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Groove Now
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Wer ist der beste im ganzen Land?

Manche hielten Curtis Salgado für den besten weisse Blues- R&B- und Soulsänger, für andere sei es John Németh. Mit diesen Worten stellte Patrick Kaiser den 37 jährigen Sänger, Harmonikaspieler und Songschreiber aus Idaho vor. Es war nach 2011 dessen zweites Konzert im Rahmen der Blues Now! Konzertreihe und zeigte uns einen John Németh mit teilweise erneuerter Band. Immer noch spielte der talentierte A.C. Myles Gitarre, mit Gabe «Smokey» Davis stand ein erfahrener Musiker am Bass, der neben der groovenden Basslinie auch jederzeit ein hörenswertes Solo ablieferte.  Für den Beat sorgte Danny Banks, der erst kurz vor dem Konzert seinen zwanzigsten Geburtstag feiern konnte und seinen ersten grossen Auftritt mit der Band hatte und ein für sein Alter erstaunlich zurückhaltendes, reifes Spiel zeigte.

John Németh hat viele Facetten. Deswegen ist er auch jedes Mal, wenn man sich mit ihm beschäftigt, für neue Preise nominiert, aktuell in fünf Kategorien für den Blues Award 2013 (Soul Blues Album, Contemporary Album, Soul Blues Male Artist, Instrumentalist - Harmonica, B.B. King Entertainer of the Year) Auch an diesem Konzert beeindruckte er mit seiner Vielseitigkeit, seiner Musikalität und seiner gewinnenden Präsenz. Daneben spielt er bemerkenswert gut Harmonika und ist ein begnadeter Sänger, dessen Stimme unter die Haut geht. Sie kann zuckersüss sein wie die eines Solomon Burke, oder er singt hart und schneidend wie James Brown. Mit der Erfahrung von hunderten Auftritten spult er seine Show makellos herunter, ohne dabei routiniert zu wirken.  Seine Show ist spannend und abwechslungsreich und er trägt südlichen Soul genauso stilsicher vor wie nostalgischen R&B der späten 50er Jahre, funky Rhythmen oder klassischen Delta Blues, den er allerdings eher im Chicago Stil spielt. Er mischt die alten Sachen mit modernem Blues und kreiert daraus etwas Unverkennbares, das irgendwie gleichzeitig alt und modern klingt.

Seit ihm Paul deLay 1999 den Rat gegeben hatte dringend eigenes Material zu schreiben, wenn er es zu etwas bringen wolle, hat er sich zu einem bemerkenswerten Songschreiber entwickelt, dessen Lieder sowohl textlich als auch musikalisch überzeugen. So bestehen sowohl seine Alben und seine Konzerte überwiegend aus eigenem Material.

Als Gast war der Westcoast Blues Gitarrist Alex Schultz dabei, der zunächst sein Programm Solo Blues Guitar vorstellte und danach einen Song gemeinsam mit A.C. Myles spielte - es war deren erstes gemeinsames Spiel, wie später am Abend auch Németh und Schultz hier in Basel zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne standen. Der unprätentiöse  Schultz begann seinen Auftritt mit Freddie Kings Same Old Blues und trug dann gute zwanzig Minuten wunderbaren, ruhigen Gitarrenblues vor, den er mit jazzigen Elementen anreicherte. Ein anregender Einstieg in den Abend, den man sich gerne gefallen lässt, im Gegensatz zu den üblichen «Full Size Support Acts», die einem enormes Durchhaltevermögen abverlangen und selbst dann mühsam sind, wenn an Stelle einer im Grunde genommen uninteressanten Coverband eine etablierte Formation spielt.

Love Me Tonight war der erste Song, den John Németh vortrug, gefolgt von Country Boy und die beiden Songs waren bereits exemplarisch für die Leichtigkeit, mit der er die Stilarten wechselt. Im Weiteren schöpfte er aus dem Fundus seiner letzten Jahre und trug zum grossen Teil Songs vor, die auch auf seinen beiden letzten Alben Soul Live und Blues Live zu hören sind. Sie wurden vor rund einem Jahr mitgeschnitten und thematisch auf 2 CDs verteilt. Charmant verkaufte er sie als Paar, das unbedingt zusammen gehöre und deswegen auch miteinander gekauft werden sollte. Tatsächlich hätte es auch ein nettes Doppelalbum abgegeben. Beide CDs sind in ihrer Kategorie für den Blues Award 2013 nominiert und beide sind sehr empfehlenswert. Neben seiner Band sind darauf ausserdem die Gitarristen Kid Andersen (Rick Estrin and The Nightcats) und Bob Welsh (Elvin Bishop) sowie der Keyboarder, Saxophonist und Sänger John Lee Sanders zu hören.

Besonders aufgefallen sind Said To Much, ein wunderbarer Soul-Song alter Schule in der Art, die Otis Redding berühmt gemacht haben und der Némeths Qualitäten als Sänger besonders deutlich werden liess, aber auch seine Bewunderung für den King of Soul. Dann Fuel For Your Fire, eine generelle Lebensweisheit der Arti, wie sie einem von Vater oder Mutter mitgegeben werden. Das Ganze in einer R&B Form, die an den späten Solomon Burke erinnert. Bei Songs wie Blues In My Heart fragt man sich, ob John ein früheres Leben in Chicago verbracht hat, oder ob es in Idaho irgendwo eine Crossroad gibt, denn es ist kaum zu glauben, wie viel Blues in diesem doch immer noch jungen Musiker steckt, der aus einer Gegend kommt, die nicht gerade für Blues bekannt ist. Über all dem Schwärmen muss aber unbedingt auch die Band erwähnt werden. Mit A.C. Myles steht ihm ein Gitarrist zur Seite, der seinen Gesang und sein Harpspiel grossartig ergänzt und funkelnde Soli abliefert. Gabe «Smokey» Davis sorgt mit Danny Banks für einen Groove, auf den sich Németh stets verlassen kann. Gegen Ende des ersten Sets kam Alex Schultz wieder auf die Bühne und es war spannend zu erleben, wie sich der eher wilde Myles und der intellektuell spielende Schultz sich ergänzten und gleichzeitig befruchteten, zumal es für Alle eine Preèmiere war. Naja - es ging sehr gut!

John Németh bewies in Basel erneut, dass er mit Recht zu den Top Acts der internationalen Szene gezählt wird. Ob er der Beste ist, dürfte Ansichtssache sein. Aber es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass er zu den Besten gehört, die zurzeit unterwegs sind.

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