann nochmal sehr jazzig.

Website: www.raphaelwressnig.com
MySpace: www.myspace.com/raphaelwressnig

RICK ESTRIN & THE NIGHTCATS

Dass Schlussbouquet begann mit einer traurigen Szene, als Laurent Gilliéron bekannt gab, keine weiteren Blues Summits mehr veranstalten zu können. Zu schräg sei das Verhältnis des in allen Ausgaben des Festivals gehaltenen, hohen Niveaus des Lineups zur spärlichen Besucherzahl und zu gering die Unterstützung. Traurig und schade!

The Show Must Go On und so traten Rick Estrin & The Nightcats auf die Bühne. Rick Estrin, lange Zeit Frontman der Little Charlie & The Nightcats, die er  1976 zusammen mit Charlie Baty gegründet hatte und die nun, nachdem Charlie das Touren an den Nagel gehängt hat, Rick Estrin & The Nightcats heisst. Durch die Präsenz Rick Estrins wurde er sowieso oft für Charlie gehalten. Schon äusserlich ein Showman – sharp dressed, Tolle und Menjou Bärtchen - ist er eine auffallende Erscheinung. Die Leute wollen nicht jemanden sehen, der aussieht, wie sie selbst. Sie wollen etwas Besonderes sehen und das kriegen sie von mir. (Rick Estrin)

Tatsächlich ist er nicht nur ein grossartiger Musiker, sondern ein einehmender Showman, der sofort Kontakt zum Publikum findet.  Er ist witzig und weiss zu unterhalten, pflegt aber auch ganz ernsthaft zu plaudern. Irgendwann kam zum Beispiel der schöne Satz:  The blues is true – for somebody – at any given time.

Er hat auch viele Titel geschrieben, einige davon für Kollegen/Innen. Drei seiner Songs fanden den Weg auf Grammy nominierte Alben: Don't Put Your Hands On Me (Koko Taylor), I'm Just Lucky That Way (Robert Cray), Homely Girl (John Hammond) Er trägt die Songs, in denen er eine ganze Geschichte erzählt, in der Art Cab Calloways vor, ohne dass er diesen imitiert und führt damit eine Tradition fort, die nahezu verloren gegangen ist.

Chris «Kid» Andersen, ein mächtiger, nordischer Mann ergänzt den Wunsch, Show zu bieten, aufs Beste. Augenzwinkernd imitiert er die gängigen Shows mit überzeichneten Schritten und hebt dabei seine langen Beine bis über den Kopf, etwa wie John Cleese in seinem Sketch über den Silly Walk. Der 30 jährige Norweger lebt seit 10 Jahren in Kalifornien und veröffentlichte mehere Soloalben (u.a. Greaseland und Rock Awhile), bevor er 2004 in die Charlie Musselwhite Band eintrat, wo er spielte, bis er zu den Nightcats wechselte.

Der 1972 geborene Jay Hansen ist nicht etwa ein Landsmann Andersons, wie man vermuten könnte, sondern stammt aus Illinois und spielet lange Zeit mit der Swing Band Steve Lucky and the Rhumba Bums, wo er auch den 34 jährigen Lorenzo Farrell kennen lernte, der erst klassisches Piano, später Gitarre spielte und schliesslich zum Stehbass fand. Er traf 2003 Anderson wieder und spielt seither bei den Nightcats.

Schon die erste Nummer hatte Biss, Handle With Care, ein fetziger Jump Blues. Es reihten sich Song an Song, jeder einzelne ein Genuss. Rick Estrin kann dabei auf ein riesiges Oeuvre, natürlich auch aus seiner Zeit mit Charlie Baty zurückgreifen. Big Time war der zweite, ein druckvoller, rockigerer Song gefolgt vom herrlichen, verschleppten Clothes Line.

Im Weiteren gab es My Next Ex-Wife, mit dem er 1993 einen Blues Music Award holte, Dump That Jump und Never Trust a Woman mit Raphael Wressnig.

Schliesslich gipfelte der Abend in einer Jam Session, als Rick Estrin die Bühne Alex Schultz und JW Jones, sowie Raphael Wressnig überliess um sich ein Päuschen zu gönnen, nach dem ersten Stück stiess er dann wieder dazu. Zeitweise übernahm Kid Andersen den Bass. Es war ein Höhepunkt, wie man es sich wünscht. Eine Bühne voller Spitzenmusiker, die sich gegenseitig inspirierten, keine Egoprobleme, nichts als wunderbaren Blues, gute Laune. Alleine dieser Jam hätte den Besuch des Blues Summit gerechtfertigt.

Wer Rick Estrin erleben möchte kann dies am Piazza Blues 2010 nachholen.

So endete das Festival mit einem Zwiespalt:  Einem Feuerwerk an guter Laune und toller Musik neben der traurigen Nachricht des Veranstalters. Blues halt!

Website: www.rickestrin.com
MySpace: www.myspace.com/rickestrin

 

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