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Offener Brief von Philipp Fankhauser

Im Blues ist die Kirche gerne Ort des Friedens und der Besinnung, in der historischen Wirklichkeit gab es neben diesem Aspekt der Kirche insbesondere bei der Römisch-katholischen Kirche noch den anderen, düsteren Aspekt: Kindsmissbrauch in Form von Gewalt oder auch sexuellem Missbrauch wurde in den letzten Jahren in den USA, in Irland und in Deutschland heftig diskutiert und Anschuldigungen ehemaliger Klosterschüler wurden in solcher Zahl vorgebracht, dass die Katholische Kurie gezwungen war, ihre Verteidigung à la «verwirrte Einzeltäter und bedauernswerte Einzelschicksale» aufzugeben und sich mit der Problematik neu zu befassen. Und wenn es auch kein tiefergehende Prüfung der bereits von Jürgen Drewermann beanstandeten Pathologie des Pfarrberufes gab, so wurden doch etliche Bistümer neu besetzt und die beschuldigten in den inneren Dienst berufen, vereinzelt kam es sogar zu Strafanzeigen weltlicher Gerichte. Der Papst hat sich in Namen der Kirche entschuldigt und Verbrechen eingestanden.

All dies ging an BischoffVitus Huonder offenbar spurlos vorbei. Der stets freundlich lächelnde katholische Würdenträger mit dem Harry-Potter-kompatiblen Namen stellt offenbar noch immer die Tatsache in Abrede, dass Homosexualität ein Teil der Lebenswirklichkeit der heutigen Schweiz ist. Zudem scheint er kein feines Sensorium zu haben dafür, wenn man zu einem Thema nichts sagen sollte. So hat sich Huonder unlängst vollkommen im Ton vergriffen, als er aus der Bibel folgende Passage zitierte: «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft.»

Der Thuner Bluesman Philipp Fankhauser spricht sich selbstverständlich gegen jede Form der Schwulenhatz aus und kritisiert das befremdlich unzeitgemässe Zitat Huonders. Zuvor war Rap-Musiker Gimma, ein ehemaliger Ministrant und Oberministrant, einen Schritt weiter gegangen und hatte in einem offenen Brief die katholische Kirche ermahnt, sich in Sexualitätsfragen doch bitte still zu verhalten. Als Gegenangriff machte sexuelle Übergriffe öffentlich, die er von einem halben Dutzend Geistlicher erdulden musste.

Philipp Fankhauser macht nun seine Geschichte öffentlich und erzählt seinerseits von Missbrauchserlebnissen in den 1970er Jahren. Fankhauser schreibt: «Ich war von 1975 (mit 11) bis 1976 im katholischen Collegio Don Bosco in Maroggia bei Lugano und ich könnte einiges erzählen. Der damalige Direktor, ein Priester, wurde eines morgens abgeholt und in das Gefängnis La Stampa in Lugano überführt. Er und viele weitere Priester haben uns alle missbraucht!»

Starker Tobak. Leider ist anzunehmen, dass der Herr Bischoff auch hierzu schweigen wird, wie auch keine Reaktion auf Gimmas Brief erfolgte. Hoffen wir, dass er diese schweigende Haltung auch in Zukunft an den Tag legt, wenn er sich mit gewissen Themen wie Sexualität, Homosexualität oder Pädosexualität beschäftigt.