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mrblue_2.jpgWir waren für ein Interview mit Mr. Blue (Mr. Blue and The Tight Groove )verabredet. Das Treffen mit ihm wurde mehr ein lockeres Gespräch als ein Interview. Mr. Blue ist ein charmanter Mann, ein Gentleman des Schweizer Blues, der wunderbar Geschichten erzählen kann und jedes Gegenüber sofort in seine Bann zu ziehen weiss. Eine Fähigkeit, die auch seine Live Auftritte prägt. "Blues ist unter anderem Kommunikation" sagt er. Wir erfahren, dass er aus einer musikalischen Familie kommt, sein Vater Violine und Trompete spielte, seine Mutter solo und in verschiedenen Chören sang und Musik ihn begleitet hat, seit er sich erinnern kann. Sein Bruder baut Gitarren, zum Beispiel für Kenny Neal und auch seine Söhne sind Musiker. Wir erfahren ausserdem, dass er mit vielen Bluesgrössen zusammen gespielt hat und die meisten der grossen Blueser persönlich kannte oder noch kennt. Ein Vollblut Musiker also.

 

Du bist ein Musiker mit einer internationalen Karriere, der mit vielen Topstars unterwegs war und bist lange Zeit durch ganz Europa getourt. Wann und wieso hat es Dich in die Schweiz verschlagen?

Das erste Mal spielte ich in Genf für sechs Wochen. Danach spielten wir im Atlantis in Basel, St. Gallen, Albani in Winterthur. Danach kehrten wir zurück nach London. Im Atlantis lernte ich meine Frau kennen. Seit damals kam ich immer wieder in die Schweiz auf der Tournee durch ganz Europa: Frankreich, Deutschland, Holland, Skandinavien, die ganze spanische Küste und schliesslich Marokko. Diese Tour hatten wir jedes Jahr. Anfang der siebziger Jahre beschloss ich dann, in Basel zu bleiben. Damals war es ja noch nicht einfach, hier zu bleiben und zu arbeiten, aber schliesslich konnte ich davon profitieren, dass die Familie meiner Mutter aus Deutschland stammt, was den Prozess etwas erleichterte.

Das Lineup der Band "Tight Groove" ist seit langer Zeit unverändert. Wie ist die Band entstanden und wie ist Ihre Geschichte?

Wir sind seit 1992 zusammen. Dadurch haben wir eine Zusammenarbeit entwickelt, die der Hauptgrund für unseren Erfolg ist. Jeder weiss genau, was zu tun ist. Ich wurde anfangs der Gründung von Tight Groove krank und konnte lange nicht singen. Trotzdem hat die Band jede Woche ihre Probe weiter geführt, auch ohne mich. Das hat uns zusammen geschweisst und reif gemacht. Wir haben heute über 150 Titel im Repertoire, die wir jederzeit spielen können. So sind wir in der Lage, uns jederzeit der Stimmung während eines Gigs anzupassen.

Zur Zeit erleben wir ein Blues Revival, es ist ja nicht das erste Mal. Was macht die immer wieder neue Faszination des Blues aus?

Es gibt immer wieder dieses auf und ab. Jazz zum Beispiel war mal sehr populär in Europa, vor allem in Frankreich. Plötzlich verlor er an Popularität. Dasselbe geschah im Blues. 1963, zur Zeit als ich John Lee Hooker traf, wir hatten einen Gig im Flaminco (Jeffrey Krugers Flaminco Club, London) und ich war noch sehr jung. Da spielten Howlin' Wolf und all die anderen Bluesgrössen erfolgreich. Plötzlich war es wie ausgestorben und blieb so, bis Eric Clapton den Blues zu spielen begann und Leute wie B.B. King vorstellte. Der Blues hob wieder ab. Allerdings nicht so sehr, wie in den letzten Jahren. Es scheint mit der Rap Szene zu tun zu haben. Rap - etwas neues, es wurde gerappt und gerappt, dabei gab es Rap schon seit Joe Tex und James Brown. Danach wurde zwischen den Songs gerappt. Aber Du hattest Stimmen. Dann in den achtzigern wurde soviel gerappt, es gab keine Stimmen mehr. Es wird heute immer noch viel gerappt, aber die Stimmen sind zurückgekehrt. Der Blues passt zu diesem Trend. Der Blues hat etwas, das die Leute hineinzieht und je mehr sie zuhören, desto mehr zieht es sie hinein. Als ich vor 6 Jahren mit den Steppin Stompers spielte, konnte ich viele Dixieland Fans auch für den Blues gewinnen. Wenn sie wissen, dass ich auftrete, kommen sie alle, um den Blues zu hören. Es scheint, dass es die Herzen der Leute erreicht. Lange Zeit war Musik mit wenig Gefühl populär. Die Leute wollten mehr Gefühl und der Blues kann diese Lücke füllen. Der Blues ergänzt den Mangel an gefühlvollen Songs.

Viele Leute kennen auch den Blues nicht, kennen seine Geschichte nicht. Wenn es Gelegenheit gibt, erzähle ich den Leuten etwas darüber. Ich erinnere mich an ein Konzert, bei dem eine Gitarrensaite riss und das Unglück es wollte, dass auch gleich auf der Ersatzgitarre ebenfalls eine Saite platzte. Während der Gitarrist eine neue Saite aufzog, benutzte ich die Gelegenheit, den Leuten etwas über den Blues zu erzählen. Viele hatten keine Ahnung davon. Ich denke an eine Begegnung mit einer Frau, die mich fragte "Was ist das, Blues?", als sie erfuhr, dass ich Bluesmusiker bin. Sie meinte: "Ist Tom Jones Blues?" (lacht) Ich sagte ihr, dass Tom Jones bestimmt in der Lage wäre, Blues zu singen, dass er aber kein Bluessänger sei und gab ihr ein paar Tipps. Ich traf sie nach einigen Jahren wieder. Sie kam auf mich zu und sagte: "Nun weiss ich, was Blues ist" Seitdem ist sie eine begeisterte Blues Liebhaberin.

Was bedeutet Dir persönlich der Blues?

Ich singe verschiedene Musik, aber den Blues liebe ich. Er besitzt meine Seele. Er ist ein sehr, sehr grosser Teil meines Lebens und meine Erholung, meine Entspannung. Er ist wie Medizin. Blues ist meine Droge, ich brauche nicht zu rauchen, nicht zu trinken. Wenn ich traurig bin, mich schlecht fühle entführt mich der Blues in eine andere Welt. Selbst auf der Bühne bin ich in einer anderen Welt.

Die aktuelle CD "Blues Dancer" enthält viele Titel von Kenny Neal. Wie kommt das?

Ich finde Kenny Neal grossartig. Kenny Neal ist auch ein guter Freund meines Bruders, der eine von Kennys Gitarren hat er für ihn gefertigt. Er ist wirklich gut und eine tolle Persönlichkeit. Seine Bühnenpräsenz ist grossartig und er schreibt gute Songs. Ich mag seine Songs, deswegen habe ich sie auf meiner CD eingespielt, weil ich dachte, warum soll ich irgendwelche Songs aufnehmen, wenn ich damit beitragen kann, seine Songs bekannt zu machen.

Was macht "Blues Dancer" aus?

Nach der CD "Hired Slave" wollten wir eine CD mit funkigen und rockigen Elementen, ohne dass die Musik den Bluescharakter verliert. Ich glaube, das ist uns gut gelungen. Ein Teil der Musik ist immer auch Unterhaltung. Man muss sein Repertoire auffrischen und man kann das, ohne den Charakter zu verlieren. Wenn eine Band immer das gleiche Repertoire auf die gleiche Weise spielt, geht die Attraktivität verloren.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ich arbeite an einer weiteren CD mit sehr funkigen Titeln. 4 davon sind schon eingespielt. Ausserdem arbeite ich daran, alte Bluesnummern, z.B. von Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Billie Holyday et cetera ganz neu einzuspielen. Es sind soviele wunderbare Songs darunter, teilweise Standards, die in einer neuen, etwas entstaubten Form auch neu begeistern werden. Es braucht aber viel Vorbereitung, die Songs müssen neu aufgebaut werden. Da es ein längeres Projekt ist, kann und möchte ich noch nicht viel darüber sagen.

Mr. Blue, vielen Dank für das Gespräch

 

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