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Lüftchen und Sturm

Das Wetter spielte dieses Jahr mit, und so gab es unterschiedliche Windstärken nur im übertragenen Sinn, von der Bühne her nämlich. Das Blues- und Jazzfestival am oberen Zürichsee hat auch 2015 einmal mehr gezeigt, wieso es beliebt und erfolgreich ist: Die tolle Atmosphäre auf dem Festgelände direkt am See, die vielseitigen Verpflegungsmöglichkeiten und vor allem: die grossartigen Acts, die dort jeweils zu sehen sind. Man kann nicht alles sehen, was das Festival bietet, aber es gibt immer viel zu entdecken. Die Entdeckung dieses Festivals: Engländer Dan Owen hat mit seiner akustischen Solo-Performance das Publikum verzückt.

Wie in der Vorankündigung zu lesen war, hat das «Blues'n'Jazz Rapperswil», das jeweils Ende Juni stattfindet, gewisse Veränderungen vorgenommen, was die musikalische Ausrichtung, vor allem aber was die Organisation angeht. Die Organisatoren haben sich entschieden, mit drei statt wie bisher vier Bühnen gleichzeitig die Rosenstadt am Oberen Zürichsee zu beschallen, und wie ein Augenschein zeigte, blieb das befürchtete Gedränge aus, mit Ausnahme vielleicht des neuralgischen Punktes am Fischmarktplatz.

Vielleicht müsste man auf jedes Ticket schreiben: «Im inneren der Menschenmenge gibt es noch VIEL Platz», denn vor den beiden Bühnen am Curtiplatz und am Fischmarkt, wo nicht gestuhlt war, konnte man immer noch gemütlich Platz finden, wenn man sich durch die eng stehenden Massen am Rande durchquetschte. Am Kapuzinerzipfel, wo jeweils die etwas ruhigeren, oft akustischen Gigs stattfinden, und wo mit Festgarnituren bestuhlt ist, gab es diese Probleme nicht. Immer wieder erstaunlich und schade, aber so funktionieren Menschen nun einmal. Vielleicht wäre es auch an den Musikern auf der Bühne, die Leute aufzufordern, näher zu rücken?

Wenn man aber mal seinen Platz gefunden hat, dann ging die Post ab. Musikalische Vielseitigkeit und mehrere Gigs, bei denen das «Jazz» im Festivalnamen einen Sinn ergab, sorgten für ein abwechslungsreiches Programm. An diesem Festival waren bereits am Freitag Veteranen wie Eric Bibb zu hören, der genau weiss, was er tun muss, um mit dem Publikum zu spielen, der intime Rahmen des «TRILUX Blue Front Cafe» war ideal, um das Publikum direkt anzusprechen, was Bibb mit einem Set weitgehend selbst verfasster Titel tat. Sein Interesse an Blues und den afrikanischen Wurzeln dieser Musik gefiel dem Publikum.. Auf der grossen Bühne am anderen Ende des Seeufers trat zunächst die Schweizer Band Marco Marchi & The Mojo Workers auf, die mit ihrem Old Time Sound weitere Bewunderer gefunden haben dürften. 

Am Samstag war mit James Gruntz ein spannender junger Musiker auf der Hauptbühne am Fischmarkt, der mit seinem Falsetto-Gesang, den zwei begleitenden Gitarristen und seinem eigenen Keyboard innovative und jazzigere Klänge produzierte. Sein Auftritt war geprägt von seinen anspruchsvollen Arrangements, aber seine Musik verbreitet eine leichte Stimmung, sehr beschwingt und streckenweise fast karibisch. Hier ist Spielfreude zu hören und Enthusiasmus, und die stilistische Vielseitigkeit wird sich bestimmt noch weiter auffächern. Bei Bluecerne (Bild rechts) spielte Gitarrist Roli Mosimann eine Gibson ES-335. Eine Verneigung vor dem kürzlich verstorbenen B.B. King? Auf jeden Fall heizten die Luzerner dem Publikum mit ihrer bewährten Mischung aus Blues- und Soul-Titeln mächtig ein und machten es scharf für weitere Auftritte. Sänger Renato Cazzanagi strahlte Stolz und Genugtuung aus, endlich auch einmal in Rapperswil zeigen zu können, was er drauf hat. Sie Luzerner bauten also eine Rampe für das Heritage Blues Orchestra — ein seit 2012 existenter Zusammenschluss von seit Langem spielenden Musikern — gleich die Stimmung erben und darauf aufbauen konnten. Bill Sims Jr. und seine Tochter Chaney sorgten für den Groove, und Junior Mack spielte auf einer Goldtop ideenreiche Soli darüber. Was etwas schade war, das ist die Tatsache, dass die Frontleute auf der Bühne sassen, weshalb es für die Festivalgäste im hinteren Teil des Curtiplatzes leider beim Hörerlebnis blieb, da man ausser zwei Cowboyhüten und einem Haarschopf zunächst nicht viel sehen konnte.

Die persönliche Entdeckung für mich aber war der blutjunge Engländer Dan Owen, ein Solo-Performer, der akustische Gitarre spielt sowie Harmonika in der Halsspange und dessen rhythmisch klopfender Fuss die Bühne des «TRILUX Blue Front Cafe» am Kapuzinerzipfel erbeben liess. Der Mann singt Blues-Klassiker und eigene Songs, vermischt dabei lustvoll Country und Singer-Songwriter-Formate, und er weiss ein Publikum zu unterhalten. Am Schluss seines Auftritts riss ihm eine Saite, worauf er das Publikm aufforderte, weiter zu klatschen, ab der Bühne verschwand, mit einer neuen Saite zurückkam und seine Saite On Stage wechselte. Gewiss kam ihm seine Erfahrung als gelernter Gitarrentechniker zu Hilfe, aber dass das Publikum den Klatschrhythmus durch Sprechgesänge verstärkte, das ist seiner Bühnenpersönlichkeit geschuldet. Seine grossartige Stimme, vor allem aber seine gradlinige Persönlichkeit waren die Grundlage für ein hinreissendes Konzert.

 
 
 

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