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Gelungenes Experiment

RichardKoechliUndArgoviaOrchesterEs gibt immer wieder Versuche, musikalische Genregrenzen zu überwinden. Dies gilt besonders für klassische und die zeitgenössische, amerikanische Musik. Ob es der französische Jazzpianist Jacques Loussier mit seiner bereits Ende Fünfzigerjahre eingespielten Play Bach Reihe ist, oder die holländische Rockgruppe Ekseption mit ihren Neuinterpretationen klassischer Werke, oder ob das London Symphony Orchestra mit Classic Rock bekannte Pop- und Rocktitel aufführt, es geht meistens darum, die Musikstücke des jeweils anderen Genres auf die eigene Weise zu spielen.

Die Siegel-Schwall Band führte Ende der Sechzigerjahre als erste Bluesband zusammen mit dem Chicago Symphony Orchestra Three Pieces for Blues Band and Symphony Orchestra auf. Später gab es immer wieder Blues- und Rockstars, die mit Symphonieorchestern zusammen auftraten: Deep Purple, Eric Clapton, Emerson, Lake und Palmer, Elton John, Metallica, Kiss et cetera. «Warum bringen wir nicht mal klassische- und Bluesmusiker zusammen auf die Bühne?» Diese Frage eines Konzertabonnenten des Aargauer Symphonie Orchesters (ASO) regte das OK des Festivals zu einem Projekt an, für das es den Intendanten der Argovia Philharmonic, Christian Weidmann und den Bluesmusiker Richard Koechli gewinnen konnte. Dabei sollten Musiker des ASO und Koechlis Band gemeinsam musizieren. Das Bluesfestival Baden präsentierte an seiner Presseorientierung, dem «Opening Anlass 2016» dieses spannende Experiment.

Ein Musiker ist ein Musiker und kann natürlich im Prinzip jede Form von Musik spielen. Allerdings gibt es bekanntlich gewichtige Unterschiede. Während es die Vertreter des Symphonie Orchesters gewohnt sind, vom Blatt zu spielen, liegt die Essenz des Blues in der Improvisation. Zwei Welten, die nicht ohne weiteres zusammenpassen. Gewiss können auch klassische Musiker improvisieren, sie sind es bloss nicht gewohnt. Trotzdem liessen sich die Musiker auf das Abenteuer ein. Man einigte sich auf ein kleines Konzert mit vier geschickt gewählten Titeln. Aus dem Fundus der klassischen Musik wählte man Johann Pachelbels populärste Komposition, den Kanon in D-Dur, der als erstes aufgeführt wurde. Aus dem Blues-Kanon kamen dann After Midnight, Key To The Highway und Train, Train. Die Stücke wurden natürlich arrangiert, wobei man aber darauf achtete, genug Raum für Improvisation zu lassen und gleichzeitig den Symphonikern den nötigen Halt zu geben.

Zu Beginn bot die kleine Bühne des «Provisorium» Baden einen ungewohnten Anblick. Im Zentrum die vier Musiker der Argovia vor ihren Notenständern, umrahmt von den fünf Bluesmusikern. Bestimmt ungewohnt für die Musiker der Argovia. So eng beieinander und das in einem dunkeln Saal mit Kellerambiente. Für die Blueser eine vertraute Umgebung, für die Symphoniker wohl eher fremd. Die Gesichter aller waren zunächst ernst und konzentriert, man konnte die Spannung förmlich knistern hören. Koechli hatte den Platz des Konzertmeisters übernommen und eröffnete nach einigen Takten behutsam den Reigen der Soli, zunächst zwischen ihm, Michael Dolmetsch und Dani Lauk. Das klassische Team spielte die Melodie, Fausto Medici gab den Rhythmus angemessen zurückhaltend, aber mit Groove. Nun ermunterte Koechli den Violinisten Stefan Glaus zum ersten Solo, das noch etwas zaghaft, tastend daherkam, später und in den folgenden Soli mutiger und mit mehr Emotionen. Die Spannung löste sich bei allen Musikern zugunsten des Vergnügens, das sie zusehends empfanden. Man hatte das Gemeinsame gefunden.

Im zweiten Song gab es bereits längere Soli aller Symphoniker, die Gesichter waren mittlerweile entspannt und den Rest des Konzertchens spielte das kombinierte Ensemble mehr als ansehnlich zusammen. Beide brachten ihre Spielart ein und die Mischung kreierte einen gleichzeitig neuen und vertrauten Klang. Man hätte ohne weiteres noch ein, zwei Stücke hören mögen.

«Es riecht nach mehr», so Richard Koechli nach dem ersten Stück. Baden sah schon immer gerne über den Tellerrand des Blues hinaus und zeigte sich aus dieses Mal experimentierfreudig. Vielleicht wird also das Experiment offiziell Bestandteil des nächsten Festivals werden. Hoffen wir es.

Lineup

Stefan Glaus (Violine)
Susanne Dubach (Violine)
Andreas Fischer (Viola)
Martin Merker (Violoncello)

Richard Koechli (Gitarre, Gesang)
Michael Dolmetsch (Keyboard)
Dani Lauk (Harmonika)
David Zopfi (Bass)
Fausto Medici (Schlagzeug)

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