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Blues aus dem Baukasten

Am Freitagabend, 24. April, trat die Kenny Wayne Shepherd Band im Zürcher Kaufleuten auf. Im Rahmen ihrer Europatournee war dies der einzige Auftritt in der Schweiz. Unterstützt von seiner Band brachte der 38-jährige Ausnahmegitarrist 20 Titel über die Rampe, die das Publikum immer wieder zu begeisterten Ausrufen hinrissen. Ein schöner Auftritt im zur Abwechslung halb gestuhlten Saal des Zürcher «Kaufleuten», der gleichzeitig auch Fragen aufwirft. Denn der Mann ist seit 20 Jahren Profimusiker, aber ebenso wie sein Äusseres scheint auch seine Musik kaum zu altern bzw. je nach Blickwinkel zu reifen. Das Alpha und Omega seines musikalischen Kosmos scheint noch immer Stevie Ray Vaughan zu sein, dessen musikalische Philosophie er sich ebenso wie einen Teil der Band zu eigen machte.

 

Kenny Wayne Shepherd hat sein erstes Album Ledbetter Heights 1995 veröffentlicht, als er gerade mal 18 Jahre alt war. Seit dieser Zeit kamen sieben weitere Alben hinzu, doch die drei Titel, die er am Freitagabend von der ersten Veröffentlichung spielte klangen noch immer erstaunlich aktuell. Mit Born with a Broken Heart, Deja Voodoo und dem Instrumental While We Cry brachte er drei nach wie vor grossartige Titel, die er aber genau so spielte, wie er es vor 20 oder vor zehn Jahren getan hat.

Gepaart mit seinem Bühnenpartner Noah Hunt, der seit 18 Jahren weitgehend die Gesangsparts übernimmt, wirkten die beiden Frontleute zwischenzeitlich wie eine Band am Schulabschluss, die mit fetzigem Rock und Shuffle-Grooves für Stimmung sorgten. Hunt spielte auch Rhythmusgitarre, aber diese war ebenso wie sein Gesang leider nicht sehr deutlich zu verstehen. Zusammen wirkten der blonde und der schwarzhaarige Frontman etwas wie das Duo, das mit grossem Elan und Freude an der Sache ihre Musik spielen.

Wären da nicht die Elder Statesmen gewesen, man hätte es wirklich für eine Schulband halten können. Diese waren der Reverend Riley Osbourn an den Tasten (Klavier und Orgel) sowie Chris Layton am Schlagzeug. Der ehemalige Schlagzeuger Stevie Ray Vaughans zeigte hier, wieso er im Bluesrock noch immer eine grosse Nummer ist. Am Bass war nicht der regulare Bassist der Band Tony Franklin, sondern Scott Nelson, der den Bass so tief am Körper trug, wie man es sonst von Heavy-Metal Bassisten kennt. Trotz dieses tief hängenden Geräts spielte er bocksoliden Bass und bildete mit Chris Layton ein wunderbares Rhythmusfundament.

Die Band begleitete, Hunt sang seine Parts (bei grösseren Pausen verschwand er jeweils von der Bühne) und bei längeren Soli nahm er einen Schellenring auf. Und Soli heisst bei Kenny Wayne Shepherd Gitarrensoli. Ein einziges Solo mit einem Umfang von mehr als 12 Takten wurde Osbourn zugestanden (während You Done Lost Your Good Thing Now), aber sonst waren alle Soli Gitarrensoli. Und hierbei war wirklich auffällig, dass der 1977 in Louisiana geborene Shepherd wie ein junger Mann in jedem Song seine ganze Trickkiste auspackte und mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit über die Saiten und Bünde fetzte, und unablässig mit dem Pedalboard seinen Ton modifizierte. Somit gab es in jedem Titel eine kreischende Verzerrung, die vom Publikum jeweils mit enthusiastischen Pfiffen und Zwischenrufen quittiert wurde.

Seine Trickkiste ist ein Bausatz, in dem er verschiedene Elemente zur Verfügung hat, und diese packt er nach einander aus, ohne dass dabei die Stimmung eines Songs grosse Berücksichtigung findet. Einen Rumba begleitete er ebenso wie einen Slow Blues oder einen Fast Shuffle mit seinen im Baukasten verfügbaren Licks, die er es versteht, makellos und mit grosser Erfahrung aneinander zu hängen und zu kombinieren. Das ist mehr handwerkliche Fähigkeit als musikalische Kreativität, aber letztere wird zumeist sowieso überschätzt.

Bei seinem Gitarrenspiel bleibt sein grosses Vorbild Stevie Ray Vaughan die Referenz für alles, was er tut, Seine Shuffles sind ebenso tief und groovig wie bei SRV, seine cleanen Passagen klingen gleich wie beim Texaner (While We Cry bringt genau diesen Sound, den SRV mit Lenny oder Riviera Paradise eingeführt hatte). Eine grosse Stärke seines Sounds sind die Rhythmen, denn seine rechte Hand schlägt wie ein Metronom auf und ab, das ist handwerkliche Perfektion. Man hatte den Eindruck, dass ein Teil des Publikums auch zu Konzerten dieses Mannes aus Shreveport kommen, weil der Texaner nun einmal nie mehr live zu hören sein wird, und ein gutes Surrogat ist KWS allemal.

Shepherd ist anders als Joe Bonamassa oder Johnny Lang kaum in seine eigene musikalische Persönlichkeit gereift, er fällt immer wieder zurück auf das, was ihn begeisterte und was er gut kann: Texas Bluesrock mit allen Tricks, die dazu gehören (gestern war ein Solo hinter dem Kopf zu bewundern). Und wenn Shepherd die Vergleiche mit den anderen weissen Power-Gitarristen seiner Generation vielleicht nicht mehr hören mag, so drängen sie sich doch auf. Dabei ist bei Lang die Stimme voller und bei Bonamassa der Gitarrensound vielseitiger, dafür bringt Shepherd etwas auf die Bühne, was die anderen nicht können: die Nostalgie und die die Sehnsucht nach Vaughan, dem Übervater des weissen Power-Blues à la Texas. 

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