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Wie ein Hufschlag

OrtegaHorseKickProDie sogenannt «Digitale Stompbox» von Ortega, die als Fusskeil designte Begleitmöglichkeit Horse Kick, liegt in zwei Varianten vor. Wie hier bereits berichtet, gibt es die zwei Varianten Normal – mit nur einem Sound – und Pro – mit fünf Sounds. Heute folgt nun der Testbericht. Um es vorweg zu nehmen: das Ding ist ziemlich gut, aber es gibt auch Punkte, wo man die Stirn runzelt. Als Gitarrenspieler stellt man zudem bald fest, wieviel Disziplin die Kollegen von der Schlagzeugfraktion da benötigen, um mit ihren Beinen keine Sekunde locker zu lassen. Aber Ortegas Produkt wird bei allen möglichen Instrumenten Freunde finden. Bassisten werden dadurch zur One-Man-Rhythm-Section. Für Perkussionisten bietet sich das Teil als eine Ergänzung zu einem eigentlichen Instrument an, so dass man auf dem Cajon sitzen kann, aber auch eine Kick Drum unter dem Fuss hat. Ebenfalls diesen Markt bespielt die Finhol Kickbox Mark III, die eine Bass Drum und eine Cajon, die aber nicht als Vergleich herangezogen wurde. Es geht nur um Ortega Horse Kick Pro.

Das Horse Kick Pro der Deutschen Firma Ortega ist ein kleiner Holzkeil, der mittels einer 9V-Batterie oder einem mitgelieferten Netzteil ermöglicht, durch Drauftreten einen Perkussionsklang zu erzeugen, der über normale ¾-Zoll-Buchsen abgeführt werden kann. Eindeutig interessanter ist natürlich das Pro-Modell, das nicht nur mehr Sounds hat, sondern auch ein Einschlaufen in ein Pedalboard erlaubt, indem es mit 2 Buchsen versehen ist. Das Pro ist klein und handlich, aber es hat genügend Grösse, um es mit dem Fuss locker zu treffen (was aber nicht immer den gewünschten Effekt hat, mehr dazu später). Die Anschlüsse für die Kabel sind seitlich gelegen, die Buchse für das Netzteil direkt neben dem Out-Kabel, was nicht praktisch ist, da kommen sich die Kabel ins Gehege. Die Unterlage ist rutschfest auf Parkett, Stein, Kacheln und weitgehend auch auf Teppich. Die Lautstärken-Kontrolle und der Wahlschalter für die Sounds Cajon, Schlagzeugpauke, Cowbell, Cabasa und Schellentamburin liegen rechts und links an der Rundung. Das Design ist schön, hübsches Holz schlicht verarbeitet, es erweckt den Eindruck eines Schlagholzes, ist aber High Tech. Die Samples der fünf Töne sind sehr gut, klingt alles wirklich natürlich und sehr ansprechend (durch einen cleanen Fender Deluxe Reverb). Das Schellentamburin und die Cowbell kann ich mir bei der von mir praktizierten Musik noch nicht vorstellen, aber selbst dann bleiben mit Cajon, Kick Drum und Cabasa drei wirklich gute Samples. Alle Details sind auf den Fotos einsehbar bei Thomanns Produktseite.

Leider ist das Horse Kick nicht perfekte High Tech. So spricht das (vermutete) Piezo im Pedal nur an, wenn man es voll mittig trifft, und es funktioniert besser mit Lederschuhen mir harten Sohlen als mit Socken oder Barfuss. Das führt dazu, dass das Pedal nicht immer anspricht und manchmal einfach stumm bleibt, was natürlich ärgerlich ist. Es dauert etwas, bis man Vertrauen in das Produkt entwickelt. Die Zone, in der es wirklich gut funktioniert, ist vielleicht 5x5 cm gross, die Oberfläche ist aber 12x15,5. Allerdings ist das Piezo sensibel genug, dass man den Keil einfach umdrehen kann, mit der Ferse drausteht und das Tappen des Fusses auf den Boden reicht, um das Horse Kick zu betreiben. Meine Erfahrung war klar: es ist eindeutig besser unter der Ferse zu betreiben als unter dem Fussballen.

Abzüge kriegt das Gerät auch für die Tatsache, dass Wahl und Lautstärke nur von der Seite einsehbar sind. Sieht vielleicht cool aus, aber auf der Oberfläche hätte man signalisieren können, an welches der beiden Potis man da greift. Die Potiknöpfe sind zudem zu klein, um sich im Stehen runter zu beugen und eine differenzierte Einstellung vorzunehmen. Die Wahl der 5 Sounds klappt besser, denn die Abfolge der 5 Einstellungen hat man nach dem ersten Rumspielen im Griff. Wenn es mal läuft, ist alles wunderbar, aber um Einstellungen zu ändern muss man es fast in die Hand nehmen und hochheben.

Das grösste Problem liegt aber bei Menschen, die nicht wie Schlagzeuger mit ihren Füssen Rhythmen halten können, darin, aus diesem Pedal wirklich ein Instrument zu machen: Es braucht viel Disziplin und auch etwas Konzentration, die mindestens anfänglich beim Spielen des Hauptinstruments fehlt. Hier kommt erneut die Position unter der Ferse in den Fokus: ich fand es viel einfacher, unter der Ferse Rhythmus durchzuhalten, weil vor dem Fuss wird die Muskulatur vor dem Schienbein schnell müde. Es empfiehlt sich daher auch, nicht auf jeden Schlag das Ding zu benutzen, sondern manche Schläge auszulassen. Man muss auch anerkennen, dass der eigene Fusschlag, den man natürlich für super-präzise hielt, nicht immer genau den Schlag hält, und mit dem Horse Kick hört man das dann natürlich sofort.

Das Fazit ist aber eindeutig ein positives: ich würde das Ding nicht mehr hergeben wollen, es lässt viele neue Gewichtungen im eigenen Sound zu, man erlebt neue Spielideen und unter die Ferse gestellt, mag zwar die Anschlagsdynamik nicht mehr so toll sein, aber man kriegt eine kontinuierliche Begleitung hin – wie alles in der Musik, mit etwas Übung.

Hier noch einige Testberichte auf Youtube:

Julian Scarcella spielt mehrere Loops übereinander, das Horse Kick kommt bei 2:06 dazu, Scarella spielt nur einen der Klänge, die Bass Kick. Hier das Video dazu:

Am Anfang dieses Clips gibt es eine Band zu sehen, bei der der Perkussionist den Horse Kick verwendet. Der Youtube-Tester EytschPi42 testet in der Folge das Pedal auch ausgiebig, alles in seiner betont ausufernden und sich verlierenden Art, so dass sich durchs über eine halbe Stunde dauernde Video durchsuchen muss, wem sein Gelaber mit dem schmerzhaften Akzent im ansonsten makellosen Englisch auf den Geist geht.

Der für «Music ‘n’ more» rezensierende Tobi zeigt das Produkt auch mit einem akustischen Bass. Hier zeigt sich auch, dass es nicht so einfach ist, wie man anfänglich vielleicht denken mag. Bei der Gitarrendemonstration gerät Tobi aus dem Rhythmus:

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