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Gitarren und Pickups

Während sich der erste Artikel mit Artikeln rund um die elektrische Gitarre beschäftigt hat, geht es im zweiten Teil nicht mehr um Straps oder Picks, sondern um Gitarren selbst sowie um Pickups, denn auf der Messe war – bei aller Zurückhaltung – eine wahre Sensation zu sehen, die den Pickup-Markt verändern dürfte: Die Einführung der «Fluence»-Pickups von der Firma Fishman. Bei den Gitarren gab es neben den üblichen Verdächtigen vor allem zwei bemerkenswerte Werkstätten zu berichten, nämlich die ungarische Gitarrenmanufaktur Fibenare und die Schweizer Firma Relish Guitars, die mit höchst innovativem Design die elektrische Gitarre vollkommen neu denkt.

Wie man sich gut vorstellen kann, ist an der Musikmesseviel Raum den elektrischen Gitarren gewidmet, und entsprechend gab es die riesige Halle 4 und ein Teil der Halle 3, in der Gitarrenbauer, Hardware-Hersteller und Pickup-Entwickler anzutreffen waren. Die Ausstellung war natürlich eine Augenweide, und die grossen Firmen liessen sich nicht lumpen, insbesondere Fender hat sich für den 60sten Geburtstag der Stratocaster gehörig ins Zeug gelegt. Aber auch die Stände von Gibson, PRS, Hagström, ESP, Washburn, Jackson, Ibanez etc. waren eindrücklich anzusehen. Es gab elektrische Gitarren der üblichen Bauweisen und angelehnt an die zeitlosen Modelle, konventionell ausgerichtet für Jazz-Musiker (Archtop), Blues- und Rock-Gitarristen (Solidbody in Vintage-Bauweise und semiakustische Gitarren mit Sustainblock) sowie Hardrock- und Metall-Spieler (flache Griffbretter, Floyd-Rose-Vibratos).

Besonders schöne Exemplare gab es bei der deutschen Firma « in der Schweiz.

Nicht nur fürs Auge faszinierend waren die in der Schweiz gefertigten und mit Schweizer Pickups von «Goodtone» bestückten revolutionär innovativen Gitarren von «Relish Guitars», einer seit 2010 existierenden Firma der beiden Luzerner Pirmin Giger und Silvan Küng. Obschon sie im Moment nur ein Modell anbieten, das Modell Jane, hat der Stand grosse Aufmerksamkeit auf sich gezogen, denn Jane ist anders als andere Gitarren: Der Hals ist mit einem Aluminium-Sustainblock verschraubt, der sich durch den gesamten Körper zieht und an dem die beiden Aluminium-Zargen befestigt sind. Die hölzernen Decke und Boden machen aus dem Gerüst eine Gitarre. Der bis auf den Sustainblock und die Elektronik hohle Körper ist eine äusserst innovative Bauweise, die sofort überzeugt. Es gibt die Gitarre in den drei Holz-Fertigungen Kirsche, Esche und Walnuss. Mit dem Holz eben verarbeitete Sensoren für die Pickup-Schalter und nur zwei Potis unterstreichen die noble Zurückhaltung im Design. Zu eine späteren Zeitpunkt folgt auf Bluesnews.ch ein Porträt von Pirmin Giger und Silvan Küng und ihrem Start-Up-Unternehmen «Relish Guitars» sowie ihrer Fertigung in Horw.

Alles neu bei Pickups

Die Innovationen der Firma «Fishman» sind bekannt. So hat die Firma mehrere Geräte entwickelt, um Mikrophone zu simulieren. In erster Linie aber waren Fishman als Ausrüster akustischer Gitarren bekannt. Das Fishman Triple Play ist ein Gitarren Synthesizer, der höchste Ansprüche erfüllt. Nun stellt die Firma mit dem Fishman Fluence eine neue und wirklich faszinierende neue Form des Pickups für e-Gitarren vor. Fishman Fluence ist ein aktiver Pickup, den es als Singe-Coil und als Humbucker-Modell gibt, wobei der Ausdruck «Humbucker» natürlich Quatsch ist, denn als aktive Pickups gibt es sowieso kein Brummen zu bemerken. Die Tonabnehmer bieten mehrere Grundkonfigurationen für zwei verschiedene Sounds, die sich an den Klassikern orientieren, aber bis auf den Ton nichts mit Vintage-Pickups zu tun haben.

Da es sich um aktive Pickups handelt, brauchen sie eine eigene Stromversorgung, und auch hier hat Fishman mitgedacht. Für die Fluence-Tonabnehmer muss man nicht mehr eine Ausfräsung in der Gitarre vornehmen, damit die 9V-Batterie untergebracht werden kann, sondern die Pickups werden mit einem Akku ausgeliefert, der in der Abdeckplatte angebracht is und so können die Pickups ohne Bauarbeiten am Gitarrenkörper ausgetauscht werden. Ach ja, und die Akkus lassen sich mit einem normalen Handy-Netzteil und dem dort standardmässig vorhandenen Mikro-USB aufladen. Da hat jemand wirklich mitgedacht.

Die Fluence-Pickups bringen das beste beider Welten zusammen, wobei die beiden Welten sich hier beziehen auf die grundsätzliche Bauweise underwound und overwound. Bekanntlich hat die Grösse der Wicklung einen entscheidenden Einfluss auf den Sound der Tonabnehmer, weil Pickups mit wenig und dünnem Kabel als Wicklung um die Magnete (underwound) einen klareren und glockigeren Ton haben, aber weniger Mitten und Biss. Diese sind das Spezialgebiert des overwound Pickups, der dafür weniger transparent und klar klingt. Also einem Design mit einigen zusätzlichen Wicklungen, auch mit dickerem Draht. Bislang war die Entscheidung für das eine oder andere eine grundsätzliche, man musste sich für eine Bauweise, und hat so den Charakter der Gitarre definiert, aber auch das Spiel limitiert.

Fishman Fluence ermöglicht nun die Umstellung mittels Push-Pull-Poti und damit bei den Singlecoils das Umschalten vom Ton eines Fender 1954 Vintage Pickups und eines Fender Texas Special Pickups. Bei den Humbuckern sind die beiden Sounds der Heilige Gral des Seth Lovers P.A.F.-Pickups der alten Les Pauls und den fetten und druckvolleren Sound eines moderneren Humbuckers. Die Pickups beinhalten keine Modelling, es sind echte Pickups und keine elektronische Manipulation des Tons. Dies Pickups werden die Musikwelt verändern, denn sie ermöglichen zwei Gitarren, und zwar in einer sinnvollen Kombination. Die Einschränkung auf Vintagesound oder modernen Gitarrensound ist aufgehoben.

Und die Dinger klingen hammermässig. Sie werden erst ab Sommer 2014 verfügbar sein und der Fishman-Vertreter sagte, dass sie nicht exorbitant teurer sein werden als gewöhnliche passive Pickups der jeweiligen Bauart. Bis dahin ist man auf Youtube angewiesen. Hier gibt es ein schönes Demo von Falbo, dessen Gitarren offenbar mit den Pickups ausgestattet werden sollen. Die Pickups sind einmal Video schliesslich zeigt Greg Koch seine Pyrotechnik auf einer mit Fishman Fluence ausgestatteten Fender Stratocaster und etwas später mit einer Gibson Les Paul. Greg Kochist Endorser von Fishman, aber er ist offensichtlich auch von diesen Pickups überzeugt. Und zwar mit gutem Grund. Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: diese Tonabnehmer von «Fishman» sind eine Wucht.

 

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