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Da-dam oder Daaah-damm?

Die Rhythm Section ist derjenige Teil einer Band, dem häufig wenig Aufmerksamkeit zukommt. Die Instrumentalsolisten, der Sänger oder die Sängerin ziehen grössere Aufmerksamkeit auf sich als die Angehörigen der Rhythmusgruppe – in Blues- und Rockbands sind das zumeist Bass und Schlagzeug – und rücken damit auch stärker in den Fokus von Konzert- und Albumsrezensionen. Das ist allerdings völlig ungerechtfertigt, denn die Rhythm Section ist wesentlich für den Sound einer Band verantwortlich, indem sie den Groove und aufrecht erhält. Hier soll deshalb für einmal das Scheinwerferlicht auf diesen Teil der Band gerichtet werden, der erst mit der Afro-Amerikanischen Neuerfindung von Musik zu existieren begann: der Rhythmusabteilung.

Klassische europäische Musik hat natürlich einen Rhythmus, und der Rhythmus wird – neben Klangfarbe, Form, Melodie und Ausdruck – selbstverständlich als eine der fünf Dimensionen zur Beschreibung von Musik verstanden. Das europäische Orchester kennt aber dennoch keine Rhythmusgruppe. Erst mit dem Erfindung des Grooves und der damit einhergehenden Erschaffung der Soli wurde die Rhythmusgrupe geschaffen. Die Rhythm Section ist somit ein Charakteristikum von Jazz, Swing, Big Band Sound und natürlich dem Ahnherr all dieser Formen, dem Blues.
 
Die Rhythm Section kann in der knappsten Form aus fünf Fingern bestehen. Pianisten wie «Jelly Roll» Morton, Roosevelt Sykes oder «Little Brother» Montgomery spielten mit der rechten Melodiehand den Song, und mit der linken den Rhythmus. Für Solopianisten ist es also die linke Hand, im ursprünglichen Country Blues der Jugbands war es vielleicht der überblasene Tonkrug Jug oder das Waschbrett (oder, im Fall von John Dee Holemans Hambone einfach ein Schinken). Im Swing einer Big Band zählen neben Schlagzeug und Bass, auch das Piano insbesondere die Gitarre zur Rhythm Section, eine Rolle, die sie getreulich ausfüllte, bis mit Charlie Christian, T-Bone Walker oder Lonnie Johnson Gitarristen das Instrument mit Tonabnehmer bestückten zum Solo-Player machten.
 
Im Blues gibt es zwar unterschiedliche Intrumentierungen (Schlagzeug und Bass, Schlagzeug und Tuba, Waschbrett und Jug) aber in der Regel bleibt die Aufgabenverteilung dieselbe: das Schlagwerk liefert den Puls eines Stückes, der Bass (oder was sonst in unterschiedlichen Tonhöhen zu spielen vermag) spielt das harmonische Grundgerüst eines Songs, also im einfachsten Fall Grundton, Terz und Quinte des gerade aktuellen Akkords.
 
Die Rhythm Section trägt zum Sound der Band aber nicht nur die metrische Unterstützung bei, die bestimmt neben dem Tempo vor allem das «Feeling» eines Songs und damit den emotionalen Charakter der Musik. Nehmen wir als Beispiel und zum Verständnis eine Shuffle-Melodie. Diese ist so zusammengesetzt, dass die vier Pulse des Taktes aufgeteilt werden in Triolen, so dass auf die vier Viertel des Taktes 12 Schläge kommen. Im Shuffle werden nun jeweils die ersten beiden Noten einer Triole verbunden und damit doppelt so lange gespielt wie die dritte Note, weshalb diese nur halb so lange ist. Zusammengenommen ergibt das das Daahh-Damm eines Shuffles.
 
Allerdings wird dieser Groove ja nicht exakt gespielt, sondern die Rhythm Section ist dafür verantwortlich, aus diesen Schlägen einen Groove zu machen, und dies tut sie, indem sie im Bereich des Microtimings den ersten Schlag etwas länger oder kürzer spielt. Je länger, desto mehr «laid-back» wird der Groove, je mehr der Groove genau auf den Schlag kommt, desto weniger klingt ein Song «laid-back». Oder, um in Genre-Bezeichnungen zu argumentieren, desto weniger ist es Blues und desto mehr wird es Rock’n’Roll.
 
Man kann auch im Selbstversuch den Rhythmus austesten: wenn man mit einer Hand einen Vierviertelrhythmus auf den Tisch klopft und mit der anderen Hand einen Shuffle dazu schlägt (vielleicht erst jede Hand getrennt?) kann man mit dem Shuffle spielen und selbst feststellen, dass die Rhythm Section den eigentlichen Charakter des Songs bestimmt.
 
Hört man sich die Aufnahmen von Fats Domino an, so kann man dies wunderbar feststellen, denn der kleine runde New Orleans-Pianist war gleichermassen in beiden Genres bewandert und spielte auch beides durcheinander. Ein Titel wie hingegen Blues. Für diese Differenz ist einzig der Groove verantwortlich und ausgehend vom einfachen Shuffle geht dieses rhythmische Feeling weiter und es definiert Bands. Die aus New Orleans stammende Band The Meters war einst die Rhythm Section von Allen Toussaint, und sie gilt zu Recht als die Messlatte für New Orleans Rhythmen. Diese Band definiert ihre Existenz über den Rhythmus und Melodie und Gesang sind hier Beiwerk.
Neben dem Schlag gibt es natürlich den Bass, und die gespielte Basslinie bestimmt ebenfalls die Komplexität eines Stückes. Spielt ein Bassist lediglich in den drei Stufen des Blues immer Grundton – Terz – Quinte wird das Stück so übersichtlich, dass es Gefahr läuft, langweilig zu werden. Grosse Bassistinnen und Bassisten spielen um dieses Konzept herum und beschränken sich nicht auf die drei Grundtöne des Akkords.
 
Bugs Henderson war etwa bekannt dafür, eine sehr fähige Rhythm Section zu verpflichten. Seine langjährigen Begleiter, Bassist Bobby Chitwood und Schlagzeuger Ron Thompson erlaubten es Henderson erst, seine unglaublichen Gitarrensoli zu spielen, weil sie ihm den Boden legten. Während die Rhythm Section für den Sound eines Power-Trios natürlich essentiell ist, bleibt auch in einer grossen Band mit Horn Section und zwei Gitarristen der Rhythmus die Grundlage, auf der alles andere fusst. Denn, wie schon Duke Ellington so richtig feststellte: «It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing».

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