Bluesfestival Sierre 2015
Basler Veranstaltungskalender
Groove Now
Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
Jazz 'n' More
Windy City im Volkshaus

christinejaccardundkaistrauss.jpg guykingbfb2011.jpg

Die Swiss Chicago Bluesnight ist am Blues Festival Basel so etwas wie eine Tradition, bei der im ersten Set eine Schweizer Band auftritt und im zweiten Set Musiker auftreten, die der mit dem Swiss Blues Award ausgezeichnete Saxophonist Sam Burckhardt in Chicago für das Festival gewinnen konnte. In diesem Jahr waren das die Christina Jaccard Band, die den Abend eröffneten und die Guy King Band mit Sam Burckhardt und Billy Branch, sowie als Gast Dave Rutschmann alias «Chicago Dave».

Mit der Christina Jaccard Band kam eine andere Form des Blues zur Geltung, die derzeit nicht so oft erlebt werden kann. Kein Kneipengeruch, nichts von Juke Joint. Elegant kam dieser Salonblues und -boogie daher. Es gab sogar einen Flügel auf der Bühne. Man konnte sich in einem eleganten Tanzlokal fühlen, oder in einer Bar.

 

 

Christina Jaccard ist eine Sängerin mit breitem musikalischen Horizont, bezeichnet aber Blues, Soul und Gospel als ihre Heimat. Ihre Stimme ist klar, voluminös und unüberhörbar geschult, hat aber einen für Blues perfekten, rauhen Bodensatz.  Dave Ruosch ist Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste und unterrichtet Jazzpiano am Konservatorium. Er gilt als eine europaweit bekannte Autorität für Boogie Woogie, Blues, Stride und Swing. Er gewann 2009 den Vienna Blues Award, zusammen mit der Band R & B Caravan und war für den Swiss Jazz Award nominiert. Er ist ein virtuoser Pianist, der die perlenden Läufe nur so aus seinen Fingern schüttelt Mit Kai Strauss holte sich Christina Jaccard einen der deutschen Top Gitarristen in ihre Band. Strauss war bis 2011 Kopf der Band Memo Gonzalez & The Bluescasters, die er auch gegründet hatte. Luca Leombruni spielt in verschiedenen Bands mit, unter anderem bei Sina, Vera Kaa, Earthphish. Er ist auch Bassist in der kleinen Niederdorfoper. Er spielte an diesem Abend ausschliesslich Stehbass.  Andreas Schmid ein vielseitiger Schlagzeuger mit internationaler Ausbildung, er unterrichtet in Winterthur an der Musikschule Prova.

Das Set begann mit einem sanften Blues In The Night, jazzy vorgetragen. Mit It Won't Be Long von Aretha Franklin und Bonnie Raitts Love Me like a Man ging es dann deutlich bluesiger weiter. Die weiteren Titel des Sets kam mal etwas jazziger, mal bluesiger. Zwischendurch gab es zwei sehr fein gespielte rein instrumental gespielte Songs mit hübschen, virtuos vorgetragenen Soli von Piano und Gitarre. Christina Jaccard wählt gerne Songs von Interpretinnen mit grosser Stimme aus, ob  Billie Holidays Lady Sings The Blues, Julia Lees Jump R & B Stück Gotta Gimme Whatcha Got oder Etta James I'd Rather Go Blind und sie kann sich das durchaus leisten, ihr Gesang hält dem Vergleich stand.

Manche Titel sind schwer zu covern. Die Titel sind durch irgendwelche Umstände in einer bestimmten Version wie festgefroren und jede andere Interpretation wird häufig abgelehnt. James Browns It's a man‘s world gehört zu diesen Titeln. Entsprechend vorsichtig interpretierten auch Christina Jaccard und ihre Band den Titel. Sie machten das, in dem sie den ganzen bombastischen Teil der James Brown Version, die in unseren Köpfen steckt, wegliessen. Der Song begann mit einem leisen Pianointro, gefolgt von  Christinas Gesang und einem Klasse Gitarrensolo, dann den zweiten Gesangseinsatz und einem Schluss, so sanft wie der Anfang. Den Text hat sie auf ihre eigene Weise modifiziert, wobei mir nicht ganz klar wurde, was sie genau ausdrücken will. Jedenfalls eine frische und Interessante Coverversion.  I just Want To Make Love To You gerät allerdings für meinen Gusto zu brav. Von der Anzüglichkeit, die dieses Stück ausdrückt, ist nicht viel zu spüren. I'm Not Ashamed To Sing The Blues war ihr dann letzter Song. Braucht sie nicht. Das Publikum war jedenfalls hin und weg.Liebhaber des konzertanten, jazzlastigen Blues kamen voll auf Ihre Rechnung und konnten in einem beachtlichen Set zwanzig Songs hören, Zugabe eingerechnet.

Das zweite Set der Swiss Chicago Bluesnight bestritt die Guy King Band, die sich passend im gleichen eleganten Stil zeigte: in Anzug und Kravatte und Guy King führte mit ausgesucht höflichen Ansagen durch das Programm.

Verstärkt wurde die Band durch Sam Burckhardt (Saxophon) und Billy Branch (Gesang, Harmonika), der anstelle des kurzfristig erkrankten Jimmy Johnson auftrat. Als Gast trat ausserdem Dave Rutschmann alias «Chicago Dave» (Gitarre) auf. Sie stiessen nach etwa der Hälfte  des Sets zur Band.

Sam Burckhardt bringt seit Jahren Bands nach Basel, er lebt ja seit langer Zeit in Chicago. Dieses Mal gelang es ihm, mit der Guy King Band dem Basler Publikum ein neues Gesicht zu präsentieren, obwohl der in Israel geborene und bis zum 16. Altersjahr dort lebende Guy King bereits in seiner Zeit als Leadgitarrist mit Willie Kent eine erfolgreiche Welttour hinter sich gebracht hatte. Er spielte bei Kent bis zu dessen Tod 2006.

Danach formte er seine eigene Band, die in verschiedenen Besetzungen von Solo über die Guy King Band mit Ben Paterson (Keyboards), Patrick William (Bass), Isaiah Spencer (Schlagzeug) bis zur Little Big Band, bei der noch eine Bläsersatz dazu kommt.

Die Band spielt Chicago Blues, der mit funkigen Elementen angereichert ist (Go out And Get It), ist aber auch in der klassischen Variante sattelfest (Down The Road). Guy Kings Gesang ist angenehm, sein Gitarrenspiel schnörkellos und frisch. Die band ist durchwegs mit soliden Musikern besetzt. Zum sechsten Song, Thrill Is Gone,  kam Chicago Dave zur Band und spielte mehrere Soli in seiner bekannt expressiven Körpersprache. Dann trat Sam Burckhardt auf die Bühne und es gab einen jazzigen Jump Blues. Anschliessend kam noch Billy Branch dazu und damit war das Lineup für den zweiten Teil des Abends komplett. Ein spannender Kontrast: Hier Guy King, der für den jungen Chicago Blues steht, da Billy Branch, der ehemalige «junge Top Harper Chicagos» ist inzwischen sechzig Jahr alt und gehört damit in die Gruppe «Top Elder Bluesharpers». Er wolle Chicago nach Basel bringen, meinte er in seinem Intro und mit Going down legte er gleich los. Crazy Mixed Up World war der zweite Titel und im weiteren Verlauf des Abends konnte man erleben, wie gut sich das junge und das alte Chicago musikalisch verstehen.

Die Auswahl der Bands für einen Abend ist immer schwierig. Zwei Sets nacheinander führen oft dazu, dass Besucher, die einen bestimmten Bluesstil bevorzugen, im Verlaufe des Zweiten Sets den Saal verlassen, weil die Band nicht ihren Vorlieben entspricht. An diesem Abend sahen wir kaum jemanden, der vorzeitig nach Hause ging. Die Auswahl hatte offenbar den Freunden des Chicago Blues durchgehend gefallen.

 

Bewertung insgesamt (0)

0 von 5 Sternen
Kommentar hinzufügen
  • Keine Kommentare gefunden

Facebook Button

Diese Auszeichnungen haben wir erhalten:

SwissBluesAward2014 winner 150x160px

GermanBluesAward 2015 bluensnews.ch

 

 

bluesnews ist Mitglied dieser Organisationen: