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Paul Oscher im Volkshaus Basel

Was macht eine Legende aus? Es gibt viele Möglichkeiten, eine davon ist eine besondere Leistung, eine andere die Beziehung mit einer anderen Legende und eine dritte ist es, Erste/r auf einem Feld zu sein. Letzteres trifft auf Paul Oscher zu. Die Sensation, der erste weisse Musiker in Muddy Waters Band, ja überhaupt der erste Musiker in einer schwarzen Band von Reputation zu sein, hat zunächst mehr mit dem Umgang der Rassen miteinander noch Ende der sechziger Jahre zu tun, als mit Oschers musikalischen Talenten. Immerhin kann man aber daraus schliessen, dass Muddy Waters diese als hoch eingestuft haben muss, denn es galt immerhin, James Cotton zu ersetzen.

Das alles ist jedoch vierzig Jahre her und Paul Oscher hat seinen eigenen Weg gefunden, auch wenn die Wurzeln seines Gitarren- und Pianospiels in den vier Jahren mit Muddy Waters und Otis Spann liegen. Er ist zu einem herausragenden Songschreiber, Gitarristen, Piano- und Harmonikaspieler gereift. Daneben pflegt er die Tradition des «Geschichten erzählens» und weiss sein Publikum zu unterhalten. Sein Blues ist authentisch, weil er nie auf einer modische Retrowelle schwimmt, sondern ganz einfach so spielt, wie er es gelernt hat. Damit hält er eine musikalische Tradition aufrecht, ohne je das Gefühl zu vermitteln, es würde etwas Vergangenes museal zelebrieren.

Am 16. Februar 2012 präsentierte Blues Now! an seinem ersten Konzert dieses Jahres diesen legendären Künstler. Es war auch das erste Konzert im Volkshaus, wo Blues Now! in Zukunft alle Gigs stattfinden lassen wird. Der Saal war angenehm locker eingerichtet, erreichte aber die etwas intimere Clubatmosphäre des Sudhauses nicht. Alone With The Blues heisst sein 2004 veröffentlichtes Album und so nennt er auch seine Solo Show und der Name ist Programm.

Paul Oscher spielte sich in zwei Sets durch sein Repertoire, manchmal glaubt man sich auf der Porch eines Shotgun Houses, dann wieder zaubert er die Atmosphäre eines Clubs in Chicago her. Er verdichtet seinen Auftritt zu einem Extrakt der wichtigsten Stationen und Interpreten dieser Ära des Blues, mal klingt etwas Muddy Waters an, manchmal hört man John Lee Hooker raus, mal Otis Span, aber immer bleibt es letzten Endes Paul Oscher.  Was er spielt und wie er spielt: es kommt selbstverständlich daher, aus dem Ärmel geschüttelt, macht aber nie den Eindruck von Routine. Erstaunlich, wie sicher er Harmonika, Gitarre oder Piano spielt, dabei mit Harp und Saiten zum besten gehört, das man erleben kann. Dazu hat er ein Gespür für den Groove. Es bereitet ihm auch sichtlich Vergnügen, seine Virtuosität ab und an mit einem Trick zu demonstrieren, wenn er zum Beispiel die Gitarre wie einen Stehbass spielt und sie dabei auch so hinstellt. Es ist ein Klischée, ich weiss, aber es drängt sich bei ihm auf: Dieser Mann ist der Blues.
 

www.pauloscher.com

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