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Gina Coleman Uncrowned A Tribute To Ida Cox

Mit dem Aufkommen der Schallplatte in den 1920ern realisierten die Plattenfirmen, dass da ja ein lukrativer, afroamerikanischer Markt existierte. Sängerinnen wie Mamie Smith, Ma Rainey, Bessie  Smith, Sippie Wallace oder Clara Smith, die im Vaudeville oder bei Tent- und Medicine-Shows ihr Handwerk gelernt hatten, wurden zu den ersten Superstars der Blues-Geschichte. Sie alle nahmen mit Jazzbands auf und interpretierten vorwiegend Lieder, die von professionellen Songwritern geschrieben wurden. Eine der wenigen Ausnahmen bildete Ida Cox. Die als Ida M. Prather anno 1888 oder 1896 – die Quellen widersprechen sich da – geborene Sängerin und Entertainerin schrieb nicht nur brillante eigene Songs, sie galt als smarte Businesswoman, die ihre Karriere selber gestaltete.  

Wie alle ihre Zeitgenossinnen wurde auch Ida Cox mit ihrer Musik durch den Siegeszug des gitarrenlastigen, elektrischen Blues in den Hintergrund gedrängt. Doch nun ist eine Bewegung im Gange, dies zu korrigieren. Aktuelle Künstlerinnen besinnen sich ihrer Idole und greifen deren Erbe, kreativ und modern interpretiert, auf. Candice Ivory mit ihrem Memphis Minnie-Album und Maria Muldaur mit ihrem Victoria Spivey-Tribut sind die bekanntesten. Gina Coleman ist die nächste im Bunde. Die Gründerin und Leaderin der Band Misty Blues aus Massachusetts, welche 2019 mit  ihrer Truppe im Finale der International Blues Challenge in Memphis stand, veröffentlichte am 29.05.26 das Album «Uncrowned: A Tribute To Ida Cox» .

Nicht von ungefähr nimmt sich Coleman dem Phänomen Ida Cox an. Gina fühlt eine ausgeprägte Seelenverwandtschaft mit der Pionierin, sieht sich in einer ähnlichen Rolle als Komponistin von über 100 Songs sowie als unabhängige, starke Bandleaderin und Managerin. Von den rund 80 Liedern aus Ida Cox’ Paramount Records-Zeit hat Coleman nun elf prägnante für sich ausgewählt und diese zusammen mit ihren langjährigen Misty Blues-Bandkollegen Diego Mongue und Seth Fleischmann neu arrangiert. Schlichte Nostalgie sucht man dabei vergebens. Coleman & Co transponieren gekonnt und respektvoll die Essenz von Cox’ Musik ins 21. Jahrhundert. Zeitgemäss klingen etwa die gefühlvolle, elektrische Slidegitarre, welche im «Graveyard Dream Blues» die Stimme umspielt, wie auch die funky Gitarren/Schlagzeug-Begleitung im «Worried Mama Blues» oder im «Lawdy Lawdy Blues». Einen Hauch Modern Jazz gar verströmen die Interpretation von «Wild Women Don’t Have The Blues» und «Blues Ain’t Nothing Else But». Einen Bogen zurück zum ursprünglichen Sound der 1920er Jahre dagegen schlägt der häufige Einsatz der Klarinette – eines Instruments, welches praktisch gänzlich aus dem modernen Blues verschwunden ist – und des Banjos. Gina Coleman schliesslich fühlt sich pudelwohl in diesem Setting. Ihre tiefe, emotionale Stimme wird dem musikalischen Vermächtnis von Ida Cox , der «Uncrowned Queen Of The Blues», mehr als gerecht.

Gina Coleman (voc), Seth Fleischmann (g), Diego Mongue (b), Rob Tatten (dr), Aaron Dean (cl), David Vittone (keys), Ronan Chris Murphy (perc), Jeff Dudziak (bjo), Gaye Adegbalola (g)

(CD, DL, www.guitaronerecords.com)