Sins of Age - Acoustic Blues Brothers
Sins of Age sind Alterssünden. Es ist also nicht die Sünde des Alterns, sondern eine Sünde, die man aufgrund fortgeschrittenen Lebensalters eingeht. Aber was soll das sein, eine Alterssünde? Wer den Begriff googelt, erhält praktisch nur die erschreckend einseitige Antwort, dass es um zu hohen Alkoholkonsum im fortgeschrittenen Alter geht – insbesondere bei Männern. Da geben die Acoustic Blues Brothers eine ganz andere Antwort: Ihr Alterssünde ist wohl der Blues. Und so trägt ihre neueste CD-Veröffentlichung den selbstironischen Titel Sins of Age. Es kamen 18 Titel zusammen, von denen eindrückliche 16 Eigenkompositionen sind. Das Duo hat einen Trailer veröffentlicht. Und schnell wird klar: Sündig ist hier gar nichts, vielmehr eine grosse Freude, was die beiden langjährigen Freunde Rolf LL Lüthi und Dinu Logoz hier – with a little help from their friends – zum besten geben, wie Anfang Oktober bei der CD-Taufe in der Mühle Otelfingen zu hören war.
Die Acoustic Blues Brothers, das sind Rolf LL Lüthi (Gitarren, Voc) und Dinu Logoz (Harp, Git, Voc), beide seit Jahrzehnten aktive Grössen der Schweizer Blues-Szene. Rolf LL Lüthi ist auch als mit dem Trio LL & the Shuffle Kings auf den Bühnen des Landes unterwegs. Die dort mit ihm spielenden Charlie Weibel (Schlagzeug) und René Eberhard (Bass) haben auch auf drei, bzw. zwei Titeln des aktuellen Albums tatkräftig mitgewirkt. Die Musiker sind untereinander bestens vertraut, was eine solide Basis abliefert für die durchaus zu konstatierende Neuerung
Völlig neu dabei ist eine junge Violinistin namens Manon Leutwyler, die mit diesen Aufnahmen ihre ersten musikalischen Freuden ausserhalb der klassischen Musik erlebt. Manon Leutwyler, die auch an der CD-Taufe zu hören war, streicht die Saiten, und sie singt sogar Background auf That Macigal Smile. Und sie ist eine in jeder Hinsicht passende Ergänzung, die sich gut und stimmig ins musikalische Ganze einfügt.
Die überwiegende Mehrheit der Titel aber sind Bluessongs aus der Feder Lüthis oder Logoz‘ oder – vor allem – Kooperationen. Dies sind wunderbar persönliche Titel, in denen die beiden Bluesmen das tun, was guter Blues eben leisten kann: er hilft den Musikern, ihr eigenes Leben zu reflektieren oder Erlebtes neu zu verarbeiten und daraus Kreativität und Lebendfreude zu generieren. So hat beispielsweise Akira’s Tune nichts mit dem gleichnamigen endzeitlichen Japanischen Manga zu tun. Der Instrumentaltitel ist eine Hommage an einen geliebten Hund. Ebenso ist My Little Shining Star eine persönliche Liebeserklärung und der Titel Girl of Troubles erwartbar das Gegenteil.
Zahlreiche der Titel wären für junge Männer nicht in dieser Form möglich gewesen: Things Have Changes, Too Old to Die Young oder Too Many Last Times sind Titel, die erst mit einer gewissen Lebenserfahrung glaubhaft über die Rampe geschickt werden können. Hier wäre es also eher „Grace of Age“ als das im Albumtitel anklingende Sündigen.
Die beiden Fremdtitel, Keb‘ Mo‘ fröhlicher Titel You Can Love Yourself und der Jazz-Standard Moanin‘ (bekannt durch Art Blakey & The Jazz Messengers) passen gut ins Programm, wobei an der CD-Taufe drauf hingewiesen wurde, dass Moanin‘ ein Titel ist, ohne den es die Acoustic Blues Brothers gar nie gegeben hätte. Es scheint also schon länger ein Anliegen gewesen zu sein, die eigene Fassung zu spielen. Und tatsächlich ist der Song bestens im Blues verankert: Ronnie Earl und ein sehr junger Buddy Guy haben den Titel ebenso eingespielt wie Jazz-Grössen Oscar Peterson oder Wes Montgomery.
So bietet also die CD eine Retrospektive der beiden Männer hinter den Songs, aber auch eine Retrospektive ihrer Freundschaft und ihrer zahlreichen Aktivitäten. Beispielsweise auf Churchill Train Blues, bei dem es nicht um den Britischen Kriegspremier geht, sondern um den Nostalgiezug Roter Pfeil, aber dem das Duo schon Konzerte spielte.
Die CD-Taufe für das
Im Falle der Acoustic Blues Brothers kann man nur sagen: Eher Altersweisheit als Alterssünden haben es auf das Album geschafft. Aber vielleicht ist es ja ein Aspekt des Alters, dass diese beiden Hand in Hand gehen. Ebenso wie der Blues, der bei diesen zwei Herren sowohl Jugendsünde wie Alterssünde bleibt.
Die Musiker bitten darum, die
The Acoustic Blues Brothers – Sins of Age (2025)
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01 |
Don't Look With Your Fingers |
Lüthi – Logoz |
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02 |
Mainstream Baby |
Lüthi – Logoz |
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03 |
What I Need |
Lüthi |
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04 |
Why, Oh Why_ |
Lüthi – Logoz |
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05 |
Akira's Tune |
Lüthi |
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06 |
That Magical Smile |
Lüthi – Logoz |
Manon Leutwyler (voc) |
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07 |
My Little Shining Star |
Lüthi – Logoz |
Charlie Weibel (dr) |
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08 |
Too Many Last Times |
Lüthi |
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09 |
Too Old To Die Young |
Lüthi |
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10 |
Soundtrack of My Life |
Lüthi – Logoz |
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11 |
Girl Of Troubles |
Lüthi |
Manon Leutwyler (violin), Charlie Weibel (dr), René Eberhard (b) |
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12 |
Moanin' |
Bobby Timmons |
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13 |
Things Have Changed |
Logoz |
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14 |
Warm Up Stomp |
Lüthi |
Manon Leutwyler (violin), Charlie Weibel (dr), René Eberhard (b) |
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15 |
You Can Love Yourself |
Keb’ Mo’ |
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16 |
Flash in the Pan |
Lüthi – Logoz |
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17 |
Churchill Train Blues |
Lüthi |
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18 |
Hi to Ry |
Lüthi |