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Willie Dixon (1915–1992) war der grosse Komponist des Blues. Seine Kompositionen wie My Baby, I Ain’t Superstitious, I Just Want to Make Love to You, Little Red Rooster oder Hoochie Coochie Man sind ebenso unverzichtbare Teile des Blues-Repertoires wie Robert Johnsons oder Elmore James’ unsterbliche Songs. Was Willie Dixon auszeichnet, ist zudem insbesondere seine poetische Ader beim Schreiben der Songtexte. Bluesnews.ch sieht sich den scheinbar mysthisch aufgeladenen Titel The Seventh Son genauer an und diskutiert die Hintergründe der Lyrics. Der Song ist ganz einfach zu erklären – oder aber sehr tiefgründig.

Willie Dixon schrieb The Seventh Son im Jahr 1955. Der Titel wurde von Willie Mabon und Johnny Rivers gecovert. In der Notensammlung Willie Dixon – The Master Blues Composer aus dem Jahr 1992 erzählt er, was er mit dem Titel meint: Demnach war Dixon tatsächlich das siebte Kind seiner Eltern. Zudem wurde er im Juli, also im siebten Monat, geboren. Und dieser siebte Sohn, so meint Dixon, «will be the one to heal the sick and raise the dead and make little girls talk out of their heads» (=> «[der siebte Sohn] wird die Kranken heilen und die Toten auferwecken und Mädchen dazu bringen, dass sie nur noch Quatsch reden.»). Mit anderen Worten, der Autor selbst bezeichnet das Stück als autobiographisch, aber er spielt auch mit der mystischen Qualität der Zahl sieben, die ja in den meisten Märchen und auch der modernen Fantasy-Mythologie wie Tolkiens Schriften zum Ausdruck kommt.

Diese weitergehende Bedeutung der Sieben als einer magischen Zahl scheint mir hier bedeutender, weshalb Dixon auch diese Textzeile zitiert. Denn in einer weitergehenden Interpretation lässt sich der Afrikaner als siebte «Menschenrasse» erklären, der Blues und die Schwarze Lebenskultur ist somit eine Erfindung des siebten, und damit letzten Kinds der Menschenrasse.

Der Hintergrund dieser Erklärung ist das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch immer herrschende Menschenbild, das die Existenz verschiedener «Rassen» propagierte, um damit die Ausbeutung der restlichen Welt durch den europäischen Kolonialismus zu rechtfertigen. Die Menschen wurden schon im 18. Jahrhundert nach ihrem Äussern in «Rassen» unterteilt, und eine der Einteilungen macht eben sieben «Rassen aus».

Christoph Meiners (1747–1810), Professor der «Weltweisheit» (Ja, das gab’s damals) an der Universität Göttingen verfasste 1790 einem Aufsatz mit dem Titel Ueber die Natur der afrikanischen Neger. Dort schreibt er aus heutigem Verständnis natürlich unsinnige Aussagen eines zutiefst rassisstischen Weltbildes, wenn er schreibt «Ganz unten, dem Tier am nächsten, steht der Neger. Knapp über ihm rangiert der braune, rote und gelbe Mensch, allesamt Exemplare der mongolischen Rasse. Sodann folgen die hellhäutigen Kaukasier, untereilt in minderwertige Slawen und höherwertige Kelten, deren edelste Sorte die Germanen, insbesondere die Teutschen, sind.» Übersetzt in moderne Termini sind die sieben Rassen bei Christoph Meiner also Afrikaner, Südasiaten, Amerikanische Ureinwohner, Ostasiaten, Osteuropäer und Westeuropäer. (Hier mehr dazu)

Nun wird Willie Dixon wenige Deutsche Denker der Klassik gelesen haben, aber die Einteilung der Menschen in sieben Gruppen nach rassisstischen Merkmalen war als Theorie bekannt und geisterte auch in den USA herum, wo ja jede Erklärung für die brutale Unterdrückung der Schwarzen Amerikaner bis in die 1960er Jahre gerne zitiert wurde. Und so scheint es mir es eine plausible Interpretation zu sein, dass Dixon nicht nur sich persönlich meinte, sondern die Afrikaner insgesamt als siebten Sohn und damit als Heilsbringer, als Versöhner der Menschheit. Dieses Anliegen zeigt sich ja auch in anderen Texten Dixons wie Study War No More. Freilich tritt er hier auch als Verführer der Mädchen auf. Es folgt die Songtext in Übersetzung und Original:

 
Der Siebte Sohn
Nun, alle reden vom Siebten Sohn

Doch auf der ganzen weiten Welt gibt es nur einen  

Und ich bin dieser eine, Ja, ich bin dieser eine, bin dieser eine
Der eine, den man den Siebten Sohn nennt  

Ich kann Deine Zukunft vorhersagen, bevor sie noch geschieht
Und ich kann Dinge für Dich tun, die Deinem Herzen gut tun
Ich seh in den Himmel und kann den Regen vorhersagen
Ich kann einer Frau ansehen, wenn sie einen anderen Mann hat  

Und ich bin dieser eine, Ja, ich bin dieser eine, bin dieser eine
Der eine, den man den Siebten Sohn nennt  

Ich kann dich eng bei mir halten und drücken
Und ich kann Dich dazu bringen, Tag und Nacht um mich zu weinen

Und ich kann die Kranken heilen und die Toten auferwecken
Und Mädchen dazu bringen, dass sie nur noch Quatsch reden  

Und ich bin dieser eine, Ja, ich bin dieser eine, bin dieser eine
Der eine, den man den Siebten Sohn nennt  

Ich kann diese Worte sprechen, die so süss klingen
Ich kann Dein kleines Herz einen Schlag lang aussetzen lassen
Ich kann Dich, Baby, dazu bringen, dass Du mich im Arm hältst
Und das Fleisch erzittern lassen auf Deinen lieblichen Knochen 

Und ich bin dieser eine, Ja, ich bin dieser eine, bin dieser eine
Der eine, den man den Siebten Sohn nennt  

The Seventh Son

Well now, ev'rybody cryin' About the Seventh Son
But in the whole round world There is only one

An I'm the one , Yes, I'm the one, I'm the one, I'm the one
I'm the one they called the Seventh Son

Well, I can tell yo' future befo' it come to pass
An I can do things for you that make your heart feel glad
A-look in the skies, and predict the rain
I can tell when a woman, got another man

An I'm the one, Yes, I'm the one, Well, I'm the one, I'm the one
The one they call the Seventh Son

Now, I can hold ya close, an I can squeeze you tight
An I can make you cry for me, both day and night
An I can heal the sick, An even raise the dead
And make you little girls, Talk out of your head

I'm the one, Yes, I'm the one, Well, I'm the one, I'm the one
I'm the one they call the Seventh Son

Now, I can talk these words that sound so sweet
I can make your little heart even skip a beat
I can make you, baby hold you in my arms
And make the flesh quiver on yo' lovely bones

I'm the one, Yes, I'm the one, Well, I'm the one, I'm the one
The one they call the Seventh Son
.

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