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The Lansky Brothers

Ein Schneidergeschäft, das es zu einem Eintrag in der Wikipedia bringt? Das muss wohl etwas besonderes sein. Tatsächlich ist das Geschäft der Lansky Brothers in Memphis, Tennessee ein einzigartiges Geschäft, und Blues-Reisende, die ins Delta fahren, sollten sich unbedingt eine Stunde Zeit nehmen, um sich das Geschäft im Erdgeschoss des prestigeträchtigen Peabody-Hotels anzusehen. Denn hier kauften die Grössten ein: Isaac Hayes, Lerry Lee Lewis, Rufus Thomas haben sich hier einkleiden lassen. Der Besitzer nennt sich «Clothier to the King», also «Einkleider des Königs», denn hier kaufte nicht nur ein König ein, sondern gleich zwei: Der König des Rock’n’Roll Elvis Presley und der King of the Blues: B.B. King.

Das Brüderpaar Bernard und Guy Lansky eröffneten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg – im Jahr 1946 – ein Geschäft in Memphis, in dem die ausrangierte Armeeklamotten aus Weltkriegsbeständen verkaufen wollten. Das Geschäft lag an der Beale Street Nr. 146, und dort entwickelte sich bekanntlich eine Musikszene. Die Musiker wollten für ihre Auftritte etwas besser gekleidet sein, und Bernard Lansky hatte den rechten Riecher für diese Art der Mode.

So begann er etwas ausgefallenere Stoffe für seine Hemden zu wählen, etwas breitere Revers zu machen, etwas flippigeres Futtermaterial zu verwenden, und nach kurzer Zeit sprach sich der moderne und zeitgemässe modische Stil in Musikerkreisen herum. Schon bald zählten Bandleader Count Basie, Vibraphonist Lionel Hampton, Duke Ellington und B.B. King zu den Kunden des Geschäfts.

Mehr Beale-Street Musiker liessen sich einkleiden, etwa der für seine schrillen Outfits bekannte Rufus Thomas oder Bobby «Blue» Bland. Die Lansky Brothers machten Werbung mit weit geschnittenen Hosen und schreiend gemusterten Hemden (sogenannte «Mod»-Mode), wie auf alten Werbeplakaten der Firma auf ihrer Website zu sehen ist.

In den Sechziger Jahren war der angesagteste Look die Mode, die aus Londons Carnaby Street kam, und auch hier hielten die Lanskys mit. Sie brachten den hippen Look in den Süden und kleideten die Musiker des Rock’n’Roll ein, etwas Pianist Jerry Lee Lewis oder Roy Ordbison und natürlich auch der grösste Sohn der Stadt: Elvis Presley. Beim epochemachenden Auftritt von Elvis in der Fernsehshow von Ed Sullivan 1956, als der junge Mann erstmals einem breiteren Publikum gezeigt wurde (wenn auch nur von der Hüfte aufwärts), trug er einen Anzug von Lansky. Weiterhin kauften auch allerdings schwarze Musiker ihre Kleider dort: Bo Diddley, Isaac Hayes und «Screamin’» Jay Hawkins.

Es kam der Moment, als Elvis Presley beschloss, nicht mehr nur Anzüge zu tragen, sondern seine berüchtigten Jump-Suits, also die Ganzkörperoveralls mit Schlaghosenbeinen und den charakteristischen Glasperlen drauf, die manche vielleicht von Auftritten wie Aloah from Hawaii kennen. Es gibt viele Spekulationen, wieso Elvis sich plötzlich in diese mit hohen Kragen versehene Anzüge einkleidete, und ich habe schon gehört, dass er nach einer erlittenen Verbrennung eine hässliche Narbe am Hals hatte. Wie auch immer: Elvis ging zum Schneider seines Vertrauens und Bernard Lansky erfand für ihn den Jump Suit: Der Elvis Presley der Siebziger Jahre war geboren. Der Schneidermeister sagt voller Stolz: «I put Elvis in his first suit, and I put him in his last».

Heute existiert Lansky noch immer, und das Geschäft ist eine Reise wert. Wer in Memphis zwischenhalt macht, sollte sich unbedingt das weiträumige Geschäft ansehen. Und wenn die Reisekasse auch vielleicht nicht den Kauf eines Hemdes oder eines Anzugs zulässt, so reicht es vielleicht für eine Krawatte oder ein Paar rasiermesserscharfe Schuhe. Wer von zuhause aus mal stöbern will: Hier ist die Homepage des Ladens. Weiterhin werden Musiker dort eingekleidet: Die Jonas Brothers gehören zu den aktuellen Kunden, wie auch Steven Tyler (von Aerosmith) oder Dr. John. Das Geschäft findet sich heute im Peabody Hotel, unweit der Beale Street und die Türe ist eine Zeitmaschine: Wer eintritt verlässt die Gegenwart von H&M oder D&G und betritt ein mutiges und kreatives Kleidergeschäft erster Güte und einzigartiger Form.

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