Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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paramount_bluesfrauen.jpgDer Blues wird in der Regel als Kunstform wahrgenommen, an deren Gestaltung und Entwicklung wenige Frauen mitwirken. Frauen im Blues machen auch tatsächlich nur einen kleinen Teil jedes CD-Regals aus, das sich in normalen Geschäften finden lässt. Gehen auch Sie als Benutzer von www.bluesnews.ch ruhig mal an ihre CD-Sammlung und sehen Sie nach, mit wie vielen Frauen Ihre Bluesabteilung bestückt ist. Zeit also für eine kleine Bestandesaufnahme. Wen gibt es denn da alles?

 

 

Zakiya Hooker und Shemekia Copeland sind die Töchter von Boogie-König John Lee Hooker und Texas-Gitarrist und Philip Fankhauser-Idol Johnny Copeland und sie ihrerseits sind gestandene Blues-Sängerinnen, die an vielen Festivals aufgetreten sind und CDs eingespielt haben. Dann gibt es da noch Angela Strehli, die auf der Carnegie-Hall-CD von Stevie Ray Vaughan mit der Konzert-Aufnahme vom 4.10.1984 zu hören ist. Auch die 1970 geborene Susan Tedeschi gehört zu den aktuellen Blueserinnen, die Künstlerin aus Massachusetts spielt eine heisse Gitarre, beeinflusst durch Buddy Guy, Stevie Ray Vaughan oder Freddie King.

Marcia Ball ist eine Blues-Sängerinn und Pianistin aus Orange Texas (Geb. 20.03.1949), die sich ebenfalls einen Namen gemacht hat. Sie veröffentlicht seit 1972 Aufnahmen und ihre jüngste CD, eine Live-Aufnahme, stammt von 2005.

Weiter sind nicht zu vergessen die älteren Bluesdamen, Ruth Brown und Etta James, Koko Taylor und Big Maybelle, und natürlich die grosse Dame des Chicago Blues der sechziger Jahre, Big Mama Thornton, die eigentlich Willie Mae Thornton hiess.

Die oben erwähnte Marcia Ball ist eine weisse Blues-Sängerin, und neben ihr gibt es noch weitere weisse amerikanische Frauen, die sich im Rahmen des Folk Revival dieser uramerikanischen Kunstform zugewandt haben: Rory Block ist ein typisches Beispiel hierfür. 1949 in New Jersey geboren, wuchs sie in Greenwich Village auf, und durch ihren Vater - den Sandalenschuster und Gelegenheitsmusiker Allen Block - lernte sie in den 60er Jahren verschiedene Folk-Musiker kennen. Sie wurde dadurch beeinflusst von Reverend Gary Davis, Mississippi John Hurt oder Son House, und begann selbst akustischen Blues zu spielen.

Ähnliches gilt auch für die dreifach Grammy-Gewinnerin Bonnie Raitt, eine der wohl bekanntesten Blueserinnen, die mit ihrem zurückhaltenden elektrischen Slide-Spiel eine eigene Stimme im Blues gefunden hat. Raitt erblickte auch 1949 das Licht der Welt, allerdings in Kalifornien. Auch sie ist die Tochter eines Musikers, des Broadway-Musical-Schauspielers John Raitt. Bonnie lernte viel von Fred McDowell. 1975 schaffte sie es auf das Cover von Rolling Stone. Von Bonnie Raitt sollte man sich unbedingt ihr sexy Duett I'm In The Mood mit John Lee Hooker anhören (auf Hookers CD The Healer), auf dem man das Gefühl hat, dem alten Meister wird richtig heiss hinter seiner Sonnebrille.

Während diese Damen also nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurden, entstammen die oben kurz erwähnten älteren Damen allesamt einem anderen Hintergrund. Sie wurden vor oder während des Kriegs in der Zeit der Segregation (der Rassentrennung) geboren, in der Kirche sozialisiert und brachen dann irgendwann aus, um die «Teufelsmusik» des Blues zu spielen und zu singen. Koko Taylor (1928, Tennessee), Etta James (1939, Kalifornien), Big Maybelle (1924, Tennessee) und Big Mama Thornton (1926, Alabama) singen mitreissend und begeistern bis heute. Ebenfalls hierzu gehört die 1940 geborene Fontella Bass, deren Musik durchaus in den Bereich R&B hineinreicht, insbesondere ihr Hit Rescue Me von 1965.

Von Thornton ist praktisch jedes Album empfehlenswert, insbesondere aber die beiden CDs Big Mama Thornton with the Muddy Waters Blues Band - 1966 und die kurze aber feine Aufnahme Jail, die die Künstlerin in einem Gefängnis aufgenommen hat. Big Maybelle hatte zeitlebens mit Übergewicht und einer Heroin-Abhängigkeit zu kämpfen und auf vielen Aufnahmen klingt sie, als ob sie nicht mehr ganz nüchtern wäre. Trotzdem ist sie mit ihrer Wahnsinnsstimme das weibliche Pendant zu Big Joe Turner und einfach ein Erlebnis (The Complete Okeh Sessions 1952-55 vermittelt einen ganz guten Eindruck von ihr). Ruth Brown lieferte sich mehrere Duette mit B.B. King, und sie ist in mehreren anderen Alben auch zu hören (so auf Bonnie Raitts Road Tested, wo sie zusammen Never Make a Move too soon zum Besten geben). Ruth Brown vermittelt den Eindruck einer wahren Dame, sie singt mit viel warmem Timbre in der Stimme und besticht mit horn-lastigen Arrangements, die mit denen B.B. Kings vergleichbar sind.

Schliesslich Koko Taylor: Die kleine Frau aus Memphis hat eine gewaltige Stimme und im Gegensatz zu vielen anderen Sängerinnen scheut sie nicht vor klarer Sprache und deutlichen Bezügen zu ihrer Weiblichkeit und der Lebenswirklichkeit von Frauen zurück. Als Besitzerin eines Blues-Klubs in Chicago hat sie zudem unternehmerischen Geist bewiesen. Taylor wurde vom grossen Willie Dixon entdeckt, der lauf seiner Biographie I Am The Blues nie ganz zufrieden war mit der Art, wie Howlin Wolf sein Wang Dang Doodle sang (und Wolf mochte den Titel seinerseits nicht), so dass er ihn Koko Taylor gab, die darauf ihre Karriere begründete.

Nach Meinung der Bluesnews-Redaktion stellen diese Frauen die wichtigsten Künstlerinnen dar, denn es gibt ein breites Oeuvre von ihnen und die Aufnahmen sind gut.

Dabei unterscheiden sie sich von den Blueserinnen der «Gründergeneration», will sagen von Sängerinnen, die im späten 19. Jh. geboren wurden: Ida Cox (1890-1967), Bessie Smith (1892-1937), Alberta Hunter (1895-1984) oder Memphis Minnie (1897-1973). Diese waren wohl sehr populär in den 1920er und 30er Jahren, aber ihre Aufnahmen sind von solch deplorabler Qualität, dass sie - ähnlich wie Blind Lemmon Jefferon, Blind Willie McTell oder sogar Robert Johnson - letztlich kein Hörgenuss mehr sind.

Bleibt noch eine Frau der ersten Generation: Gertrude «Ma» Rainey (1886-1939). die als «Mother of the Blues» bezeichnete Sängerin gehört zu den ersten Blues-Musikern überhaupt, die auf Tonträger gebannt wurden. Von ihr stammt der Titel See See Rider (bzw. C.C. Rider), der dem breiteren Publikum wohl vor allem durch Elvis Presley bekannt sein dürfte (wie auch Big Mama Thorntons Hound Dog). Rainey ist vor allem aufgrund ihrer speziellen Stellung als Pionierin berühmt, die wenigen ihrer Aufnahmen, die überliefert wurden, vermitteln kaum einen Eindruck ihres Könnens.

Schliesslich gibt es noch eine Frage: Gehört Billie Holiday (1915-1959) zu den Blues-Frauen? Nach Meinung der Redaktion eindeutig nein. Obwohl Holiday häufig als Blueserin bezeichnet wird, singt sie doch in erster Linie Jazz-Nummern, sowohl was die Harmonik als auch den Rhythmus ihrer Stücke angeht. Auch wenn einzelne Nummern wie Strange Fruit eher zur Blues-Tradition zu zählen sind, gehört sie doch eher zum Jazz, ebenso wie Ella Fitzgerald, die ja auch eine Jazzerin war, obwohl sie Blues in the Night gesungen hat.

Diese Website trägt die Länder-Extension .ch und deshalb sollte zum Schluss dieses Artikels unbedingt eine Schweizer Blueserin erwähnt werden, denn es gibt da noch die Schweizer Blues-Sängerin und Gitarristin Yvonne Moore. Sie spielt Gitarre und singt, und der Redaktion ist ihre Erstlings-CD Walkin' The Blues von 1994 bekannt. Die Schaffhauserin singt und spielt noch immer, sie blieb allerdings dem Blues nicht immer ganz treu und versuchte sich auch im Funk und anderen verwandten Stilrichtungen.

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