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Interview mit Jan Hartmann

The Bacon Fats: Sie sind die Gewinner der Swiss Blues Challenge 2013 und werden im kommenden Jahr die Schweiz an der European Blues Challenge in Riga und an der International Blues Challenge in Memhphis vertreten. Wer sind die Bacon Fats? Wir haben uns mit Jan Hartmann, dem Gründer und Bandleader unterhalten.
 
Erst 2011 gegründet, besteht die Band aus gestandenen Musikern, die reichlich Erfahrung mitbringen: Sleepy Eddie James ist seit mehr als zwanzig Jahren im Geschäft. Der 1964 in New York als Edwart Sikora geborene Gitarrist war an der Westküste, bevor er sich kurz nach der Jahrtausendwende in der Schweiz nieder liess. Am Bass steht Tobias Wirz, der auch Musiklehrer ist und als Gründer des Online Musikvertriebs iMusician bekannt wurde. Der 52 jährige Lukas Meier war Drummer der legendären Zürcher Fusion Jazz Band «The Headphones» und sorgt als Schlagzeuger auch bei Asep Stone für den nötigen Punch.
 
Der 1972 geborene Jan Hartmann hat in seiner Jugend eine klassische Pianoausbildung erfahren, das Interesse für den Blues erwachte allerdings erst später durch den leider viel zu früh verstorbenen Schweizer Harp Pionier Joe Walter, bei dem er sein Mundwerk gelernt hatte. Hartmann beginnt 1996 in verschiedenen Bands und als Studiomusiker zu spielen. Daneben studiert er Geschichte, finanziert das Studio mit Blues Harp Kursen.

 

Jan Hartmann, deine Band Bacon Fats hat eben die Swiss Blues Challenge gewonnen und wird die Schweiz in Riga und in Memphis vertreten. Welche Ambitionen habt Ihr?
Natürlich würden wir uns über einen Preis freuen, aber das primäre Motiv ist, dort überhaupt aufzutreten. Die Stimmung und die Atmosphäre sind einzigartig.
 
Also wollt Ihr nicht gewinnen?
(Lacht) Doch, natürlich, auf jeden Fall. Wir freuen uns sehr, die SBC gewonnen zu haben. Aber vor dem Wettbewerb war mir die Teilnahme wichtiger als der Gewinn. Ich finde vor allem auch die SBC und die dahinter stehende Organisation wichtig. Es geschieht etwas und es findet eine Vernetzungs statt, die es früher nicht gab. Das finde ich toll.
 
Hat der Preis Einfluss auf die Pläne der Band in naher Zukunft?
Wir hatten am Tag nach der Challenge noch einen Auftritt im Tessin, danach erst mal eine Pause und hatten erst vor einer Woche einen Gig. Ich hatte das Gefühl, es hat eine Wirkung auf unseren Liveauftritt. Ich spürte mehr Selbstvertrauen, das letzte Verkrampfte ist verschwunden. Wir sind ja in dieser Zusammensetzung relativ neu und der Schlagzeuger Lukas Meier ist erst seit Anfang Jahr dabei. Er hat jedoch der Band sehr viel gebracht, sowohl menschlich, als auch durch sein Spiel.
Wie es weiter Einfluss auf unser Schaffen haben wird, kann ich noch nicht sagen. Wir planen eine CD in diesem Zusammenhang, das ist ja auch ein guter Zeitpunkt. Aber wie es darüber hinaus Einfluss hat wird sich zeigen.Auf alle Fälle wird es sich auf die Stimmung der Band günstig auswirken.
 
Es gibt diesen Song «Bacon Fats» von Frank Zappa (Broadway The Hard Way, 1989). War dies der Grund für den Bandnamen?
Nein. Ich kam durch die Harlem Hamfats drauf, eine Ur R&B Band, eigentlich die erste R&B Band, die auch richtige Stars wurden. Von Hamfats war es dann nicht weit zu Bacon Fats. Rod Piazza hatte übrigens Anfang der siebziger Jahre eine Band mit diesem Namen. Zu Anfang hiess die Band The Bacon Fats Meltdown, aber das war zu kompliziert, deshalb haben wir es gekürzt.
 
Wie würdest du Musik und Sound der Band beschreiben?
Wir haben den Begriff «Hard-Swing-Blues» kreiert. Er ist stark im Blues verwurzelt, wir wollten aber nicht einfach 12 Takt Blues spielen und auch keine entsprechenden Songs schreiben. Die besten sind geschrieben und gespielt – von den Besten und wir dachten, es brauche nicht noch einen 12 Takter. Um lebendig zu bleiben, muss sich der Blues weiter entwickeln.
 
Wer beeinflusst dich aktuell?
Meine Beobachtung und Erfahrung ist diese: Seit es das Internet gibt, kommt man an so viele Sachen heran, die man früher nur zufällig entdecken konnte. Früher bewegte man sich in einem bestimmten Bereich. Wenn ich früher ein Plattengeschäft besuchte, dann sah ich mich bei schwarzer Musik um: Blues, Funk, R&B, Soul, Gospel et cetera und interessierte mich kaum je für etwas anderes, zum Beispiel Zigeunermusik. Heute klickst du dich durch Youtube und plötzlich landest du irgendwo und findest: Hey, das klingt ja interessant! Auch die Texte befassen sich mit den «klassischen» Bluesthemen. Alle diese neuen Erfahrungen beeinflussen mich, bestimmt auch andere. Volksmusik – und der Blues ist Volksmusik – beschäftigt sich oft mit dem Alltag, mit dem Leiden, zum Beispiel im Flamenco. Diese Einflüsse entwickeln den Blues, übrigens beobachte ich dies auch in anderen Stilrichtungen, nicht nur im Blues. Es gibt eine immer grössere Durchmischung, immer mehr fremde Einflüsse verändern einen bestehenden Stil. Rick Estrin ist ein gutes Beispiel und eine grosse Inspiration, sowohl musikalisch, als auch textlich .«Lucky You» beginnt – typisch Blues - mit der individuellen Klage seines Einzelschicksal und wandelt sich dann in einen sozialkritischen Text über die Ungleichheit zwischen den armen Armen und den glücklichen Reichen. Das transportiert den Bluestext aus dem regionalen Kontext in einen globalen und spricht damit viel mehr Leute an.
 
Zur Zeit sind vor allem Bluesrock ziemlich en vogue. Wie siehst du diese Entwicklung?
Rock ist etwas, was wir mit den Bacon Fats weitgehend vermeiden. Ich persönlich mag keinen Rock, es ist mir zu «gerade». Ich finde eigentlich, dass Rock und Blues nicht zusammen passen. Es gibt diese Form, wie sie die Engländer gespielt haben, Clapton und Co. Das ist Bluesrock. Heute hört man eher etwas, das ich als Rockblues bezeichnen würde. Aber das spricht die Massen an. Blues ist mehr dieses. . . Laid Back Feeling. Blues ist eher eine Aufforderung, Rock ein Befehl.
 
Hat dich Joe Walter stark beeinflusst?
Ja, sehr. Nicht unbedingt auf meinen Stil, aber er brachte mir die Musik nahe, mein Klavierunterricht war dagegen eine rein technische Angelegenheit. Immerhin habe ich damit die harmonischen Grundlagen erlernt. Ich hatte auch keine Ahnung vom Blues, ich wollte einfach Musik machen und es war Joe, der mich für den Blues interessiert hat.
 
Deine erste Blues Schallplatte?
Meine erste LP war «The Blues World of Little Walter». Sie gehört zu den ersten Aufnahmen Walters und ist auf Parkway erschienen. Es spielen ausserdem Muddy Waters und Babyface Leroy mit. Ich kam nach Hause, legte sie auf und fand dass man dies nicht hören kann. Ich kannte Funk und Soul, aber dies war mir zu roh, zu urchig. Erst einige Zeit später konnte ich es nicht nur anhören, sondern geniessen, heute geht mir das Herz auf, wenn ich die LP höre. So ungeschliffen, so roh, so direkt aus der Seele – herrlich.
 
Wer ist für dich der grösste Harper?
Es gibt einige, von den alten Meistern der sehr innovative Little Walter und Sonny Boy Williamson II, der ein unglaubliches Feeling hatte. Unter den modernen Harpspielern war Lee Oskar sehr wichtig, dann Carlos del Junco und natürlich Rick Estrin, der zwar im klassischen Stil spielt, aber unglaubliche viele Tricks beherrscht, die man beim ersten Hören nicht unbedingt bemerkt, auch weil er sie sparsam einsetzt, nach dem Motto: Weniger ist mehr.
 
Wann wird die erste Bacon Fat CD erscheinen?
Wir arbeiten daran
 
Du hast einen Spielfilm vertont, welcher war das?
Das ist «Recycling Lily», er wird Mitte November 2013 in die Kinos kommen. Es istein familientauglicher Feelgood Film über eine Tochter, deren Mutter eine Messi ist. Dann ist da ein schüchterner Müllinspektor, der mit der Tochter eine Beziehung entwickelt und dieser Inspektor spielt Harmonika.
 
Hast du auch die Musik geschrieben?
Nein, das war Philipp Schweidler.
 
Die Bluesharp erlebt eine Welle an Popularität erlebt? Wieso?
Vielleicht hängt es mit der neuen Generation von Instrumenten zusammen, die es seit etwa acht Jahren gibt, so etwas wie eine Neuentwicklung. Sie sind auf die Bedürfnisse moderner Spieler zugeschnitten. Früher musstest du die Harp jemandem zum modifizieren geben, oder selbst Löcher bohren und Extraschrauben verwenden, damit sie luftdicht wird. Nun werden sie bereits so ausgeliefert, sind dafür ein wenig teurer geworden. Von aussen kann man das nicht sehen.
 
Was sind deine nächsten Projekte?
Songs schreiben, CD produzieren und die Vorbereitung auf Riga und Memphis . Für Memphis sehen wir uns eher einfach teilnehmen. Für Riga sind wir ambitionierter, haben auch angesehen, wer bisher so aufgetreten ist und rechnen uns echte Chancen aus.
 
Was heisst vorbereiten?
Wir legen grossen Wert auf die Show, machen uns viele Gedanken über den Bühnenauftritt. Wir sind in erster Linie eine Liveband und da gehört das einfach dazu. Gefördert wird dies vor allem von Eddie («Sleepy» Eddie James), der als Amerikaner sowieso mehr Gespür für Show hat. Wir hatten dies zu Beginn, dann aber waren wir ausschliesslich mit der Musik beschäftigt und inzwischen haben wir wieder Raum dafür. Es soll locker bleiben, nicht aufgesetzt wirken. Wir haben Spass, das ist das allerwichtigste und wir möchten dies zum Publikum 'rüberbringen. Das ist auch toll an dieser Band. Alle Mitglieder denken so, Augenzwinkern ist immer dabei.
 
Du warst lange Zeit mit Mick Pini unterwegs. Gibt es da noch Pläne?
Nein. Wir waren um die fünf Jahre zusammen. Für mich ist es abgeschlossen, weil es sich nicht mehr weiter entwickelt hat. Mit ihm war es fantastisch, ich habe viel von ihm gelernt und ich bin dankbar für diese Zeit. Aber es ist eine abgeschlossene Phase.
 
Jan Hartmann, danke für das Gespräch.

 

 

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