Bluesfestival Sierre 2015
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Eindrücke des ersten Abends

Das Bluesfestival Sierre ging dieses Jahr in die zweite Runde. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Das Team um Silvio Caldelari und Dany Giromini hat zusammen mit der künstlerischen Beratung Fritz Jakobers ein musikalisch überzeugendes Festival auf die Beine gestellt.  Neben bekannten Grössen wurden auch weniger bekannte Gruppen präsentiert, deren Entdeckung alleine eine Reise ins Wallis rechtfertigten.

Das Konzept: Das Festgelände auf der Plaine Bellevue hatte zwei Bühnen: Die Grande Scene mit imposantem Bergpanorama in der Ferne und Weinbergen in der Nähe, die in Erinnerung rufen, dass Sierre im grössten Weingebiet der Schweiz liegt. In der Umbaupause gab es auf der gegenüber gelegenen Scene du village mit dem Hôtel de ville im Hintergrund, das in der Nacht mit seinen blau beleuchteten Turmdächern wie ein Märchenschloss wirkte. Die Abgrenzung der Bluesarena war von Birken umgeben. Kurz: eine herrliche Kulisse. Etwas von der Bühne zurückgezogen Tische und Bänke nebst dazu gehörendem Angebot an Gastronomie.

Die Abendshow begann jeweils um 19.00h, es gab mehrere Shows pro Abend. Daneben gab es tagsüber an neun Spielorten verstreut eigentlich den ganzen Tag durch Auftritte, teilweise auch mit Bands der Abendshow. Die Idee Sierre drei Tage lang in Blues einzutauchen, war durchaus erfolgreich, ein Hauch von Beale Street lag zeitweise über der Avenue du Général Guisan. Es beinhaltet aber auch die Gefahr, dass Besucher sich Bands im Bistro kostenlos anhören und dann als Zuschauer für das Abendspektakel ausfallen.

Die Umbaupause wurde jeweils dazu zu benutzt, auf einer kleineren Bühne Bands die Gelegenheit zu einem Auftritt zu verschaffen und so die Musik nicht zu unterbrechen. Diese Aufgabe übernahmen die Mountain Men, so hiessen die Trapper und Pelzhändler, die durch die Rocky Mountains streiften und so nennt sich das französische Duo aus Mr. Mat und dem in Frankreich lebenden Australier Barefoot Iano, die akustischen Rootsblues machen, The Z-Bros, einer Band aus dem Wallis, Blue Mojo, einer mir unbekannten Schweizer Band, sowie Rod Barthet, dem bereits arrivierten französischen Gitarristen und Sänger, den ich eher als Pop Sänger bezeichnen würde.

Die Retro Band Davina & The Vagabonds hatte die Aufgabe, das Festival zu eröffnen, immer Ehre und Bürde zugleich. Ein guter Einfall der Regie, diese Band zuerst zu spielen. Sie weicht etwas vom Üblichen ab und erregte damit Aufmerksamkeit. Die Gruppe aus den Twin Cities Minneapolis-Saint Paul besteht aus Davina Sowers (Piano, Gesang); Michael Carvale (Bass, Gesang); Zack Lozier (Trompete, Gesang); Darren Sterud (Posaune, Gesang) und Richard Medek (Schlagzeug). Die für eine Bluesband etwas ungewöhnliche Instrumentierung klingt nach New Orleans Blues/Jazz. Davinas Stimme ist erstaunlich, mal fein und zerbrechlich, dann wieder kräftig aus ihrem tiefsten Innern. Als Ganzes bringt die Band Melodien einer vergangenen Zeit auf die Bühne, die auf eigentümliche Weise funky klingen.

Eine Band mit 2 Linkshändern? Eine weibliche Bassistin? 2009 Gewinner als beste Band des Pitch Music Awards? Gewinner der International Blues Challenge 2008? Gewinner der Kansas City Blues Challenge 2007 und nominiert für den Pitch Music Award 2010 in der Kategorie All Stars? Gewinner des Favorite Newcomer Awards des Tremblant International Bluesfestivals? Gewinner des Albert King Awards als vielversprechendster Gitarrist 2008?

 Trampled Under Foot nach einem Led Zeppelin Song benannt, heisst diese preisgekrönte Familienband mit Danielle, Chris und Nick Schnebelen und sie war die Entdeckung des Festivals. Musik liegt ihnen offensichtlich im Blut, waren doch ihre Eltern Lisa Swedlund und Robert Schnebelen in den frühen 90er Jahren Teil der populären Kansas City Bluesband, Little Eva & The Works.

Nick eröffnete das Set solo mit einem Slide Feuerwerk auf seiner National Steel. Dabei begleitete er sich selbst am Schlagzeug und lieferte erst einen Countryblues ab, dann einen etwas härteren, rockigen Titel. Diese Multiinstrumental Darbietungen haben gerne mal etwas komisches an sich, aber bei Nick Schnebelen sieht es ganz selbstverständlich aus – und klingt auch so.

Auftritt der beiden anderen Geschwister mit einem bassbetonten Titel: Fog. Danielles Gesang steht ihren Fähigkeiten als Bassistin in nichts nach. Sie erinnert mich teilweise an die leider viel zu früh gestorbene Eva Cassidy. Dann demonstrierte die Band ihre ganze Bandbreite ihres Könnens und loteten damit auch die Spielarten des Blues aus. Kein Wunder, dass die erfrischende Gruppe das Publikum begeisterte. Unbedingt bei nächster Gelegenheit ansehen und vor allem –hören. Mangels Gelegenheit ist auch ihre CD May I Be Excused zu empfehlen. Für mich ist die Band bisher die Entdeckung des Jahres.

Canned Heat, immerhin seit nahezu 50 Jahren im Geschäft, versprach Nostalgie. «Fito» de la Parra, Larry Taylor, Harvey Mandel und Dale Spalding spielten denn auch vieles, was man von so genannten Woodstock Legenden erwarten konnte. Allerdings wirkte es für mich über weite Strecken etwas uninspiriert, routiniert und konnte mich nicht richtig packen. Als dann tatsächlich Harvey Mandel einen Hauch von Woodstock ankündigte, war ich an die Aktivdienstberichte meiner Vätergeneration erinnert. Ich habe nichts gegen alte Titel, schon gar nichts gegen betagte Musiker, aber ich ziehe es vor, wenn eine Band sich weiter entwickelt, meistens wird die Musik reifer. Das Publikum allerdings genoss es sichtlich und damit dürften die Erwartungen nicht enttäuscht gewesen sein.

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