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Interview mit Pascal Geiser

PascalGeiser 2 resizedEr verfolgt seine Ziele beharrlich und engagiert. Wir haben uns mit Pascal Geiser über seinen Blues, seine Pläne und seine Geschichten unterhalten.

Seit wann gibt es die Band in dieser Formation?
Wir spielen seit Anfang 2013 zusammen.

 
Worauf legst du Wert bei deiner Musik?
Für mich ist immer auch die Geschichte wichtig. Als Interpret möchte ich eine Geschichte, die ich glaubwürdig transportieren kann. Sie soll authentisch sein, zum Zuhören anregen, vielleicht zum Nachdenken. Mein Pianist würde zum Beispiel immer gerne Buddy Guys «Skin Deep» spielen. Es ist ein wunderbarer Song, kein Zweifel, aber ich würde diesen Song nie singen. Er handelt von seinen traumatischen Erlebnissen als schwarzer Junge. Wenn ich dies als weisser Mittelständler, der im Grunde alles hat, darüber Lied singen würde, wie ich als schwarzer Junge geplagt worden sei, es wäre einfach nicht authentisch.
bluesnews: Welche Geschichten erzählst du?
Pascal Geiser: Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Blues. Ich möchte oft meine eigene Geschichte erzählen. Wenn du es schaffst, mit der Geschichte, die du erzählst zu erreichen, dass die Zuhörer denken: «Ja, sowas habe ich auch schon erlebt», dann hast du das Ziel erreicht.
Mir muss der Song passen, aber auch der Text, sonst spiele ich den Song nicht, selbst wenn er Erfolg verspricht. Der Erfolg alleine ist kein Massstab. Mir geht es um's Musik machen, einen Draht zum Publikum aufbauen, Spass an der Sache haben. Ich gehöre nicht zur Casting Show Generation, deren erstes Ziel es ist, berühmt zu werden. Ich bin natürlich in der privilegierten Situation, dass mein Arbeitgeber loyal und tolerant ist. Das erlaubt es, dass ich mir Zeit nehme.
 
Und inhaltlich? Sind es traurige Geschichten?
Blues muss ja nicht unbedingt traurig sein. Für mich ist Fernweh eine Art von Blues, das ich aber angenehm finde. Blues ist ja auch unterhaltend und ich versuche an Konzerten, diese Seite einzubringen. Selbst wenn ich einen Song singe, der ein tiefes und trauriges Erlebnis beinhaltet, möchte ich die Leute ja nicht traurig machen, sondern berühren. Der Schalk findet immer seinen Platz. Man darf nie vergessen, dass die Leute ins Konzert kommen, um unterhalten zu werden. Das schönste Kompliment, das mir ein Zuhörer nach einem Konzert gemacht hat, war: Du bist ein Spassvogel mit Tiefgang. Es braucht keine Traurigkeit. Manchmal stehe ich am Bahnhof und sehe mir die Leute an und denke, alle haben wohl den Blues, ausser mir und ich weiss, ich bin glücklich. Ich singe zum Thema auch einen Titel: «Lucky Man can play The Blues».
 
Wer sind deine Vorbilder?
Schwierig. . . Ich höre zur Zeit sehr viel Buddy Guy, was aber nicht heisst, dass ich eine Buddy Guy Kopie einspielen möchte. Dann inspiriert mich Philipp Fankhauser. Die Zusammenarbeit mit Charlie Midnite als Produzent bringt zusätzliche Impulse.
Ich erhielt den Rat: «Vergleiche dich mit den alten Meistern, hör' sie dir an, reihe dich ein.» Ich dachte erst, ich bräuchte das nicht, ich habe meine eigene Geschichte und ich weiss, wie die Musik geht. Aber ich habe das ganze letzte Jahr damit verbracht, sie alle zu hören, die frühen Blueser. Ich habe mich mit ihnen befasst, erfahren, was sie erlebt haben. Sie kamen aus dem nichts, sie hatten nichts und haben daraus ihre Musik geschaffen. Das beeindruckt.
 
Du warst in Schweden unterwegs. Wieso gerade Schweden und wie war das?
Das war reiner Zufall. Ich wollte nach einer Trennung alleine sein, entweder auf einer Alp in den Bergen, oder irgendwo, wo ich zuvor noch nie gewesen war. Das mit der Alp hatte ich dann verworfen, weil ich nicht wusste, was ich dort schliesslich tun soll. Also entschied ich mich für Schweden. Ich spielte alleine, trat teilweise ohne Gage auf und traf andere Musiker, zum Beispiel den Amerikaner Speedo Jones, der im «Stampen Club» in Stockholm auftrat, aber auch schwedische Musiker, die mich jeweils für einige Songs auf die Bühne holten. Es war eine tolle Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde.
 
Wie kam es zur Einspielung in Nashville?
Es war Charlie Midnite, der diesen Kontakt hat. Er hat schon öfter Aufnahmen im Studio19 machen lassen und hat die entsprechenden Verbindungen .
 
Und wie entstand der Song?
Ich schrieb einen Text und Charlie lieferte die Musik dazu. Ich fand jedoch, die Musik passe überhaupt nicht zu diesem Text, aber der Song gefiel mir sofort. Ich hatte auch sofort Bilder zur Musik im Kopf. Dann schrieb ich einen neuen Text, während Charlie mit dem ursprünglichen Text eine Demoaufnahme machen wollte. Ich schickte eine Demoaufnahme mit meinem neuen Text an Charlie und so verzichtete Charlie auf die Demo, weil er fand, der Text passe nun genau zur Musik.
 
Was fällt dir zum Stichwort Crossover ein?
Heute trittst du in Konkurrenz mit der ganzen Welt. Charlie Midnite hat sehr viel kommerzielle Erfahrung. Ich teile seine Meinung: Mit einem puristischen Ansatz erreichst du kein Publikum und wenn deine Musik nicht im Radio spielt, findet sie im Grunde genommen nicht statt. Meine Hartnäckigkeit, Blues machen zu wollen und seine kommerzielle Ader ergeben eine gesunde Mischung, etwas erfolgreiches hervorzubringen, das sich verkauft, das aber unverkennbar Blues bleibt.
 
Du singst Englisch. Kannst du dir vorstellen, Dialektsongs zu schreiben?
Ich werde wahrscheinlich nie Songs in Dialekt singen. Es kann auch ein Nachteil sein, nicht in der eigenen Sprache zu schreiben. Ich bewundere Mundart Musiker, allen voran Polo Hofer, der die Kunst beherrscht, die Geschichten so natürlich zu singen, wie sie erzählt würde. Viele Mundartmusiker haben Probleme damit, dass sie mit der Satzstellung und der Grammatik spielen müssen, weil es sonst rhythmisch, oder wegen des Reims nicht aufgeht. Dann klingt es mühsam und ich denke so würde das doch nie jemand so sagen. Polo ist meiner Meinung nach lyrisch so begabt, dass er immer die Worte findet, die passen. Auch Max (Werner Widmer, Blues Max) kann das. Wenn ich an den Legoblues denke, da erzählt er einfach eine Geschichte. . . ich habe das Gefühl, die Geschichte sei zuerst da gewesen und dann wurde die Musik darunter gelegt und es kommt sehr authentisch 'rüber. Aber für mich passt Mundart nicht und deshalb möchte ich das gar nicht. Ich arbeite stets an meinem Englisch und entwickle es kontinuierlich weiter, denn da ist sicher noch Luft nach oben. Ich lese Biografien in Englisch, sehe Filme und Serien in Originalsprache oder höre bei anderen Bluessängern genau auf die Slangs.

Pascal Geiser, vielen Dank für das Gespräch.

 

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