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Mitreissender Auftritt
Konzertbericht und Interview

Nick Moss ist seit mehr als zwanzig Jahren erfolgreich auf der Tour. So richtig begonnen hatte es 1993, als er Bassist der Legendary Blues Band wurde. Die 1980 gegründete Nachfolgeband der Muddy Waters Band bestand zunächst aus Pinetop Perkins, Jerry Portnoy, Willie «Big Eyes» Smith, Dave Myers und Calvin «Fuzz» Jones, in den letzten Jahren kamen Billy Flynn, Little Smokey SmothersMadison Slim und eben Nick Moss dazu. Willie «Big Eyes» Smith schlug ihm vor, die Leadgitarre zu spielen. 2000 gründete er die Band Nick Moss & the Fliptops. Der Name entstand nach Aussage von Nick Moss selbst eher zufällig, weil man die Lücke in Nick Moss and. . . füllen wollte und der Blick auf ein Päckchen Marlboro fiel, welche «Flip Top» Box genannt wurde. Inzwischen ist die Band neu besetzt und musikalisch anders ausgerichtet. Nick Moss möchte das auch nach aussen demonstrieren und verwendet den Namen Nick Moss & Band. Bis dies sich durchgesetzt hat, dürfte noch ein Weilchen dauern. Am 23. November 2012 holte ihn BluesNow auf die Bühne des Volkshauses in Basel. Wir haben das Konzert verfolgt und mit Nick Moss gesprochen.

Sein erstes Album First Offence wurde 2000 eingespielt und 2003 veröffentlicht. Es folgten in kurzen Abständen Got a New Plan, Count Your Blessings, Sadie Mae und Live at Chan's. Alle vier Alben wurden für den Blues Music Award nominiert. Insgesamt wurde er im Verlauf seiner bisherigen Karriere sechszehn mal für diesen Award nominiert, leider aber erhielt er nie einen Preis. In dieser Zeit entwickelte sich sein Ruf als eine Art Lordsiegelbewahrer des Chicago Blues. Tatsächlich führte er die Tradition dieses Stils meisterlich weiter. Trotzdem blieb er ausserhalb der Blues Fachwelt immer ein Stück weit ein Geheimtipp. Das hat weniger mit seiner Musik zu tun, sondern vermutlich mit Marketing, denn wer seine CDs anhört, wird mehr als begeistert sein. Inzwischen hat er die Ketten als Fackelträger des Chicago Blues gesprengt und sich musikalisch weiter entwickelt (siehe auch das Interview). Er möchte nicht mehr mit dem Etikett nur traditioneller Chicago Stil versehen werden. Die letzten beiden CDs Privileged und Here I Am enthalten deshalb Elemente von Funk, Soul und Gospel und sind über weite Strecken rockiger, jedoch solide im Blues verankert. Auch am Konzert spielte er Songs quer durch sein Repertoire. Das ganze Konzert war kohärent arrangiert, die stilistische Erweiterung fügte sich nahtlos an die traditionell Spielweise. Der Abend blieb durchwegs spannend. Zur Seite hatte er seine neue Truppe: Michael Ledbetter  (g, voc, perc), ein entfernter Verwandter von Leadbelly, der ja auch Ledbetter hiess.  Er entpuppte sich als begabter Sänger mit einer  tollen Stimme, der sowohl als Backgroundsänger als auch als Leadsänger eine gute Figur macht und ausserdem jederzeit ein prachtvolles Gitarrensolo hinlegt. Travis Reed ist bisher eher wenig bekannt, dürfte sich aber bald einen guten Namen mit allem erspielen, was Tasten hat. Er legte jedenfalls  einige prachtvolle Hammondsoli hin und glänzte mit luftigen Pianoläufen. Matthew Wilson am Bass und Patrick Seals am Schlagzeug sind ebenfalls junge und unverbrauchte Künstler. Ganz offensichtlich hatte Nick Moss bei der Auswahl seiner neuen Band gutes Händchen und hat eine solide Basis für einen Wechsel geschaffen.Das Konzert wurde aufgezeichnet und soll auf CD veröffentlicht werden. Das sei eine Première, wie Patrick Kaiser ankündigte. BluesNow versucht damit, die Konzerte auch jenseits des Volkshauses  zugänglich zu machen.

Vom ersten Moment an zeigte die Band grosse Spielfreude. Da wurde locker aus einem fünf Minuten Low Down Blues ein viertelstündiges musikalisches Ereignis. Die durchwegs begeistenden Songs hatten alle einen Mittelteil, der schon alleine je einen Song für Moss und einen für Ledbetter abgegeben hätte, grossartig!  Er begann aber mit Boogie Man, einem Titel von Chuck Blackwell, den Freddie King berühmt gemacht hatte und endete mit dem herrlichen It'll Turn Around.. Es folgte ein Mix aus dem ganzen Oeuvre der letzten zehn Jahre, die «traditionellen» Songs erschienen mir einen Tick roher, kantiger und dynamischer gespielt als früher. Die neueren Stücke, die auch auf seinen beiden zuletzt erschienenen CDs zu finden sind, fügten sich nahtlos in die «klassischen» Songs ein. Moss' Stimme ist reifer geworden, ausdrucksvoller. Das kommt in den souligen Nummern zum Tragen. Sein Gitarrenhandwerk ist beeindruckend, sein Einfallsreichtum bemerkenswert. Seine Qualitäten als Songschreiber gleichbleibend gut. 

Ein ganz grosses Konzert. Gekonnt arrangiert, mit jeder Menge Freiraum für Entwicklungen auch seiner Bandmates, bei deren Aktivitäten er gerne zurücktrat. Er hat eindrucksvoll demonstriert, was er damit meint, es stecke mehr in ihm, als die Tradition zu bewahren. Er hat aber nicht einfach sein Repertoire um etwas Bluesrock, Soul, R&B und Funk erweitert, um dem Trend Richtung Crossover folgen. Vielmehr spielt er lupenreinen Chicago Blues, in den er Elemente aus den Stilarten einbaut, die sich nach den 50er und 60er Jahren entwickelt haben. Dabei gelingt es ihm, dies so zu verschmelzen, dass er den Chicago Stil erweitert. Damit gehört er zur Avantgarde des Chicago Blues und bleibt, ob er will oder nicht, einer seiner wichtigen Bewahrer. Denn wirklich lebendig halten die Musiker einen Stil, die ihn weiter entwickeln.

Interview:

bluesnews: Von sehr vielen Leuten  wirst du als DER Vertreter des Chicago Stils angesehen.

Ich dachte, das sei Lurie Bell (schmunzelt)

…wie auch immer, jedenfalls sind die beiden letzten Alben mehr Richtung Bluesrock, was ein wenig…

 …moderner Blues ist

Ist dies der hauptsächliche Grund, zeitgemäss zu sein?

Ich denke, ich habe mehr zu sagen als nur die traditionellen Sachen. Den meisten Leuten ist traditioneller Blues zu hoch. Man weiss zu wenig darüber. In den USA noch mehr als in Europa. Hier hat man ein wenig mehr Respekt vor der Tradition und einen höheren Wissensstand über traditionellen Blues. Eine andere Sache, die ich für mich herausgefunden habe ist: Ein Weisser, der traditionellen Blues spielt ist immer noch irgendwie eine…(zögert)

Kuriosität?

…ja, ein Gag. Ein Afroamerikaner wirkt irgendwie authentischer. Ganz ehrlich, ich glaube, ich wurde der Tradition immer gerecht, ich habe viel Zeit dafür aufgewandt und den Respekt der Älteren erhalten, aber die ganz Grossen waren immer Schwarze. Nicht, dass ein junger, schwarzer Musiker es unbedingt besser kann, als ich aber er ist einfach Afroamerikaner. Die Leute nehmen dich oft nicht wahr, wie du bist. Sie sagen gerne: Du siehst aus, als würdest du dies oder jenes - was immer sie in dir sehen.

Ich hatte vorhin Lurie Bell erwähnt. Ich habe oft mit ihm gespielt und beobachtet, dass das Publikum auf ihn ganz anders reagiert, wenn er einen Shuffle spielt, als wenn ich das tue. Er wirkt auf eine Art glaubwürdiger. Auch wenn es mochte, was wir machten und wir ein gutes Echo hatten , konnte ich spüren, wie die Leute völlig anders reagierten, sobald Lurie auftrat. Das war der Moment, als ich darüber nachzudenken begann, etwas mehr zeitgenössisches einfliessen zu lassen. Nach Lurie Bell spielten wir weiter und gegen Ende des Abends tat ich dies auch. Das Publikum reagierte. Es war, als ob sie sagen würden: «ja, genau das ist es. Das ist glaubhaft.»

Dies hätte aber in verschiedene Richtungen gehen können. Funk, Soul etc.

Also auf den beiden letzten Alben haben wir zwar einige Bluesrock Titel, aber wir haben auch eine gleich grossen Anteil an Funk und Soul drauf - das ist jedenfalls meine Sicht. Ich mag es nicht so sehr, wenn ich in Kategorien gepresst werde im Sinne von: dies machst du und das ist das einzige, was du tust. Es ist natürlich eine Ehre, als Fackelträger des Chicago Blues betrachtet zu werden. Es ist aber auch eine Bürde. Das wird von mir gefordert und erwartet. Wenn ich jetzt nichts änder, ist es in fünf oder zehn Jahren vielleicht zu spät dazu. Ich bin nicht wirklich ein Begriff im Blues. Ich bin ziemlich bekannt, aber ich bin kein Tommy Castro, Tab Benoit, B.B. King oder Buddy Guy. Auf diese Weise kann ich neues Publikum gewinnen, Leute die vielleicht meine früheren Alben nicht gekauft hätten. Vielleicht interessieren sie sich dafür, was ich früher gespielt habe und kaufen ein älteres Album. So gelingt es mir möglicherweise auf diese raffinierte Weise, sie so zum traditionellen Blues zu führen. Das heisst ja nicht, dass ich nicht weiterhin immer klassischen Blues in meinen Shows haben werde.

Du wurdest sechszehn Mal für einen Blues Award nominiert, hast aber nie einen Preis erhalten. Worauf führst du das zurück?

In erster Linie wurde ich in verschiedenen Kategorien gleichzeitig mit sehr grossen Künstlern  nominiert: B.B. King, Buddy Guy oder Magic Slim und das ist natürlich eine sehr harte Konkurrenz. Aber zusammen mit diesen Namen genannt zu werden ist schon ziemlich cool. Dazu kommt, das seit einiger Zeit das Voting öffentlich ist. Du bezahlst zwar deine 25 Dollar für die Mitgliedschaft, aber dann kann jeder abstimmen. Dadurch gewinnt die Fankultur stark an Bedeutung. Ich habe nicht diese «Fanpower». Würden nur Musiker zum Voting zugelassen, gäbe es ein anderes Resultat. Vor allem, wenn es nur Musiker wären, die bereits nominiert worden sind. Vielleicht noch DJs, aber keine Produzenten und Verleger, die zu sehr im geschäftlichen stecken. Das würde ich gerne noch erleben. Aber inzwischen ist auch der  Reiz etwas verloren gegangen und würde ich gewinnen, dächte ich vielleicht: «Yeah…, das war's also». Kennst du Jimi Bott? Er ist neben mir der andere, der viele Male nominiert wurde, aber keinen Preis erhalten hat. (13 mal, d. Red.) Wenn wir uns treffen, machen wir uns regelmässig lustig darüber. Wir sind der «Looser's Club». Früher hat es michgeärgert, aber seit einigen Jahren habe ich eine andere Haltung dazu. Andere wurden noch nicht einmal nominiert, zum Beispiel Chick Willis. Ich bin sowieso kein Freund von Wettbewerben in der Kunst. Was will man vergleichen?

Aber die Blues Foundation hat ja noch andere Funktionen

Ihr habt hier die European Blues Union, die sich sehr für den Blues und die Musiker einsetzt.

Aber das ist doch im Grunde dasselbe.

Man kann es nicht vergleichen. Ich weiss gar nicht, was die Blues Foundation eigentlich für den Blues tut, ausser den BMA und der IBC (Blues Music Award und International Blues Challenge, d. Red.)Ich weiss es wirklich nicht. Die European Blues Union und die vielen Blues Societies unternimmt mehr für die Musiker. Sie kümmert sich darum, dass Konzerte und Festivals richtig durchgeführt werden, zu Beispiel in Schweden oder Norwegen. Musiker werden unterstützt. In den USA kenne ich vielleicht 10 Organisationen, die etwas vernünftiges tun, der Rest erinnert mich an Teenager Organisationen. Sie treffen sich, sie streiten, wie kleine Regierungen, erscheinen aber nie an den Gigs, oder es kommen zwei Leute, obwohl die örtliche Blues Society 50 Mitglieder hat. Sie sind in erster Linie mit sich selbst beschäftigt.

Nick Moss, danke für das Gespräch und viel Erfolg am heutigen Abend im Volkshaus.

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