Jazz 'n' More
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Groove Now
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Traumpaar

Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen - wie wir seit Forrest Gump wissen - man weiss nie, was man kriegt. Das gilt auch für das Duo Peter Karp und Sue Foley, deren Leben sich unerwartet kreuzten. Beide hatten bereits eigene Karrieren hingelegt, die sich sehen lassen können, bevor sie zusammen kamen und beide waren früh erfolgreich. 2006 waren sich die beiden am Ottowa Blues Festival zum ersten Mal begegnet. Die musikalische Partnerschaft ist aber erst nach einem langen Briefwechsel und nach persönlichen Schicksalsschlägen auf beiden Seiten gewachsen. Entstanden ist daraus etwas völlig Neues, das zu Recht begeistert. Das Publikum konnte sich am 22. Juni 2012 im Rahmen der Blues Now! Konzerte im Volkshaus in Basel bei ihrem ersten Konzert in der Schweiz davon überzeugen.

Aus New Jersey stammt der 1963 geborene Gitarrist, Pianist, Sänger und Songwriter Peter Karp. Er wurde bereits in der rebellischen Phase seiner Jugend den Achtzigern mit They Came from Houses bekannt, einer von der Kritik hochgelobten Punk/Rock/Roots Band, die auch ziemlich erfolgreich war. Danach verschwand er für ein Jahrzehnt von der Bildfläche, um eine Familie zu gründen. Er beschäftigte sich in dieser Zeit mit dem Medium Film, komponierte Filmmusik und arbeitete als Cutter und Regisseur für Kurzfilme und Werbespots, arbeitete dabei aber weiter an seiner musikalischen Entwicklung, mit illustren Bluesgrössen wie Stevie Ray Vaughn, Motörhead, Willie Dixon, John Lee Hooker oder Jackson Brown. Schliesslich kehrte er in den Neunzigern auf die Bühne zurück. Seine charismatische Erscheinung, seine wie für den Blues geschaffene Stimme und seine instrumentalen Fähigkeiten an Gitarre und Piano werden ergänzt durch sein Talent als Songwriter, mit Texten in der Art eines John Hiatt oder Tom Waits, in welchen er die Romantik des alltäglichen besingt und dabei humorvoll und optimistisch bleibt. Das Ganze verpackt in allen Schattierungen zwischen Folk, Country, Blues und und Rock.

Die 1968 in Ottawa geborene Sue Foley begann mit fünfzehn Jahren mit dem Gitarrenspiel, inspiriert durch ein Konzert von James Cotton und jammte zunächst mit lokalen Bands, bevor sie Mitte der Achtziger nach Vancouver zog und eine eigene Band gründete. Grössere Beachtung fand sie, nachdem sie 1990 ein Demoband an Antone's Records geschickt hatte, mit ihrem Debutalbum Young Girl Blues, (1992) das bei Antone's Records erschien. Sie zog nach Austin und war bis 2007 äusserst produktiv und sehr erfolgreich. Sie hat zwei Blues Awards und 18 Maple Awards gewonnen. Wie Peter Karp sieht sie blendend aus, besticht durch handwerkliches Können, überzeugt mit ihrem Gesang. Auch sie kann Songs schreiben, was ihr rundes Dutzend Alben belegen.

Im wesentlichen spielten sie die Songs ihrer beiden Veröffentlichungen He Said She Said und Beyond The Crossroads. Das erste der beiden Alben entstand 2010 und enthält Songs, die aus der zweijährigen Korrespondenz am Anfang ihrer Begegnung entstanden sind. Die CD kam in die Top Ten der Billboard Blues Charts und war 6 Wochen die Nummer eins der amerikanischen Blues and Roots Music Radio Charts. Die Songs sind sehr persönlich und spiegeln die Erfahrungen während der schwierigen Zeit der beiden Künstler und ihres Kennenlernens wieder. Beyond The Crossroads ist brandneu, im April dieses Jahres erschienen und setzt das fort, was im ersten Album begonnen hatte: Thematisch setzt sich hier das erste Album fort und feiert das Überwinden des Tiefs optimistisch und lebensfroh.  

Vor dem Hintergrund dieser Informationen erwartet man ein besinnliches Konzert mit schweren Texten und einer vielleicht eher traurigen Stimmung. Das Gegenteil ist der Fall. Das Paar demonstriert Lebensfreude pur. Die Songs sind stilistisch kaum einzuordnen. Die beiden bedienen sich im Fundus des Folk, Country, Blues und R&B. Das Resultat ist eine Show, die bewegt - romantisch und rockend zugleich. Moderne Americana Musik vom feinsten, um diese unpräzise Kategorie einmal zu verwenden.

Das Konzert teilte sich in 2 Sets und interessanterweise spielten die Beiden im ersten Set die Songs der neueren CD und He Said She Said im zweiten. Die solide Arbeit des Bassisten Niles Terrat und des Schlagzeugers Mike Catapano erlaubt beiden Künstlern ihr instrumentales Können voll auszuloten. Peter Karps National Steel und Sue Foleys Paisley Telecaster ergänzen sich wunderbar. Hier der gemütliche Country Klang, dort die schneidenden, rockigen Klänge. Auch stimmlich passen die beiden hervorragend zusammen. Bei ihren Gitarrenduellen kann man die Verbundenheit förmlich spüren, es sind eigentlich keine Duelle, sondern Dialoge. Das zeigte sich sofort im ersten Song, We're Gonna Make It, der von den gegenwärtigen ökonomischen Problemen handelt, aber dennoch optimistisch bleibt.

Aufgefallen sind weiter: Beyond The Crossroads, ein Song über die Kunst, den Weg durch das Leben zu finden und dabei die Unterstützung Anderer zu akzeptieren; Take Your Time, Karp legte ein Riff vor, über dem erst Foley solo mit einem Sprechgesang über die Frustrationen des Lebens berichtete, später ergänzen sie sich in einem wunderschönen Duett; More Than I Bargained For, eine Soulnummer im Stax Stil mit einem herrlichen Dialog Gesang und tollem Slidespiel. In Resistance demonstrierte Karp seine Pianofähigkeiten. Schwermütiger als auf dem Album kam At The Same Time daher.

Zur Zeit dürfte es kein anderes Duo geben, das Peter Karp und Sue Foley das Wasser reichen kann. Wer keine Gelegenheit hatte, das Konzert zu erleben, ist mit einer oder besser beiden CDs gut bedient. Ich wüsste keinen Song der beiden Alben, den ich missen wollte.

Blues Now! 22. Juni 2012, Volkshaus Basel

Sue Foley – Electric Guitar, Nylon String Guitar, Vocals
Peter Karp
– National Steel Guitar, Electric Guitar, Piano, Vocals
Niles Terrat – Bass, Background Vocals und Roadie
Mike Catapano – Drums, Background Vocals

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