Basler Veranstaltungskalender
Groove Now
Jazz 'n' More
Zwei Starke Auftritte
Zwei deutsche Bluesmusiker bestritten am 13. Blues Festival Basel die German Bluesrock Night, die eines zwar gemeinsam haben: beide sind in kurzer Zeit bekannt geworden, so genannte Senkrechtstarter. Trotzdem sind sie sehr verschieden. Hier die extrovertierte und offensive unterhaltende Bluesrock Lady Jessy Martens, die den Kontakt mit dem Publikum braucht, wie ein Fisch das Wasser; dort der Klangtüftler Henrik Freischlader, der sich im Studio genauso wohl, wenn nicht wohler fühlt, wie auf der Bühne.
Jessy Martens


Band Good Morning Blues hiess der erste Song der Hamburger Sängerin Jessy Martens . Zunächst klang alles etwas gebremst. Mit dem Titelsong der neuen CD, Brand New Ride begann sich das zu ändern. Dann kündigte Jessy Martens Touch My Blues Away an, einen gaaanz langsamen Shuffle und die Band dampfte endlich los. Es folgte ein Mix von Balladen und rockigen Titeln mit diversen Höhepunkten. Try to make a living brachte eines der fetten Soli, die Jan Fischers Qualitäten eindrücklich demonstrierten. Let's talk about sex kündigte sie dann verschwörerisch an und startete den Song mit Tom Rohloff und seinem Bass, nach und nach kam der Rest der Band dazu, bis schliesslich Roman Werner erst mit viel Wah Wah einsetzte und ein fetter, schlüpfriger Sound auf der Bühne stand.

Werner wandelte auf Gary Moores Spuren und solierte, zog dabei alle Register inklusive Zungenspiel und Eintauchen in die Menge. Bei Koko Taylors Let The Juke Joint Jump gab es dann kein Halten mehr: Jessy vor der Bühne, Jessy auf dem Tisch, Jessy auf der Empore, kaum ein Winkel des Volkshauses, wo sie nicht auftauchte und auch Roman Werner spielte auf dem Tisch weiter. Dem Publikum gefiel es und der ganze Saal sang und tanzte mit.
Unvermittelt tauchte in diesem Moment das OK auf und überreichte Geschenke, was eine erstaunte Jessy Martens mit der Bemerkung quittierte, eigentlich hätten sie noch 2 Songs vorgesehen. Schliesslich spielte sie noch Summertime, das dann etwas verloren kein Teil des Sets mehr war, aber auch keine Zugabe. Eindreiviertel Stunden dauerte das Set und hinterliess einen guten Eindruck. Vielleicht ein wenig viel «clap your hands» Spielchen und Show Effekte, aber die überragenden stimmlichen Qualitäten der Sängerin und die Fähigkeiten ihrer Musiker wiegen das bei weitem auf.

Henrik Feischlader

Kein Song, sondern ein Kurzgedicht, geradezu ein Haiku, stand am Anfang des rund zweistündigen Sets Henrik Freischladers und seiner Band (Theofilos Fotiadis, Bass; Moritz Fuhrhop, Keyboard und Björn Krüger, Schlagzeug). Er hatte es nur für diesen Auftritt geschrieben: «Blumen giessen im Regen / Pilze sammeln im Schnee / Fechten ohne Degen / fünfundachtzig dB». Damit zeigte der deutsche Ausnahmemusiker erstens Humor und zweitens sein Unverständnis für die Einschränkungen, die man ihm auferlegt hatte. Die Festivalleitung stellte zwar richtig, dass man keineswegs 85 dB als maximale Lautstärke vereinbart hatte, sondern ein Überschreiten der 100 dB Grenze vermeiden wolle. Wie auch immer, Limiten der Lautstärke sind eine Einschränkung der Musiker, von der man die Finger lassen soll. Wem Bluesrock zu laut ist, soll eben andere Musik hören. Was kommt als nächstes? Keine allzuhohen Töne mehr? Weniger Licht? Kleidervorschriften?

Der Fairness halber sei gesagt, dass die Einschränkung zwar spürbar war, das Konzert aber trotzdem ein Genuss und die Qualitäten des Kölners aber zu jeder Zeit hörbar waren: Wunderbares Gitarrenspiel ohne den üblichen Griff in die Lickkiste, sparsam, entspannt und poetisch. Kann sein, dass er erstmal nur die Tonleiter rauf- oder runter spielt, um im nächsten Moment seine erstaunlichen Linien auszubreiten. Grossartig: Bad Dreams, dann der Etta James Song I'd Rather Go Blind, den man eher selten von männlichen Interpreten hört. Hier zeigte Henrik Freischlader, dass er auch mit Soul umzugehen weiss. Am meisen spürbar war die Beschränkug bei einem Hendrix-Titel Crosstown Traffic, bei dem man die Kraft des Songs nur in Ansätzen mitkriegte. Rund 2 Stunden dauerte das Set und man hätte jederzeit gerne noch in weiter halbe Stunde oder mehr ertragen.

Bewertung insgesamt (0)

0 von 5 Sternen
Kommentar hinzufügen
  • Keine Kommentare gefunden

Mitglied bei