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Ein Blues-Gesamtkunstwerk

Am 29. November trat Lucky Peterson in Zürich auf, der Multi-Instrumentalist und ehemalige Wunderknabe, der unter Willie Dixons breiten Fittichen im zarten Alten von 5 Jahren seine ersten Bluesaufnahmen einspielte, der inzwischen natürlich eine eigene treue Band hat und der mit einer Blues-Soul-Rock’n’Roll Revue begeistert, die alles in sich hat, was es braucht. Peterson ist dabei als unglaublich vielseitiger und manchmal erratischer Mittelpunkt stets der Fokus des begleitenden Trios, das perfekt unterstützt, aber sonst dem Headliner die Bühne bereitet. In einer praktisch nahtlosen Abfolge von Bluesklassikern und selbst geschriebenem Material präsentierte Peterson ein Panoptikum des Blues, eine furiose Show, aber dennoch sprang der Funken nicht immer wie erhofft über. Die Songauswahl und die Arrangements entsprachen weitgehend dem, was man aus seiner gefeierten Multimedia-Publikation Live at the 55 Arts Club Berlin kennt. Lucky Peterson ist eine wandelnde Blues-Enzyklopädie und so spielte es weniger eine Rolle, welchen Song er interpretierte als dass man sich in diesem musikalischen Strom treiben lassen konnte.

Am Anfang gehörte die Bühne der Band. Wie es sich gehört, wärmte das Trio bestehend aus feurigen Gitarristen Shawn Kellerman, dem stoischen Bassisten Timothy Lee Waites und dem unglaublich präzisen und feinen Schlagzeuger Raul Valdes. Die Band tourt seit längerer Zeit in dieser Konstellation, und das zahlt sich aus. Denn mit dem Eintreffen Petersons auf der Bühne wurde die gesamte Show scheinbar zu einem kontinuierlichen Strom assoziativer Verknüpfungen und spontaner Eingebungen. Die Songs gingen in einander über, wurden wieder als Thema aufgenommen, abrupt beendet und im Gesang mit Versatzstücken aus dem Kanon des Bluesgesangs verziert.

So entstand weniger der Eindruck, ein Set von Songs zu hören als — so kitschig das vielleicht klingt — den «Blues» insgesamt. Lucky Peterson goss seine Version des Blues über dem Publikum aus, und da stand Chicago gleich neben der Gospel-Tradition, Soul, Funk wurden allesamt als Kinder des Blues vorgeführt. Titel klangen an und waren auch schon wieder weg. I’m Ready, I Pity the Fool, Hideaway, I Believe I’ll Dust My Broom, all diese Titel wurden in ihrer traditionellsten Form angespielt, aber dann verfremdet und in neue Formen gegossen. Was nicht zu hören waren, das sind seine grossartigen Coverversionen von Prince-Titeln wie Kiss oder Purple Rain.

Peterson selbst spielte die meiste Zeit über Hammond-Orgel und Keyboards und legte nur für zwei Songs die Gitarre um. Sein Orgelspiel war wenig virtuos, aber stets angepasst und er gab damit Tempo- und Stimmungswechsel an wie mit einem Dirigentenstab. An der Gitarre zeigte er eine Zupftechnik, die genau der unorthodoxen Methode der alten Bluesmen entspricht und wie diese klingt die Bluesgitarre einfach perfekt in seinen Händen, obwohl er nicht ein Solo spielte. Peterson ist wahrlich an Saiten wie an Tasten gleichermassen ein Meister. Sein grossartigster musikalischer Beitrag aber war sein Gesang. Tief und kehlig, ein Aufschrei seiner Seele selbst, düster und verletzt, dann wieder sanft und einschmeichelnd. Lucky Peterson kann den Blues singen wie wohl noch wenige aktive Musiker du es war ein Genuss, ihm zuzuhören.

Was etwas sonderbar wirkte, dass waren seine mitunter zu erratischen Wechsel. Es machte den Anschein, als baue Lucky Peterson seinen Akt stark auf der Energie auf, die aus dem Publikum zurückkommt. Am bewussten Mittwochabend aber war diese Energie im ewz-Unterwerk Selnau vielleicht nicht nach dem Geschmack Petersons, auf jeden Fall wirkte er auch gegen Ende des Konzertes noch suchend nach etwas, das wirklich zieht. So brach er leider Let’s Go Get Stoned ab, weil sich das Publikum zu wenig auf seine Vorstellungen einliess. Und im Versuch, dem Publikum nahe zu kommen ging er mit der Gitarre ins Publikum und nahm ein Bad in der Menge des Publikums, was bedeutete, dass während eines schier nicht enden wollenden Solos nur höchstens ein Viertel des Publikums den Star des Abend zu sehen bekam, weil der nicht gross gewachsene Lucky in einer Menschenmenge verschwunden war.

Es liess sich kein einheitlicher Stimmungsbogen aufbauen, und seine vermehrten Versuche, das Publikum zu mehr Teilnahme zu bewegen, verliefen immer wieder im Sand. In diesen Momenten griff die Band auf einen guten alten Power-shuffle zurück und dann rockte die Sache wieder.

Lucky Peterson zeigte eine Blues-Revue, ein üppiges musikalisches Buffet, bei dem jeder etwas finden konnte, und bei dem alles zusammen gehalten wurde durch die grossartige Band, die so Raum schuf für Peterson Gesang und Instrumentalarbeit. Seine Ehefrau Tamara, die Teile der Tournee mit Lucky bestritt und auf der Berliner Aufnahme einige Songs singt, war nicht zu sehen und es gab auch keine Erwähnung ihrer Abwesenheit.
 
Lucky Peterson– Vocals, Guitar, Hammond B3, Keyboards
Shawn Kellerman- Guitar
Timothy Lee Waites- Bass
Raul Valdes – Drums
 

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